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Porzellan-Manufaktur räumt Villa

Der Schauraum im noblen Dresden-Blasewitz hat sich nicht bewährt. Dafür sind andere Neuheiten geplant.

© Robert Michael

Von Peter Anderson

Das Bild lädt zum Tafeln ein. Ein festlich gedeckter Tisch zieht die Blicke im frisch eingerichteten Schauraum der Porzellan-Manufaktur im Meißner Triebischtal auf sich. Das Unternehmen zeigt ein neues Dekor für das seit 2012 auf dem Markt erhältliche Service Cosmopolitan.

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Das Geschirr mit den Kürbisblüten von Meissen-Altmeister Emil Paul Börner stammt aus dem „Showroom Meissen Home“ in der Loschwitzer Straße in Dresden. Ein Teil der Möbel von dort ist bereits nach Meißen geholt worden. Letztlich habe sich das Konzept mit der Außenstelle in Dresden nicht bewährt, sagt Manufaktur-Sprecherin Sandra Jäschke. Die meisten Gäste – so wie jüngst Prinz Carl Philip von Schweden – kommen direkt ins Triebischtal, um einen authentischen Eindruck von der Manufaktur zu erhalten. Den zusätzlichen Weg nach Dresden scheuen sie.

Der Ausflug von Meissen nach Blasewitz dauerte noch nicht einmal zweieinhalb Jahre. Dabei war die Dependance auf der Loschwitzer Straße Ende September 2013 als Pilotprojekt vorgestellt und mit viel Vorschusslorbeeren versehen worden. Für mehrere Hunderttausend Euro hatte die Manufaktur auf 140 Quadratmetern ein Wohnzimmer, Speisezimmer, ein Schlafzimmer und einen Spa-Bereich eingerichtet. Das Angebot richtete sich an VIP-Kunden.

Nach dem Dresdner Vorbild sollten in den folgenden Jahren ähnliche Schauräume in großen deutschen Einrichtungshäusern entstehen. Ex-Meissen-Chef Christian Kurtzke sprach zur Eröffnung von seiner Vision, die Manufaktur eines Tages in einem komplett mit Meissener Produkten ausgestatteten Haus direkt im Dresdner Zentrum am Alt- oder Neumarkt präsentieren zu können.

Nach dem Rekordverlust von knapp 20 Millionen Euro für 2014 sind diese Visionen von der Realität überholt. Christian Kurtzke arbeitet mittlerweile als Chef für Porsche Design. In den nächsten Monaten müssten „schwierige strategische Entscheidungen gefällt werden“, so Sprecherin Sandra Jäschke. Beobachter gehen davon aus, dass dies neben dem Schauraum in Dresden auch die 2011 in Mailand eröffnete Villa Meissen betreffen dürfte. Das Minus für das Geschäftsjahr 2014 kam zu großen Teilen dadurch zustande, dass die Werte der italienischen Meissen-Tochter in den Bilanzen abgeschrieben wurden. Der Verlust ist damit einkalkuliert. SZ-Informationen zufolge führt die Niederlassung in der zweiten Reihe der noblen Mailänder Einkaufsstraße Via Montenapoleone derzeit eher ein Schattendasein. Die Umsätze fallen gering aus.

Positiv fällt dagegen die Bilanz des Staatsbetriebes für die Rückkehr auf die Leitmesse Ambiente aus. „Von vielen Seiten war zu hören, wie schön es ist, uns wieder auf der Messe zu haben“, so Sandra Jäschke. Frankfurt sei ein wichtiger Platz, um die Kontakte zu den Fachhändlern in aller Welt zu pflegen. Zum Beispiel zu den japanischen Partnern, die bereits in der DDR mit Meissen ins Geschäft kamen. In den nächsten Monaten werden die Japaner in Sachsen erwartet, um die Zusammenarbeit erneut zu intensivieren.

Dass Porzellan weiter das Zugpferd für den Luxushersteller bleibe, beweisen Jäschke zufolge die Reaktionen auf die zur Ambiente präsentierten Produkte. Die auf zwei Stück pro Jahr limitierte knapp 600 000 Euro teure Schmucktruhe schaffte es als teuerstes Stück der Messe in die Abendnachrichten des Fernsehens. Das in zwei Varianten angebotene neue Börner-Dekor heimste überwiegend Lob ein. Einmal mehr werden damit die Kombinationsmöglichkeiten der Cosmopolitan-Serie erweitert.

Premiere hatten auf der Messe sechs Geisterfiguren der drei Meisterschüler Maximilian Hagstolz, Judith Lehnert und Maria Walther. Mit den sogenannten Majumas hat das Haus nach längerer Zeit Eigenproduktionen von jungen Künstlern aus den eigenen Reihen hervorgebracht. Im Gespräch sei zudem, ein komplett neues Geschirr zu entwickeln, so Sandra Jäschke.

Die Konzentration auf das Kerngeschäft spiegelt sich auch im Internet wider. Statt unter „Meissen Couture“ ist die Manufaktur bei Facebook wieder unter „Meissen“ zu finden. Ein neuer Image-Film feiert die Porzellanproduktion vom Kaolinabbau bis zum letzten Pinselstrich.

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