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Post und Co. schaffen Tausende neue Jobs – befristet

Das große Klicken beginnt jetzt. Onlinehändler erwarten im Weihnachtsgeschäft satte Zuwächse. Den Zustellern aber treibt’s den Schweiß auf die Stirn.

© dpa

Peter Lessmann

„Jetzt kaufen“. Diesen Mausklick werden die deutschen Verbraucher in den kommenden Tagen und Wochen millionenfach tätigen – ein Weihnachtsgeschenk für die Liebsten aus dem Netz. Der digitale Kaufrausch stimmt Onlinehändler froh. Rund 8,5 Milliarden Euro Umsatz, schätzt der Handelsverband Deutschland (HDE), werden die Verbraucher in diesem Jahr für Weihnachtsgeschenke auf dem Internet-Marktplatz ausgeben.

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Von dem Kuchen wollen sich auch jene ein Stück abschneiden, ohne die der blühende elektronische Handel gar nicht denkbar wäre: Die Paketzusteller. „Der E-Commerce boomt, weil wir die Infrastruktur zur Verfügung stellen“, sagt der Brief-Chef der Deutschen Post DHL, Jürgen Gerdes. Seit Jahren schon gehört der Kurier-, Express- und Paketmarkt – auch kurz KEP genannt – zu den boomenden Branchen der deutschen Wirtschaft. Zwischen 2000 und 2012 wuchs der Bereich nach einer Marktanalyse des Bundesverbandes Internationaler Express- und Kurierdienste um 55 Prozent auf 15,5 Milliarden Euro.

Davon entfiel im vergangenen Jahr gut die Hälfte auf das Paketgeschäft. Was das heißt, bekommen Paketzusteller in den letzten Wochen des Jahres zu spüren. Die Zustellung zur Weihnachtszeit ist ein Knochenjob, wenn an sieben Tagen in der Woche kiloschwere Pakete in Hausflure und Etagen geschleppt werden müssen.

Der Niederlassungsleiter des Briefzentrums Köln West Post, Dieter Schneider, sieht das eher sportlich – er muss auch nicht anpacken: Für die Zusteller sei es „eine Frage der Ehre“, Weihnachtspäckchen abzuliefern und in strahlende Gesichter zu blicken.

Mit dem Sonderzug untern Baum

„Wir werden zum ersten Mal in der Geschichte des Unternehmens acht Millionen Pakete pro Tag sehen“, sagte Brief-Chef Jürgen Gerdes. Das wären in der Spitze rund eine Million Pakete und Päckchen mehr als vor einem Jahr. Zur Bewältigung des Ansturms seien zusätzlich 10.000 befristete Stellen geschaffen und 62 Sonderzüge mehr bei der Deutschen Bahn geordert worden. Außerdem würden 8.500 Fahrzeuge mehr bei der Auslieferung der Pakete im Einsatz sein. Beim gesamten Paketvolumen werde die Post 2013 erstmals die Zahl von einer Milliarde deutlich überschreiten.

Durch das rasante Wachstum gerät der weltweit größte Post- und Logistikkonzern zunehmend an die Grenzen seiner Kapazitäten. Im Paketkonzept 2012 seien 750 Millionen Euro Investitionen für den Ausbau von Paketzentren eingeplant worden. Dies sei für zehn Jahre angelegt gewesen, sagte Gerdes. „Jetzt wachsen wir deutlich schneller als geplant“.

Neben dem größten Paketzentrum, das derzeit im hessischen Obertshausen mit einer Sortierkapazität von 50 000 Sendungen pro Stunde gebaut wird und im Herbst 2014 eröffnet werden soll, plant die Post ein weiteres Paketzentrum dieser Größenordnung. „Wir brauchen mehr Platz für Mengen und wollen in der Qualität noch besser werden“, sagte der Postvorstand Gerdes.

Nicht nur die Post stockt auf. Auch Wettbewerber Hermes spricht von zusätzlichen Händen, die nötig werden. 5 000 zusätzliche Zusteller, die meist von Zeitarbeitsfirmen kommen, werden eingesetzt. Anders als bei der Post arbeiten Hermes, DPD, GLS & Co. auf der Endstufe der Zustellung meist mit lokalen und regionalen Subunternehmen. So bleibt unklar, wie viele Menschen in der gesamten Branche überhaupt arbeiten. Der Branchenverband spricht von knapp 200.000 Beschäftigten – ohne die Deutsche Post.

Der scharfe Wettbewerb und der Preisdruck brachten den Kurier- und Paket-Bereich in den vergangenen Jahren immer wieder ins Zwielicht. Zusteller klagten über schlechte Bezahlung und lange Arbeitszeiten. Betroffen sind vor allem die Beschäftigten in Fremdfirmen. Solche Strukturen führten dazu, dass für die Menschen kein auskömmlicher Lohn mehr übrigbleibe, moniert die Gewerkschaft Verdi und verlangt tariflich abgesicherte Arbeitsplätze. Auch der Ruf nach einem gesetzlichen Mindestlohn wurde laut.

Inzwischen habe sich in der Branche ein Umdenken bemerkbar gemacht, räumt Verdi-Sprecher Jan Jurczyk ein. Auch Peter Rey von DPD in Aschaffenburg hält faire Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung für wichtig. Denn: „Die Paketzustellung ist ein extrem wichtiger Job“, sagt er. Und der Postvorstand findet ohnehin, dass man „die Leute so bezahlen müsse, dass sie davon leben können“. (dpa)