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Postboten sollen Senioren versorgen

Der Briefträger schaut, ob es Oma gut geht, und liefert Opa Bargeld nach Hause: Die Post bietet Bremer Senioren neue Dienstleistungen an.

© dpa

Von Anne-Sophie Galli

Bremen. Die Post will Bremer Senioren helfen, länger in ihren eigenen vier Wänden zu leben. Dazu sollen Briefträger Rentnern künftig nicht nur Briefe zustellen. Sie sollen in den kommenden Monaten auch regelmäßig bei ihnen klingeln, fragen, ob es ihnen gut geht, Bargeld vorbeibringen und sie über Hilfsdienste der Wohlfahrtsverbände informieren. Die neuen Dienstleistungen, für die die Post mit den Johannitern kooperiert, sind Teil eines bundesweiten Pilotprojekts für gebrechliche ältere Leute. Initiiert hat das Projekt „Herbsthelfer“ die Stadt Bremen. Zunächst hat sie einen Wissenschaftler beauftragt, mit Senioren zu sprechen, um herauszufinden, was diese brauchen. Dann hat sie neben der Post auch die Johanniter, die Sparkasse, vier Wohlfahrtsverbände mit mehr als 4 000 Helfern und die Krankenkasse AOK angefragt, um die passenden Dienstleistungen anzubieten.

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Der Start des Post- und Johanniter-Services, „Post Persönlich“, ist für Mitte Mai vorgesehen. Gegen eine noch unbestimmte Gebühr sollen Briefträger alle paar Tage kurz mit den Rentnern sprechen und dann eine beruhigende SMS an Angehörige senden oder im Notfall die Johanniter-Sanitäter rufen.

Die Post, die wegen des schwindenden Briefgeschäfts ständig nach neuen Einnahmequellen sucht, hat bereits 2014 ein ähnliches Projekt im Ruhrgebiet durchgeführt. Wegen geringen Kundeninteresses hat der Konzern es nach mehreren Monaten wieder eingestellt. Damals habe die Kommunikation zwischen Postboten und der Johanniter-Notrufzentrale nicht richtig funktioniert, sagt der wissenschaftliche Leiter des Modellprojekts, Herbert Kubicek, vom Bremer Institut für Informationsmanagement.

Dies sei jetzt anders. Bei ihren Besuchen sollen die Postboten bald auch über die Dienstleistungen von rund 4 000 Helfern von Wohlfahrtsvereinen in der Hansestadt informieren. Für sieben bis acht Euro pro Stunde putzen diese etwa die Wohnung, waschen Wäsche, kochen Essen oder spielen mit den Rentnern. „Viele wissen gar nicht, dass es neben Pflegediensten ein solches Hilfsangebot gibt“, sagt Kubicek. Die Krankenkasse AOK sehe dadurch eine Möglichkeit, Pflegekosten zu sparen und unterstützt die Wohlfahrtsvereine mit 80 000 Euro. Die Briefträger sollen auch bei jüngeren Menschen klingeln, um sie als weitere Helfer anzuwerben.

Die Post trainiert ihre Mitarbeiter bald, damit sie die neuen Aufgaben während ihrer gewöhnlichen Rundgänge machen können. Neue Mitarbeiter stelle sie nicht ein, sagte eine Sprecherin.

Die Gewerkschaft Verdi findet es in Ordnung, dass Briefträger in Bremen während des Pilotprojekts mehr Aufgaben übernehmen. „Werden die Aufgaben aber Teil des Regelbetriebs, braucht es mehr Personal“, sagt Verdi-Sprecher Matthias Büschking. „Weil die Post viel Personal abgebaut hat, sind Postzusteller für immer größere Bezirke verantwortlich.“

Nichtsdestotrotz bieten Post und die Sparkasse voraussichtlich ab Juli zudem einen kostenpflichtigen Bargeldlieferservice in Bremen an. Kunden sollen dann bis zu 500 Euro per Telefon bestellen können, die ein Briefträger einmal pro Woche nach Hause bringt. Ebenfalls ab Juli können sich Rentner auch beim Bürgertelefon (115) kostenlos Behördenformulare an die Haustür bestellen, etwa, um die Hundesteuer zu bezahlen. Das Bremer Modellprojekt soll bis Ende 2019 laufen. Ob die Post den Service auch in anderen Städten anbieten wird, ist noch offen. (dpa)