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Preisrallye um Ackerland hält an

Acker ist so wertvoll wie nie seit 1990. In den vergangenen zehn Jahren hat sich der Preis mehr als verdoppelt. Fachleute sehen kein Ende der Preisrallye, beobachten aber erste Bremsspuren.

© dpa (Symbolfoto)

Andreas Hummel

Halle/Berlin. Die Preise für Äcker in Deutschland erklimmen immer neue Höchststände. Will sich ein Bauer vergrößern oder ein junger Landwirt eine Existenz gründen, musste er zuletzt für eine Fläche mehr als doppelt so viel berappen wie noch vor zehn Jahren. Diesen Trend haben offensichtlich die mickrigen Erlöse für Milch und die deutlich schlechtere Getreideernte nicht stoppen, sondern nur bremsen können. Auch von der Pleite des Großagrariers KTG geht nach Einschätzung von Fachleuten wohl keine Entspannung am Bodenmarkt aus. Nach Meinung des Deutschen Bauernverbandes mischen zu viele branchenfremde Investoren und Institutionen bei der Preisrallye mit.

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Nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes kostete der Hektar 2015 im Schnitt knapp 19 600 Euro - zehn Jahre zuvor (2005) war es mit fast 8 700 Euro noch weit weniger als die Hälfte. Dabei klaffen die Preise regional weit auseinander. Kostet in Bayern der Hektar inzwischen schon mehr als 47 000 Euro, sind es am anderen Ende des Rankings im Saarland und in Thüringen nur um die 10 000 Euro.

Ein Ende dieser Entwicklung ist nach Einschätzung des Bauernverbandes nicht in Sicht. „Angesichts der Geldpolitik der vergangenen Jahre bietet der Markt für Finanzanlagen kaum noch attraktive Investments“, erklärt Generalsekretär Bernhard Krüsken. Etliche Investoren suchten daher Agrarflächen als langfristig sichere Geldanlage. Hinzu komme, dass Weide- und Ackerland knapper werde. „Jeden Tag gehen 74 Hektar verloren“, erklärt Krüsken mit Blick auf den Bau neuer Straßen, Gewerbe- und Wohnsiedlungen plus erforderlicher Ausgleichsmaßnahmen für die Flächenversiegelung. „Seit 1990 sind dadurch fast eine Million Hektar landwirtschaftliche Fläche verschwunden.“

Ähnlich lautet die Prognose des Bundesagrarministeriums. Der Druck auf den landwirtschaftlichen Bodenmarkt werde kurz- und mittelfristig anhalten, heißt es in Berlin auf Anfrage. „Außerlandwirtschaftliches Investorenkapital sucht sich verstärkt Anlagemöglichkeiten im Agrarbereich.“ Dies lasse Kauf- und Pachtpreise weiter steigen.

Eine Arbeitsgruppe von Bund und Ländern hatte sich schon 2014 mit dem Thema befasst und eine Reihe von Empfehlungen ausgesprochen. So hat der Bund bei der Privatisierung von ehemals staatseigenen Flächen in Ostdeutschland nachgebessert. An der dortigen Praxis war immer wieder Kritik laut geworden, weil sie große Betriebe und Investoren begünstige. Weitergehende Änderungen im Bodenrecht, für das die Länder zuständig sind, sind offensichtlich schwierig. Bisher habe noch kein Bundesland die Vorschläge zu einer stärkeren Regulierung im Bodenrecht umgesetzt, monierte das Bundeslandwirtschaftsministerium kürzlich in einer Kleinen Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion.

So können Landgesellschaften zwar oft ein Vorkaufsrecht beim Verkauf von Agrarflächen ausüben, um die Felder dann weiter an Bauern zu veräußern. Da es sich aber um zwei Verkäufe handelt, fällt dann auch zweimal Grunderwerbssteuer an. Außerdem bieten große, überregional agierende Agrarkonzerne weniger für einzelne Flächen, sondern kaufen ganze Betriebe mit mehreren Hundert oder Tausend Hektar Fläche auf. „Hierbei versagt das Grundstücksverkehrsgesetz bisher, das nur den Verkauf von Agrargrundstücken, aber nicht von Unternehmen, denen diese Fläche gehören, unter Genehmigungsvorbehalt stellt“, betont Krüsken. Aus Sicht des Verbandes sollten daher auch Anteilsverkäufe an Unternehmen im Grundstücksverkehrsrecht geregelt werden.

Um der Preisrallye Einhalt zu gebieten werden auf Länderebene immer wieder gesetzliche Boden- oder Pachtpreisbremsen ins Gespräch gebracht. Doch Eingriffe der Politik könnten fatale Folgen haben, warnt der Direktor des Leibniz-Instituts für Agrarentwicklung in Halle, Alfons Balmann. Er spricht vielmehr von einem „normalen Marktprozess“. Und wenn etwa ein Fonds Agrarflächen kaufe, gingen diese für die Landwirtschaft nicht verloren, sondern würden weiterhin an Landwirte verpachtet, argumentiert der Experte. Außerdem profitierten die Bauern ebenfalls von Wertsteigerungen. Denn auch die Äcker, die ihnen gehören, gewönnen so an Wert - und diese Flächen dienten oft bei Banken als Sicherheit für Investitionskredite.

Maßgeblich für den Anstieg der Kauf- und Pachtpreise der vergangenen Jahren war laut Balmann der große Optimismus in der Bauernschaft angesichts guter Erlöse im Ackerbau. Deswegen seien viele Landwirte bereit gewesen, sich zu vergrößern und mehr Geld für eine Fläche zu bieten. „So wurden die Preise gegenseitig hochgetrieben.“ Hier erwartet er eine Beruhigung am Markt angesichts der Entwicklungen bei den Erzeugerpreisen. Zwar würden die Kauf- und vor allem die Pachtpreise im Schnitt weiter steigen, prognostiziert der Fachmann. Aber es werde in Zukunft seltener große Ausreißer geben.

Bremsspuren bei der Preisrallye um Ackerland beobachtet auch die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG), die ehemals volkseigene Flächen im Osten privatisiert. „Derzeit liegen wir im Durchschnitt bei 3 Prozent über dem Durchschnittsverkaufspreis des Vorjahres“, erläutert Sprecherin Constanze Fiedler. 2015 habe die BVVG im Schnitt noch ein Plus von rund 12 Prozent je Hektar erlöst. (dpa)