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Polternde Posse auf dem Untermarkt

Filmdreh vor 50 Jahren: Herbert Köfer fällt erst auf den Hintern und übernimmt später eine besonders ausgefallene Rolle.

Von Ralph Schermann

Vier edle Schimmel ziehen die vornehme Kutsche, in der die Mimen Ingeborg Nass und Horst Schulze die Herrschaft darstellen. Ulrich Griebe vom Görlitzer Volksgut-Gestüt, heute Rosenhof, sitzt auf dem Kutschbock. Wochenlang haben ihn die Defa-Filmer 1968 damit beschäftigt. Nur wenige Sekunden ist er dann allerdings auch auf der Leinwand zu sehen.

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Vieles kommt hoch zu Ross vor die Kamera, als vor 50 Jahren Görlitz mal wieder Drehort eines Spielfilms ist – des zwölften hier gedrehten Streifens. „Nachts sind alle Kater grau“ heißt da noch der Arbeitstitel, der erst später in Babelsberg geändert wird. DDR-Filmliebling Herbert Köfer hat mit Griebes Pferden Probleme. In seiner Rolle als Hauptmann muss er rückwärts auf einem Ross ohne Sattel über das Kopfsteinpflaster galoppieren – eine schmerzhafte Erfahrung. Mehr noch: Aus einem Fenster des Schönhofes soll er auf das Tier springen. Bei der Probe fällt er aufs Pflaster. Dadurch verwirrt, gehen die Pferde durch. Die Zugtiere preschen über die Neißstraße, wo ein beherzter Mann sie tatsächlich zum Stehen bringen kann. Köfer braucht drei Tage Drehpause für diese Szene.

Verfilmt wird 1968 aufwendig auf und neben dem Görlitzer Untermarkt eine Geschichte frei nach Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“. Sehr frei, denn vom Original bleibt nicht viel. Als „derbe Bauernposse“ wird die zeitgenössische Kritik den Film verspotten, eine Klamotte, in der „es drüber und drunter gehe, wobei die Turbulenz nicht immer geschmackvoll daherkommt“. Auch Kameramann Otto Hanisch erfährt Spott. Er habe „viele Vorgänge fotografiert, die zu fotografieren sich nicht gelohnt hätten“. Einzig Wolfgang Kieling und Rolf Ludwig bestechen in den Rollen von Dorfrichter Adam und Schreiber Licht, findet die Kritik. Dabei sollte Ludwig erst den Richter spielen, doch Kieling wird blitzschnell mit dieser Rolle gedankt. Er ist erst kurz vorher aus Westdeutschland in die DDR gekommen.

„Jungfer, sie gefällt mir“ greift auf eine große Menge Kleindarsteller zurück. Allein die Exerzier-Übungen des Militärs werden zu Massenszenen. Viele Studenten der Ingenieurschule werden dafür in alte Uniformen gesteckt, auch Kampfgruppeneinheiten mehrerer Betriebe sind dabei. Seitens der „Künstlerischen Arbeitsgruppe Johannistal“ bekommen sie im September 1968 ein Dankschreiben: „Es war gut, dass ein Peloton nur mit den Genossen der Kampfgruppe aufgestellt wurde. Wir haben ausgezeichnete Aufnahmen.“ Und die „Genossen Kämpfer“ haben genügend Zeit, in den Drehpausen Autogramme von Publikumslieblingen wie Kieling, Ludwig, Nass, Schulze & Co., aber auch von Monika Gabriel, Marianne Wünscher oder Jan Spitzer zu ergattern. „Starallüren gibt es bei diesem Set keine“, betonen Zaungäste. Mancher von diesen postiert sich an der Musikschule auf dem Fischmarkt, wo zentral alle Darsteller kostümiert und geschminkt werden. Letzter Drehtag in Görlitz ist der 14. August 1968, dann folgen noch ein paar Szenen in einem Königshainer Steinbruch und wenige Drehstunden im Zittauer Gebirge.

Der Film erlebt am 20. März 1969 in den Berliner Kinos „International“ und „Kosmos“ eine Doppelpremiere. Da sind allerdings die Fernsehantennen auf dem Untermarkt schon herausgeschnitten, die Kameramann Hanisch versehentlich ins Bild gerutscht sind, was bei einer Vorab-Uraufführung Anfang März auffällt. Sie findet als Dank an den Drehort im Görlitzer Kulturhaus „Karl Marx“ statt, an dessen Stelle sich heute das City-Center erhebt. Und noch einmal hat Herbert Köfer eine Sonderrolle: Im Vorprogramm holt ihn der Görlitzer Magier Lothar Kaulfers auf die Bühne, um mit ihm als „Assistenten“ Publikum wie Filmcrew gleichermaßen mit zahlreichen Tricks zu verzaubern. Es soll Besucher gegeben haben, denen diese Bühnenschau mehr als der folgende Film gefallen hat …