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Power-Poulsen ignoriert die Proteste

Ein Däne schießt RB Leipzigs erstes Zweitliga-Tor und führt den bei Fans umstrittenen Neuling zum Auswärtssieg.

© PICTURE POINT

Von John Hennig

Mit einem Sprint zog Yussuf Poulsen auf und davon. Der 20-jährige Däne stellte seinen kräftigen Körper zwischen Ball und Gegenspieler Gary Kagelmacher, ließ sich nicht abdrängen und vollendete überlegt – wieder ein Stück Vereinsgeschichte. Denn Poulsen erzielte beim überzeugenden 3:0-Auswärtssieg bei 1860 München in der 39. Minute das erste Zweitligator von Aufsteiger RasenBallsport Leipzig. „Es lief einfach gut“, sagte Poulsen sichtlich glücklich über die doppelte Premiere. Vor 32 000 Zuschauern, darunter Ex-Trainer Peter Pacult und immerhin knapp 2 000 mitgereisten Fans aus Leipzig, war es der erste Sieg für die Leipziger in der zweiten Liga.

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Es ist mittlerweile der dritte Neuzugang und ein alter Bekannter. Nach einem Jahr kehrt der 23-Jährige zurück an die Elbe.

In der zweiten Halbzeit scheiterte Poulsen mit weiteren Chancen zunächst fulminant an der Latte (47.) und später am besten Münchner, Torhüter Gabor Kiraly (53.). Dafür legte er mit einem weiteren unaufhaltbaren Sprint nach, als er den eingewechselten Matthias Morys mustergültig für den zweiten Treffer bediente. Am Ende legte Morys dem ebenfalls eingewechselten Denis Thomalla sogar noch den dritten Treffer auf zum ungefährdeten Sieg.

Auch ohne die zuletzt verpflichteten Neuzugänge Ante Rebic, Marvin Compper und Zsolt Kalmar zeigte der Aufsteiger eine starke Vorstellung. Defensiv sicher, stark pressend und offensiv zielstrebig. „Ich bin sehr beeindruckt“, sagte Trainer Alexander Zorniger nach dem 17. Spiel in Serie ohne Niederlage, und er betonte: „Wir werden unsere Ziele jetzt sicher nicht verändern. Und wir werden auch Spiele verlieren. Aber heute war es ein Auftritt, wie wir ihn uns vorstellen.“

Seinen besten Spieler Poulsen lobte Zorniger dann fast überschwänglich: „Er hat alle Ansätze, um ein wirklich Großer zu werden, vor allem auch im Kopf.“ Schon in der dritten Liga hatte der junge Stürmer sein Talent nachgewiesen. Mittlerweile wirkt der dänische U 21-Nationalspieler noch robuster, geschmeidiger und effektiver. Und damit hat Poulsen auch seinem Sturmkollegen Daniel Frahn, in den vergangenen vier Jahren stets bester Leipziger Torschütze, ein wenig den Rang abgelaufen. Solange die beiden Neuzugänge Terrence Boyd und Ante Rebic noch fehlen, spielt Frahn auf Bewährung.

Das scheint den Rekordspieler der Leipziger zu hemmen. In München scheiterte Frahn in der 13. Minute mit einem kläglich geschossenen Elfmeter an Kiraly. Später tauchte er vollkommen frei im gegnerischen Strafraum auf, als die Münchner Abseitsfalle versagte (60.). Doch der Ball prallte dem Stürmer zu weit vom Fuß, sodass Kiraly ihn locker aufnehmen konnte. Ein paar Minuten später war die Partie für den Angreifer schließlich beendet. „Er ist trotzdem ein wichtiger Spieler für uns, hat auch defensiv gut gearbeitet“, versuchte Zorniger möglicher Kritik an seinem Kapitän vorzubeugen.

Die Kritik von Teilen des Münchner Publikums war dagegen deftig. Auf riesigen Plakaten war im Stadion zu lesen, was es von dem Aufsteiger mit seiner gewöhnungsbedürftigen Klub- und Finanzstruktur hält. „Tradition schlägt jeden Trend“ lautete einer der Botschaften der 1860-Fans, die unter dem Motto „Alle gegen Kommerz!“ lautstark protestierend in der U-Bahn zum Stadion fuhren.

Verständnis haben die Leipziger dafür natürlich nicht. „Das muss man nicht verstehen. Der aktuelle Trainer hat selbst zwei Jahre bei Red Bull gearbeitet. Und ohne die zugeschossenen Millionen von Investor Hasan Ismaik würde es die 60er nicht mehr auf der Profi-Landkarte geben“, sagte RB-Sportdirektor Ralf Rangnick. (dpa, mit SZ)