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Portugal rettet Großbank

Die Krise bei der Banco Espírito Santo scheint abgewendet. Ein Rettungsplan der Notenbank schützt nun Kundeneinlagen und Mitarbeiter. Über 30.000 Aktionäre werden aber wohl leer ausgehen

© dpa

Lissabon/Brüssel. Portugal und Europa atmen auf: Rund zweieinhalb Monate nach dem Verlassen des EU-Rettungsschirmes hat das südeuropäische Land einen neuen, gefährlichen Krisenherd gelöscht. Die in Richtung Pleite taumelnde Großbank BES (Banco Espírito Santo) bekommt eine Finanzspritze von 4,9 Milliarden Euro und wird von faulen Geschäften gereinigt. Nach der Bekanntgabe des Rettungsplans durch Zentralbank-Chef Carlos Costa in der Nacht zum Montag teilte die EU-Kommission in Brüssel mit, man werde das Vorhaben billigen. Eine unordentliche Abwicklung hätte ernste Störungen in Portugal verursacht, hieß es zur Begründung.

Die BES hatte am vergangenen Mittwoch für das erste Halbjahr einen Rekordverlust von 3,57 Milliarden Euro gemeldet. Portugals Notenbank sprach von Hinweisen auf illegale Geschäfte. Allein in der vorigen Woche war der Kurs des ehemals wertvollsten Unternehmens an der Lissabonner Börse von 0,45 auf 0,12 Euro pro Aktie eingebrochen.

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Das wichtigste Institut Portugals wird in eine „gute“ Bank, die „Novo Banco“ (Neue Bank) heißt und am Montag ohne Zwischenfälle ihre Geschäfte aufnahm, sowie in eine „Bad Bank“ aufgespalten. In letztere werden die vielen faulen Kredite und Geschäfte der BES ausgelagert.

Die Finanzspritze werde weder den Staat noch die Einlagenbesitzer in Mitleidenschaft ziehen, versicherte Costa. Das Abwicklungsprogramm sehe im Gegensatz zu früheren Lösungen keine Kosten für Haushalt oder Steuerzahler vor. Eine andere Krisenbank, die BPN, war 2008 nach Skandalen und wegen hoher Verluste verstaatlicht worden.

Schutz für 10.200 Arbeitsplätze

Das Geld für die Finanzspritze für die BES soll von einem 2012 auf Druck der Geldgeber gegründeten und von Banken finanzierten Abwicklungsfonds bereitgestellt werden. Da der Fonds, der die Bank kontrollieren wird, vorerst nur über 380 Millionen Euro verfügt, will der Staat das restliche Geld leihen und dazu die von den Geldgebern für den Finanzsektor zur Verfügung gestellten Mittel benutzen. In dieser Kasse sind nach amtlichen Angaben noch 6,4 Milliarden Euro.

Das Finanzministerium in Lissabon hob unterdessen hervor, dass „alle Einlagen, alle Bankdienste, alle Arbeitsplätze (rund 10.200) und die geschäftlichen Beziehungen der Bank“ geschützt seien.

Herbe Verluste für Groß- und Kleinaktionäre

Weniger Glück haben etwa 30.000 Groß- und Kleinaktionäre, darunter die französische Bank Crédit Agricole (15 Prozent), die mit herben Verlusten rechnen müssen. „Sie werden (als Bad-Bank-Aktionäre) die Verantwortung für die verbleibenden Risiken tragen müssen“, so Costa.

Die 1869 gegründete BES hatte bisher einem Firmengeflecht des Banker-Clans Espírito Santo angehört. Der Hauptaktionär der Bank - die Espírito Santo Financial Group (ESFG), die 20 Prozent des Kapitals hielt - hatte Insolvenz angemeldet. Auch andere Töchter der Gruppe Espírito Santo hatten Gläubigerschutz beantragt.

Dank der Finanzspritze erhöht sich nun die Kernkapitalquote der „Novo Banco“, die im Zuge der Krise auf fünf Prozent und damit zwei Punkte unter die von der Notenbank gesetzte Mindestgrenze gefallen war, auf 8,5 Prozent. Aktien der Bank sind nicht mehr an der Börse notiert.

Auf Druck der Zentralbank, die das Institut von den Problemen der Gruppe Espírito Santo (GES) abschirmen wollte, war Vítor Bento zum Nachfolger von Ricardo Espírito Santo Salgado ernannt worden. Dieser hatte 22 Jahre an der BES-Spitze gestanden. Der 70-Jährige war nach seiner Ablösung wegen des Verdachts der Geldwäsche festgenommen und dann gegen eine Kaution von drei Millionen Euro wieder auf freien Fuß gesetzt worden. Bento soll seinen Posten in der neuen Bank behalten. Es gebe nun keine Ungewissheiten mehr, ließ der angesehene Ökonom wissen: „Die Bank ist nun stärker und sicherer.“