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Populäre Irrtümer im Straßenverkehr

Das kleine Einmaleins der Straßenverkehrsregeln erklärt, was Radler dürfen und was nicht. Hätten Sie‘s gewusst?

Wann darf man nebeneinander fahren und was muss noch beachtet werden im Straßenverkehr?
Wann darf man nebeneinander fahren und was muss noch beachtet werden im Straßenverkehr? © Foto: grafikplusfoto - fotolia.com

Radfahrer müssen grundsätzlich auf dem Fahrradweg fahren

Falsch: Nur weil etwa parallel zur Fahrbahn ein Radweg vorhanden ist, müssen Radfahrer ihn noch lange nicht benutzen. Denn Radler gehören auf die Straße! Dort werden sie auch viel besser von den Autofahrern gesehen. Einen Radweg müssen sie nur benutzen, wenn er durch eines der drei blauen Radwegschilder gekennzeichnet ist (§ 2 Abs. 4 StVO). Ist der Weg im Winter vereist und nicht geräumt, durch Mülltonnen, parkende Autos oder andere Hindernisse versperrt, dürfen Fahrradfahrer (wieder) auf die Straße ausweichen. Lastenräder und Räder mit Anhängern, die zu breit für den Radweg sind, dürfen immer auf die Straße.

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Wenn es rechts keinen Radweg gibt, dürfen Biker den linken nutzen

Falsch: Wie für alle Verkehrsteilnehmer gilt auch für Radfahrer das Rechtsfahrgebot. Wenn ein Schild es jedoch ausdrücklich erlaubt, dürfen Radler den Radweg auf der linken Seite benutzen. Das ist meist dann der Fall, wenn es auf nur einer Seite einen Radweg gibt. Ansonsten heißt es: Ab auf die Straße. Der Fußgängerweg ist keine Alternative. Auf den Bürgersteig gehören nur radelnde Kinder bis zum Alter von zehn Jahren. Erwachsene nur dann, wenn der Fußweg für die gemeinsame Nutzung von Fußgängern und Radlern extra freigegeben ist.

Nebeneinander fahren ist nicht erlaubt

Falsch: Es ist zwar oft sicherer, hintereinander zu fahren, aber Radfahrer dürfen durchaus zu zweit fahren (§2 Abs. 4 StVO). Sie müssen nur darauf achten, dass sie andere Verkehrsteilnehmer nicht behindern. In verkehrsberuhigten Bereichen oder auf Fahrradstraßen ist das nebeneinander fahren sogar ausdrücklich erlaubt. Handelt es sich um eine größere Gruppe – mit mindestens 16 Teilnehmern – dürfen Radfahrer ebenfalls zu zweit fahren (§41 StVO). Denn so kann der Pulk einfacher von Autofahrern überholt werden. 

Wer betrunken in eine Fahrradkontrolle gerät, verliert seinen Führerschein

Teilweise falsch: Nur wer mit mehr als 1,6 Promille Rad fährt, muss um seinen „Lappen“ bangen. Die Polizei darf den Führerschein zwar nicht einkassieren. Aber sie kann eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU), den sogenannten Idiotentest, anweisen. Verweigert der Radfahrer diesen Test oder fällt durch, ist der Führerschein weg. Auch wer durch Schlangenlinien-Fahren auffällt oder einen Unfall baut, muss zittern – und das schon ab 0,3 Promille.

Musik hören auf dem Fahrrad ist verboten

Falsch: Fahrradfahrer sind selbst dafür verantwortlich, dass Sicht, Gehör und Balance nicht beeinträchtigt werden (§23 Abs. 1 StVO). Gegen Kopfhörer ist deshalb beim Fahrradfahren nichts einzuwenden. Die Musik darf nur nicht so laut sein, dass Warnsignale wie Hupen oder Klingeln übertönt werden. Deshalb kommt es allein auf die Lautstärke an. Verursacht ein Biker allerdings einen Unfall, weil er die Warnsignale nicht hört, kann ihm eine Teilschuld angelastet werden. Grundsätzlich nicht gestattet ist das Telefonieren mit dem Handy in der Hand bzw. das Tippen von Kurznachrichten während der Fahrt. Wer dabei erwischt wird, muss ein Bußgeld zahlen. 

Radler haben Mitschuld an einem Unfall, wenn sie keinen Helm tragen

Falsch: In Deutschland müssen laut Gesetz nur Fahrer von Krafträdern einen Schutzhelm tragen. Fahrräder gehören nicht dazu. Manche Richter mindern allerdings die Schadenersatzansprüche von Fahrradfahrern, wenn die Verletzungen durch das Tragen eines Helmes geringer ausgefallen wären. Dann ist oft von einer „Quasi-Helmpflicht“ die Rede. Noch weniger Spielraum haben Mountainbike- oder Rennrad-Fahrer. Sie gelten als „besonders gefährdete Radgruppe“ mit einem höheren Verletzungsrisiko. Ihnen wird empfohlen, immer einen Schutzhelm zu tragen.

Radfahrer dürfen nicht rechts überholen

Falsch: Regelmäßig kommt es vor, dass Biker an einer Ampel oder im Stau schnell noch einen Schlenker machen und sich rechts an den Autos vorbeischlängeln. Doch ist das erlaubt? Gemäß der Straßenverkehrsordnung ja. Die Radler dürfen „Fahrzeuge, die auf dem rechten Fahrstreifen warten, mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht rechts überholen“ (§5 Abs. 8 StVO). Allerdings nur, wenn genug Platz ist. Wer nicht vorbeikommt, muss warten bis der Verkehr wieder rollt. 

Batteriebetriebene Lampen sind erlaubt und ersetzen den Dynamo

Teilweise falsch: Lange Zeit war die Regel eindeutig. Ein Fahrrad war nur dann verkehrstauglich, wenn das Licht von einem Dynamo kam. Lediglich Rennrädern bis elf Kilogramm war das Batterielicht gestattet. Seit 2013 gibt es die „Dynamopflicht“ nicht mehr. Seitdem ist auch eine andere Stromversorgung für das Fahrrad-Licht erlaubt. Das heißt, die Lampe kann auch mit Batterien oder Akkus betrieben werden – wenn sie mindestens eine Spannung von sechs Volt hat. Die Sache hat nur einen Haken. In der Praxis weisen die wenigsten der bisher verwendeten Batterieleuchten diesen Wert auf. Übrigens: Blinkende Rücklichter sind entgegen der landläufigen Meinung nicht erlaubt, da sie kein dauerhaftes Standlicht abgeben.

Beim Überqueren eines Zebrastreifens haben Radfahrer die selben Rechte wie Fußgänger

Falsch: Das stimmt nur, wenn der Radler absteigt und sein Rad über den Zebrastreifen schiebt. Andersfalls muss er den Autos die Vorfahrt überlassen. Tut er das nicht und wird von einem PKW erfasst, trägt er unter Umständen eine Mitschuld am Unfall.