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Presse – Macht – Meinung

Die Stadtwerkstatt Kamenz lädt am Donnerstag zu einer Debatte zum Thema Massenmedien ein. Das dürfte interessant werden.

© Zeichnung: Harm Bengen

Kamenz. Der Verein „Stadtwerkstatt Kamenz – Bürgerwiese“ lädt regelmäßig zu Veranstaltungen in die Rosa-Luxemburg-Straße 13 ein. Am Donnerstag, dem 22. März, steht nun ein Thema auf dem Programm, das in zuletzt heftig diskutiert wird: die Rolle der Massenmedien. Moderiert von Michael Schiewack werden zunächst drei Gäste im Mittelpunkt stehen, bevor es eine sicher interessante Diskussion geben wird. Der Veranstaltungstitel lautet nämlich „Presse – Macht – Meinung“ – und diese Doppeldeutigkeit ist natürlich beabsichtigt. Mit Michael Schiewack diskutieren die studierte Kommunikationswissenschaftlerin Annett Hofmann, der freiberufliche Unternehmensberater Mathias Priebe und der Kamenzer SZ-Lokalredaktionsleiter Frank Oehl.

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Ausgangspunkt ist die handfeste Krise vor allem der traditionellen Medien, die sich nicht zuletzt auch in dem Vorwurf „Lügenpresse“ manifestiert. Im vergangenen Jahr hat etwa jeder Fünfte in Deutschland die Meinung vertreten, von den Medien „systematisch belogen“ zu werden, aktuellere Zahlen sehen diese Gruppe bei etwa 13 Prozent. Ein durchaus größerer Anteil aber steht den Massenmedien durchaus kritisch gegenüber. Solche Begriffe wie Filterblasen, Fake-News oder Gesinnungsdiktatur drücken diese Verunsicherung aus, die auch im noch ungelernten Umgang mit den modernen sozialen Medien eine Wurzel hat. Für den Lautaer Mathias Priebe, der viele Jahre für Radio, Presse (z.B. für die SZ in Hoyerswerda) und Fernsehen auch in der Region zugange war, steht fest, dass die Medien als selbstpostulierte „4. Macht“ jedenfalls keine demokratische Legitimation haben. Er findet den Vorwurf der „Lügenpresse“ absurd, spricht aber von „Plapperpresse“. Die journalistische Filterblase verhindere echten Pluralismus in der veröffentlichten Meinung. Seine Forderung: „Journalisten sollen mehr Fragen stellen, als Antworten geben.“

Letzteres würde der Kamenzer Frank Oehl unbedingt unterschreiben – vor allem, was die gründlichere Arbeit an einem Thema betrifft. Der langjährige SZ-Redakteur meint allerdings, dass Letzteres eher von der Presse im herkömmlichen Sinne auch wirklich erwartet werden könne. „Die bedruckte Zeitung ist von den tagesaktuellen Medien ja das entschleunigste, womit mehr Raum und Zeit für die Gegenrecherche und auch für die Hintergründe einer Geschichte bleiben.“ Damit könne die Presse das Nachrichtenangebot über die Online-Kanäle ergänzen und einordnen.

Eintritt frei

Der Dresdnerin Annett Hofmann ist vor allem eine „ausgewogene Berichterstattung“ wichtig, zu der natürlich Meinungsvielfalt gehöre. „Das sind die Stärken der klassischen Medien, egal ob sie gedruckt erscheinen oder online.“ Zuletzt hat sie als Pressesprecherin des sächsischen Sozialministeriums gearbeitet. Und nun tut sie alles, um nicht auf die Rolle der Ehefrau des neuen CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmar, also als der „First Lady“ des Freistaates, reduziert zu werden. Sie engagiert sich darüber hinaus auch – aber beileibe nicht nur – für soziale Zwecke.

Die Diskussion in der Stadtwerkstatt findet nach der sogenannten „Fishbowl“-Methode statt, die sich vor einiger Zeit auch schon mal im Rathaus bewährt hatte. Der Moderator sitzt mit den drei Gästen in der Mitte des „Aquariums“. Nach 30 Minuten werden dorthin dann die Besucher eingeladen, ihre Fragen an die Protagonisten loszuwerden oder auch – zeitlich begrenzt – einfach mal Dampf abzulassen. Die eintrittsfreie Veranstaltung beginnt 18.30 Uhr, der Platz ist auf 45 Gäste beschränkt. (SZ)