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Premiere mit Panther

Bei André Sarrasanis Neuanfang bleiben die weißen Tiger im Käfig. Dafür setzt die neue Show auf starke Männer.

© René Meinig

Von Nadja Laske

Dresden. Die Frage der Fragen am Freitagabend: Wird André Sarrasani mit seinen weißen Tigern zu erleben sein? Im Vorfeld der Premiere seiner neuen Show „Elements III“ im Trocadero am Elbepark hatte der Zirkusdirektor angekündigt: „Es wird ein Raubtier auftreten, auf jeden Fall.“ So wartete das Publikum gespannt auf die großen Katzen, um die es in den vergangenen Monaten viel Aufregung gegeben hatte. Sie fielen nämlich wie alles, was in Sarrasanis bankrottem Unternehmen noch etwas wert ist, in die Insolvenzmasse. Dass die Königstiger Kaya, Ambra und Kijana nicht nur Geld wert sind, sondern vor allem Familienmitglieder, hat der Varieté-Chef immer betont. Entsprechend froh war er darüber, mit Hilfe seiner neuen Geldgeber das Trio wieder zurückkaufen zu können.

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Ganz schön HAPPY!

Familienspaß & Blütenzauber beim Frühlingsfest der Musterhausausstellung UNGER-Park in Ottendorf-Okrilla am 23. und 24. März 2019.

Galaktisch schön: Die Schlangenfrau Kourtney Pavloy schwebt über den Köpfen der Premierengäste. Mit sechs Jahren stand die Tochter einer bulgarischen Artistin und eines irischen Akrobaten zum ersten Mal in der Manege. © Thomas Kretschel
Balance-Act: Bei Dany Daniels Artistik hält das Publikum die Luft an. Der Akrobat tanzt auf wackeligen Türmen. © René Meinig
Hausgemachte Magie: Gastgeber André Sarrasani ist in seiner Show auch selbst mit Zaubertricks zu erleben. © René Meinig
Dino-Damen: Das Sarrasani-Ballett ist im neuen Programm mit tollen Choreografien und Kostümen zu sehen. © René Meinig
Unter den 300 Premierengästen: Multi-Unternehmer Wolfgang „Wolle“ Förster und Sängerin Linda Feller. © René Meinig

Die neue Sarrasani-Show

Wochenlang hat André Sarrasani mit seinem Team den Start der neuen Dinnershow vorbereitet – die wohl letzte Chance, sich wirtschaftlich zu sanieren. Um das Lampenfieber zu vertreiben, schminke er sich für seinen Auftritt bei Swingmusik und lenke sich bei Scherzen mit Kollegen ab, sagte er im Interview mit der Sächsischen Zeitung. „Da kann die Show auch mal ein bisschen zu spät losgehen.“ Das hat Zora Schwarz letztens wohl auch so gesehen. Ihre Premiere im Travestie-Varieté Carte Blanche begann wie die Sarrasanis mit reichlich einer Stunde Verspätung. Für gut gelaunte Gäste muss das keine Katastrophe sein, wirkt aber unprofessionell und respektlos.

Endlich erscheint André Sarrasani wie Kai aus der Kiste, entsteigt einer gläsernen Zauberbox und begrüßt sein Publikum. Etliche Male wird er im Laufe der Show selbst den Magier geben, sich und eine langhaarige Schöne verschwinden lassen und höflichen Applaus ernten. Wie hat er das nur gemacht? Diese Frage stellt sich vermutlich niemand. Außer beim Zaubern mit den Gästen im Saal. Für sie hatte Sarrasani einen kleinen Trick vorbereitet und bekam es mit staunendem Raunen quittiert.

Gute Künstler zu engagieren und selbst den Gastgeber und Conférencier zu geben, damit wäre André Sarrasani am besten beraten. Auch in seinen früheren Shows hat er ein gutes Händchen für eindrucksvolle Zirkus- und Varieténummern bewiesen und unterhaltsame Programme geboten. Das gelingt ihm auch mit Elements III: ein Abend zwischen aufregender Akrobatik und Komik. Schöne Bilder zaubert Schlangenfrau Kourtney in ihrer großen Glaskugel, und mit den Kraftnummern des mexikanischen Trios Rialcris fiebert das Publikum noch mehr mit, als mit dem Artist Dany Daniel auf seinen gefährlich wackelnden Ballance-Rollen.

Eigentlich hätte das schräge Ballett-Duo Papp De Deux das Zeug zum Publikumsliebling. Wie Mann beim klassischen Schwanensee zum Linksträger wird, sollte man gesehen haben. Doch da ist ja auch noch Clown Yello. Er gehört inzwischen in jede Trocadero-Show und zappelt sich mit Gags und gelben Puschelohren in jedes Herz. Ein klein wenig Entzücken musste er am Freitagabend allerdings an einen anderen Bühnenpartner abgeben: André Sarrasani präsentierte schließlich doch noch das versprochen Raubtier, keine königlichen weißen Katzen, sondern ein winziges flauschiges Panther-Baby – Sinnbild für Sarrasanis Neuanfang.