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Positives Denken

Nach Dynamos Heimschlappe gegen St. Pauli gibt es reichlich Kritikpunkte, doch der Trainer behält die Ruhe.

© Robert Michael

Von Sven Geisler

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Die Sache ist heikel. Eigentlich wäre eine schonungslose Fehleranalyse nötig, vielleicht sogar ein Weckruf, harte Worte, mahnende, aufrüttelnde. Doch nach dem Abpfiff am Donnerstagabend bleiben Dynamo nur gut 62 Stunden bis zum nächsten Anstoß. So sehr die Niederlage, dieses 1:3 zu Hause gegen den FC St. Pauli, auch schmerzt, es bleibt keine Zeit, die Wunden zu lecken. Oder wie es Uwe Neuhaus sagt: „Ich kann die Mannschaft jetzt nicht nur runtermachen.“ Der Trainer entscheidet sich also dafür, vor der Partie am Sonntag in Sandhausen das Positive zu betonen.

Es mag schwer vorstellbar sein, dass ihm da genug einfällt für seine Ansprache, aber es war eben – wie so oft – nicht alles schlecht. Markus Schubert sogar richtig gut. Der 19 Jahre alte Torwart hat bei seinem Debüt alle Zweifel an seiner Zweitligareife ausgeräumt und „seine Aufgaben absolut souverän gemeistert“, lobt Neuhaus. „Bei den Toren konnte er gar nichts machen.“ An der Stelle ist dann doch ein kritischer Einschub unumgänglich, denn wie St. Pauli zu seinen Treffern kommt, ist beängstigend einfach. Beim ersten verpasst Sascha Horvath die Rückwärtsbewegung, beim zweiten spielt Paul Seguin den Fehlpass, beim dritten Peniel Mlapa. „So viele Fehler dürfen wir in Zukunft nicht mehr machen“, mahnt der Chefcoach, denn: „So viele Tore kann man ja gar nicht schießen.“

Erst recht nicht, und das ist dann leider auch keine positive Erkenntnis, wenn vorn die Ideen fehlen. Nicht mal die Standards, sonst eine Dresdner Stärke, funktionieren. Was die Zuschauer zunehmend auf die Palme bringt, hakt Neuhaus, der sowieso die Ruhe behält, einfach ab: „Das passiert schon mal.“ Sogar einem Spieler, der einen so überragenden linken Fuß hat wie Philip Heise. „Die Pfiffe haben vielleicht mit dazu geführt, dass nicht nur drei, sondern fünf oder sechs viel zu flach reinkamen.“

„Das darf nicht sein“

Der Unmut war verständlich, und es mangelte nicht etwa an Unterstützung von außen. „Es gibt nichts Geileres als ein Flutlichtspiel vor diesen Massen, die uns nach dem 0:1 erst recht gepusht haben“, sagt Marcel Franke. Der Verteidiger hatte sich sein Comeback im schwarz-gelben Trikot natürlich anders vorgestellt. „St. Pauli hat defensiv gut gestanden und offensiv Nadelstiche gesetzt. Das hat gereicht, um in Dresden zu gewinnen, und das darf nicht sein.“

Auch Franke versucht, einen positiven Dreh zu finden. „Wir können sagen, dass wir bis zum Schluss gefightet und noch ein Tor geschossen haben“, meint der England-Rückkehrer. „Aber wir kriegen zu Hause drei Stück, das Ding geht 1:3 aus. Das kann man nicht schönreden.“

Will ja auch keiner. Neuhaus weiß allerdings, dass es nichts bringt, sich zu kasteien. Deshalb hebt er hervor, was ihm gefallen hat und verteidigt die Spieler gegen den Vorwurf, ihnen fehle die Leidenschaft. „Den Willen kann ich der Mannschaft nicht absprechen.“ Sie habe Charakter gezeigt und Moral bewiesen, bis zum Schlusspfiff alles versucht. Nur fehlte die Effektivität. Torgefahr erzeugte Dynamo aus der Distanz, die Flanken kamen zu ungenau, wobei die Frage ist, an wem das lag: an den Flankengebern oder an den Adressaten?

Mlapa suchten sie, um es positiv zu formulieren, zumindest vergebens. Der Togoer spielt scheinbar sein eigenes Spiel: Eins, zwei, drei, vier Eckstein … Mit seinen anderthalb Kopfballchancen in der Schlussphase konnte er kaum punkten im Konkurrenzkampf mit Lucas Röser, der – mit dem Hauch seiner Schuhspitze – nicht nur sein sechstes Saisontor erzielte, sondern in einer Viertelstunde mehr auffällige Aktionen hatte als Mlapa im ganzen Spiel.

Ein paar Tage bleiben noch, um einen weiteren Stürmer zu holen, und wenn man Neuhaus positiv interpretiert, könnte sich noch etwas tun. „Wir haben gesagt, dass wir grundsätzlich Vertrauen in unseren Kader haben“, meint der 58-Jährige. „Aber wir sind bereit – wenn es Sinn macht – den Kader zu verstärken.“ Wobei er einschränkt, dass „im Winter die absoluten Rosinen nicht zu bekommen“ sind, „jedenfalls nicht mit Leichtigkeit“.

Die beste Nachricht: Einen Neuzugang kann er schon am Sonntag aufbieten, also einen für die Startelf. Haris Duljevic saß wundersamerweise zunächst auf der Bank, sozusagen eine erzieherische Maßnahme als – so der Trainer – logische Konsequenz aus dem Test gegen Mlada Boleslav und der Trainingswoche. Erich Berko habe sich „an ihm vorbei trainiert“; überraschend war jedoch eher, dass er Horvath aufbot. Der kleine Österreicher war der großen Aufgabe diesmal nicht gewachsen.

„So richtig durchschlagskräftig wurden wir erst, als Duljevic reinkam“, räumt Neuhaus ein. „Vielleicht brauchte er ein solches Erlebnis, um auf den alten Weg zurückzufinden. In der Verfassung wird er uns in den nächsten Wochen weiterhelfen.“ Na, das sind doch positive Aussichten.