merken
Pirna

Post für eine leere Stadt

Auf zusätzlichen Hand- und Mundschutz verzichtet Dominique Janowski freiwillig. Auf etwas anderes nur ungern.

Fast allein in Pirna: Zustellerin Dominique Janowski bringt ein Stück Normalität.
Fast allein in Pirna: Zustellerin Dominique Janowski bringt ein Stück Normalität. © Daniel Schäfer

Auf den ersten Blick hat sich für Dominique Janowski gar nicht so viel verändert. Die Menge an Post und Zeitungen, die sie täglich in der Pirnaer Altstadt verteilt, hat sich nach einem ersten Einbruch zu Beginn der Krise wieder normalisiert. Auch schützt sie nicht zusätzlich Mund und Hände durch Maske oder Handschuhe. Erstens treffe sie sowieso kaum jemanden auf ihrer Runde, zweitens nutzt sie jede Gelegenheit, sich die Hände zu waschen, sagt die 33-Jährige. 

Auf den zweiten Blick hat sich in den vergangenen Wochen dann doch eine Menge verändert. So hat sie immer Desinfektionsmittel dabei. Außerdem werden jetzt so viele  Postkarten wie noch nie zuvor geschrieben. Nicht nur vor Ostern, sondern auch jetzt noch. Insgesamt aber ist selbst die Zahl der Post-modern-Päckchen zumindest bei Dominique Janowski nicht größer geworden. 

Anzeige
Jetzt zuschlagen und Schnäppchen machen
Jetzt zuschlagen und Schnäppchen machen

Bis zum 23. Mai können Sie bei der SZ-Auktion bis zu 70 Prozent beim entspannten Einkauf von tollen Reisen und Markenprodukten sparen.

Die größte Veränderung ist wohl die Ruhe auf ihrer im Schnitt 13 Kilometer langen Runde. Keiner zum Reden.  Die Geschäfte sind zu, mit deren Inhabern sie sonst mal schnell ein paar Worte redet. Die Leute in den Wohnungen sind zwar im Gegensatz zu sonst da, aber die dürfen ja nicht raus. Diese unnormale Ruhe macht zwar, dass Dominique Janowski meist schneller als sonst mit ihrer Runde fertig ist, aber schön sei es nicht. 

Normalität mit dem Fahrrad

Jeder Schritt durch eine der Altstadtgassen hallt jetzt doppelt laut. Diese ungewohnte Lautstärke in der genau so ungewohnten Stille macht die Situation etwas unheimlich. Einmal wurde diese Stille unterbrochen. Durch ein Dankeschön. "Was Sie jetzt leisten..." Für Dominique Janowski ist das, was sie jetzt macht, nicht so viel anders als sonst. Als Held fühlt sie sich gleich gar nicht. Sie mache eben ihre Arbeit. Ein Satz, den man jetzt oft von denen hört, die sie noch machen dürfen. Am Mittwoch kam noch ein nachträgliches Oster-Dankeschön in Form eines Schokohasen dazu.

Doch auch das Leben von Dominique Janowski ist derzeit alles andere als normal, und sie wünscht sich die Normalität zurück. Zumindest was den täglichen Rhythmus betrifft. Nicht nur, weil ihr Geburtstag auf den diesjährigen Karfreitag fiel. Der Alltag, den man sonst manchmal nicht mehr mochte, fehlt auch ihr und ihrer siebenjährigen Tochter am meisten. Für deren Betreuung hat sie eine familiäre Lösung gefunden. Doch Normalität gibt es nur, wenn der Virus weg oder zumindest fest im Griff ist. Dass das möglichst bald der Fall sein möge, ist nicht nur Dominique Janowskis größter Wunsch. 

Ein bisschen Normalität bringt sie mit dem Fahrrad jeden Tag ins Haus.

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier. 

Täglichen kostenlosen Newsletter bestellen.

Mehr zum Thema Pirna