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Prager Straße ist nur deutsches Mittelmaß

Bei einer Passantenzählung landet die bekannteste Dresdner Einkaufsstraße auf dem 23. von 25 Plätzen. Sie war einst besser.

Von Bettina Klemm

An einem Sonnabend Mitte Juni wurden auf der Prager Straße 4.470 Passanten pro Stunde gezählt. Damit landete die bekannteste Einkaufsstraße Dresdens hinter Erfurt auf dem 23. Platz. Die Grimmaische Straße in Leipzig kam zur selben Zeit mit 5.688 Passanten auf den 16. Platz. 13.490 Menschen wurden auf der berühmten Kaufinger in München registriert. „Die Prager Straße ordnet sich bundesweit im Mittelfeld ein“, sagt Chantal Schaum. Sie ist Pressesprecherin von BNP Paribas Real Estate Holding GmbH. Das Frankfurter Unternehmen hatte die Zählung veranlasst.

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Die vergleichsweise lange Straße und die Existenz zweier großer Einkaufscenter seien der Grund für sinkende Passantenströme. Eine erfreuliche Entwicklung haben jedoch die Lagen rund um die Frauenkirche am Neumarkt vollzogen, schätzt die Sprecherin ein. Diese profitierten von den steigenden Touristenzahlen. Zu ähnlichen Einschätzungen kommt die Engel & Völkers Commercial. Sie lässt seit 1994 jährlich an einem Dienstag und einem Sonnabend im April die Passanten zählen: In diesem Jahr waren es 3.426 beziehungsweise 4.191. Bei Engel & Völkers werden mehrere Einkaufsstraßen in den großen Städten betrachtet. Die Prager Straße nimmt danach den 25. von 73 Plätzen ein.

„Die Zählungen sind immer Momentaufnahmen. In Dresden stimmen die Eckdaten, wie steigende Einwohner- und Touristenzahlen, aber sinkende Arbeitslosenquote“, sagt Stefan Rischke von Engel &Völkers in Dresden. Allerdings sinke die Kaufkraft in der Stadt, während sie bundesweit stabil blieb. „Wir sind immer noch im Osten und haben nicht so ein konzentriertes Stadtzentrum wie Leipzig“, sagt er. Große Händler wie Peek & Cloppenburg, Karstadt und Globetrotter könnten mit gemeinsamen Aktionen für mehr Aufmerksamkeit sorgen. Ein Problem sei auch der Elbepark. Nach dessen Erweiterung kämen viele Kunden aus dem Umland nicht mehr in die Dresdner Innenstadt. Insgesamt hat es auf der Prager Straße aber einen Imagewandel gegeben: Typische Billiganbieter sind ausgezogen, dafür haben sich etablierte Handelsketten in den Läden eingerichtet. In bester Lage erzielen Vermieter heute Mietpreise von 90 Euro pro Quadratmeter, weist BNP aus. Das entspricht auch der Miethöhe von Erfurt und Rostock. In Leipzig werden 120 Euro erzielt.