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Preisgekrönte Karikaturen zu sehen

Das Riesaer Museum zeigt Werke, die für den Deutschen Karikaturenpreis eingereicht wurden. Mit dabei ist ein besonders Erdogan-Porträt.

© Sebastian Schultz

Von Christoph Scharf

Riesa. Die Unterlippe ist schmollend vorgeschoben, die Nase gerötet. Aus den weißen Hemdsärmeln wuchert die Armbehaarung. Und auf dem schütteren Haupthaar thront ein rotes Eimerchen: Mit einer wenig schmeichelhaften Karikatur des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hatte Frank Hoppmann den Deutschen Karikaturenpreis 2017 errungen. Die Jury hatte sich unter mehr als 1 000 Einsendungen für das Werk des 43-Jährigen entschieden, der unter anderem für den Eulenspiegel, die Welt am Sonntag und das Manager Magazin zeichnet. Jetzt ist diese Karikatur großformatig im Riesaer Museum zu sehen. Unter dem Titel „Menschen sind auch keine Lösung“ zeigt das Haus in einer Sondereinstellung mehr als 100 Einsendungen zum Karikaturenpreis. Zur Eröffnungsveranstaltung waren kürzlich rund 70 Gäste erschienen. Sie amüsierten sich über die Ausführungen von Dr. Peter Ufer, der dafür nach Riesa gekommen war.

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Der Autor und Vorsitzende der Preisjury des Deutschen Karikaturenpreises hatte seine eigene Interpretation des Hoppmann-Werks mit dem roten Eimerchen: Der Künstler würde ganz in der Tradition altmeisterlicher Ölmalerei die reichhaltige Symbolik alter Religionen und Kulturen gewitzt wieder aufnehmen. „Die an orientalischen Männerhüten namens Fes angelehnte Kopfbedeckung mag in diesem Fall unkonventionell daherkommen, aus Plastik, mit einem Metallbügel. Doch wie heutig ist das Material! Das ist die fantastische neue Stofflichkeit!“

Die stehe auch für den technischen Fortschrittswillen des Porträtierten, findet Peter Ufer: Statt des Galgens sei mittlerweile der elektrische Stuhl angesagt. Und der Metallbügel zeige an: Das Visier ist weit aufgeschlagen. „Ein Herrscher, der seinen ärgsten Gegnern offen in die Augen schaut – wenn sie erst mal hinter Schloss und Riegel sitzen.“

Frank Hoppmanns Werke sind lustig und teilweise verstörend, heißt es in der Jurybegründung. Sie seien aber in jedem Fall treffend und meist wenig schmeichelhaft: „Er schält mit seinem pointierten Strich und drastisch überzeichneten Porträts die Typen hinter den Dargestellten heraus und präsentiert so seine gnadenlose Wahrheit.“

Der kommen auch Porträts anderer Künstler sehr nahe. Karikaturist Huse etwa zeigt einen „Mann, gefangen im Körper eines Mannes“ – und bildet einen schlecht rasierten Dickbäuchigen ab, der mit Bier, Knabberzeug und hochgelegten Beinen vor dem Fernseher lümmelt. Alltagsnah werden auch Beziehungsprobleme, das Verhältnis Mensch-Hund oder das Einkaufen aufs Korn genommen.

Die Besucher der Ausstellungseröffnung freuten sich jedenfalls darüber, dass die Schau auch in Riesa gezeigt wird. Bei manchen weckte sie Erinnerungen an frühere Veranstaltungen – etwa an den Karikaturisten Reiner Schwalme, der mal Gast in der Reihe Kaffeeklatsch war, oder an einen Gesprächsabend des Riesaer Hans-Grundig-Clubs im Haus des Handwerks mit Peter Ufer: Der war damals „frisch berufener“ Leiter der SZ-Kulturredaktion, wie sich Museumschefin Maritta Prätzel erinnert. Die aktuelle Sonderausstellung ist noch bis zum 9. August zu sehen.

Geöffnet ist das Stadtmuseum Dienstag, 13-19 Uhr, Mittwoch bis Freitag, 10-18 Uhr, Sonntag, 14-17 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene 2,50 Euro, Rentner zahlen zwei Euro; Kinder, Auszubildende, Studenten, Schwerbeschädigte und Empfänger von Sozialleistungen einen Euro.