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Preiserhöhung für den Mindestlohn – das hören viele Sachsen nicht gern

Ein Stundenlohn von 8,50 Euro oder mehr ist den meisten Sachsen ein Anliegen. Doch sind sie bereit, dafür zu zahlen?

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Dresden. Das ist eine ehrliche Antwort: Etwa jeder zweite Sachse möchte keine Preissteigerungen in Kauf nehmen, um einen Mindestlohn zu finanzieren. In dieser Frage sind die Sachsen also gespalten, denn etwa die Hälfte ist mit Preiserhöhungen einverstanden. Das zeigt die repräsentative Umfrage der Sächsischen Zeitung unter 502 Sachsen, methodisch beraten vom Institut für Kommunikationswissenschaft der Technischen Universität Dresden.

Die Telefon-Umfrage zu Anfang dieses Monats hat ergeben, dass die Sachsen je nach Schulabschluss unterschiedlich auf die Frage antworten. Wer Abitur hat, ist demnach eher bereit, Preissteigerungen für einen Mindestlohn in Kauf zu nehmen. Von den Befragten mit Abschluss nach der achten Klasse oder Realschule lehnt eine Mehrheit höhere Preise ab. Über das Einkommen der Befragten ist nichts bekannt.

Die Sachsen wurden auch gefragt, ob ein Mindestlohn je nach Branche unterschiedlich hoch sein sollte. Etwa jeder Zweite stimmte zu, 44 Prozent lehnen solche Unterschiede ab, sechs Prozent konnten sich nicht entscheiden. Grundsätzlich sind 85 Prozent für einen allgemeinen gesetzlichen Mindestlohn. 49 Prozent halten 8,50 Euro für angemessen, 39 Prozent wollen einen höheren Mindestlohn.

Die Deutsche Bundesbank warnte gestern vor zu hohen Löhnen: Gegenwärtig erhalte ein Sechstel der Arbeitnehmer in Deutschland weniger als 8,50 Euro. Bei einer generellen Anhebung wird laut Bundesbank ein Teil der Preise steigen. Wenn die Unternehmen die Mehrbelastungen nicht auffangen oder weitergeben können, gibt es weniger Arbeitsplätze.

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„Gerade im Osten wird es große Einschnitte geben“, prophezeit Roland Ermer, Präsident des Sächsischen Handwerkstags. Vor allem Dienstleister werde es hart treffen, etwa Gebäudereiniger, aber auch das Nahrungsmittelgewerbe – andere Branchen, wie den Bau, hingegen kaum.

Ermer ist Bäckermeister in Bernsdorf bei Kamenz. Er hat in Sorge, was da kommen könnte, drei seiner Geschäfte geschlossen und neun Mitarbeiter entlassen. Ermer sagt zum Mindestlohn: „Gerade im ländlichen Bereich wird es dann viele Bäcker nicht mehr geben.“ Der Handwerkerpräsident vertritt die Auffassung, dass der Arbeitskräftemangel das Problem der Niedriglöhne erledigen wird. (SZ/mz/mr/dpa)