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Preis-Chaos an Tankstellen

Die Preisgestaltung auf dem deutschen Benzinmarkt wird immer undurchschaubarer. Die „Bild“-Zeitung berichtete am Samstag über ein „Preis-Chaos“ an den Zapfsäulen.

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Hamburg - Auf den Anzeigetafeln einer Reihe von Tankstellen sei Superbenzin zum Teil deutlich billiger als Normalbenzin ausgewiesen. Den Gipfel habe am Freitag eine Tankstelle in Baden-Württemberg abgeschossen, wo der Liter Normalbenzin 3,99 Euro, Super dagegen nur 1,39 Euro kosten sollte. Allerdings habe es an der Tankstelle überhaupt kein Normalbenzin gegeben. Auch an anderen Markentankstellen sei der Preis für Superbenzin deutlich niedriger gewesen als für Normalbenzin. Ein Hamburger Pächter wird von der Zeitung mit der Aussage zitiert: „Wir haben den Preis für für Normal um 14 Cent über den von Super gestellt, damit die Leute nicht mehr nach Normalbenzin fragen.“

Die Ölkonzerne Aral und Shell begründeten laut „Bild“-Zeitung die Auszeichnung mit technischen Problemen an den Preismasten. Dadurch sei der Preis für Normalbenzin „zeitweise falsch eingestellt“ worden. Dennoch sei den Kunden der korrekte Preis berechnet worden, habe Aral-Sprecher Detlef Brandenburg versichert.Kritiker der Ölkonzerne, vor allem bei den Automobilclubs, vermuten ein Manöver der Industrie, um Normalbenzin vom Markt zu nehmen. Der Chef des Verbandes der freien Tankstellen, Axel Graf Bülow, sagte der „Bild“-Zeitung: „Es gibt bereits kleine Tankstellen- Ketten, die kein Normal mehr anbieten. Andere wollen Normal auslaufen lassen, bieten es teurer als Super an, damit kein Autofahrer mehr zugreift.“ Bülow erwartet, dass Normalbenzin 2008 „relativ schnell fast komplett vom Markt verschwindet“.

Marktführer Aral hatte Ende November damit begonnen, Normal- und Superbenzin zum gleichen Preis zu verkaufen. Inzwischen sind die anderen Konzerne Aral gefolgt. Am längsten hatte die Marke Jet einen Preisabstand von einem Cent zwischen Normal und Super aufrechterhalten hatte. „Wir hätten das gern länger durchgehalten“, sagte ein Sprecher. „Es war wirtschaftlich nicht möglich.“

Aral begründete die Preisgleichheit von Normal- und Superbenzin mit dem Einkaufspreis für die Mineralölprodukte am europäischen Ölmarkt in Rotterdam, die sich ebenfalls angeglichen hätten. Tatsächlich ist der Absatz von Normalbenzin stark rückläufig, seitdem es keinen Preisvorteil gegenüber dem höherwertigen Superkraftstoff mehr aufweist. Bislang tankte rund ein Viertel der Käufer von Otto-Kraftstoffen Normalbenzin. (dpa)