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Prags prima Primatorin

Adriana Krnácová eroberte Tschechiens Hauptstadt. Sie hat viele Machos gegen sich.

© Wikimedia/Ludìk KováøCCBYSA3.0

Von Hans-Jörg Schmidt, Prag

Nein, einen neuen Fenstersturz hat Prag Mitte der Woche nicht erlebt. Aber schon eine Art Revolution. Zwar war es der Sage nach mit Libuše eine Fürstin, die die Entstehung Prags vom Berg Vyšehrad aus prophezeit hatte. Doch die Geschicke der Moldaustadt wurden nach der Wahl des ersten Bürgermeisters 1537 nur immer von Männern gelenkt. Jetzt hat Prag erstmals eine Frau als Primator, wie der Stadtvater in tschechischen Großstädten heißt. Adriana Krnácová ist in eine Männerdomäne eingedrungen, was den Herren der Schöpfung, die in Tschechien gern den Macho raushängen lassen, gegen den Strich geht.

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Die 54-Jährige, die Sprachen und Kunstwissenschaften in der Heimat und später auch in den USA studiert hat, wurde im Wahlkampf immer mal von der Seite angemacht. Doch die gut aussehende brünette Brillenträgerin, ohnehin eher schweigsam, ließ sich nie provozieren. Sie sei keine von hier, hieß es etwa, nicht nur nicht aus Prag, sondern nicht mal eine ordentliche Tschechin.

Das stimmt. Krnácová stammt aus Bratislava, ist gebürtige Slowakin. Sie hat aber vor Jahren die tschechische Staatsbürgerschaft angenommen. Und sie spricht selbstverständlich auch akzentfrei Tschechisch. In ihrer Familie sprach man zudem Deutsch und Ungarisch, was im ehemaligen Multi-Kulti-Pressburg normal war. Das hat sie bis heute ebenso flüssig drauf wie Englisch, Russisch und Italienisch. Dass sie geschieden sei und allein einfach so drei Kinder groß gezogen habe, war der albernste Vorwurf: In Tschechien wird jede zweite Ehe geschieden.

Da so viel über die neue Primatorin vorab getratscht wurde, lehnte sie es ab, sich am Wahlabend noch lang und breit dem Stadtrat vorzustellen. „Sie kennen mich doch eh‘“, sagte sie. „Ich sage aber gern nach der Wahl etwas.“ Da fasste sie noch einmal zusammen, was sie sich vorgenommen hat: „Ich will binnen vier Jahren aus Prag eine prosperierende, offene, lächelnde und sichere Stadt machen, ohne Prostitution, ohne Spielkasinos und ohne Korruption.“

Auf den Erfolg von Krnácová baut ihr Parteichef aus der Protestbewegung ANO, der Milliardär und Vizepremier Andrej Babiš. Der will demnächst Premier und später Präsident werden. Ist die Primatorin erfolgreich, dann wird auch ihr neuer Sessel womöglich zum Sprungbrett für Höheres.