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Prisco und Blobel planen neues Haus am Dresdner Neumarkt

Auf der Gewandhausfläche sollen Wohnungen und Geschäfte entstehen. Dazu schließen sich jetzt die Investoren zusammen.

Von Bettina Klemm

Aus Kontrahenten wurden Partner: Nobelpreisträger Günter Blobel und die niederländische Investorengruppe Kondor Wessel wollen gemeinsam ein Neumarkt-Quartier errichten. Das teilen sie jetzt in einem Brief an Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU) mit.

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„Hier ist niemand eine Nummer“
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Projektentwickler Arturo Prisco ist Partner von Kondor Wessels. „Wir haben inzwischen gute Beziehungen und sitzen am gleichen Tisch“, sagt Prisco. Sogar eine gemeinsame Präsentationsmappe liege schon vor. Damit der Neumarkt insgesamt funktioniert, sei es besonders wichtig, dass diese zentrale Fläche nicht länger von einem Bauzaun begrenzt wird.

Natürlich sollen alle Gebäude, für die es ausreichend Unterlagen gibt, möglichst originalgetreu errichtet werden. „Damit meinen wir auch die innere Gestaltung und keine Häuser mit Gipskarton“, sagt Michael Kaiser. Der Architekt übernimmt für Blobel, der in den USA lebt, die Planungen und Absprachen vor Ort. Wenn es keine Leitbauten gibt, sollten die Häuser modern gestaltet werden. „Aber sie müssen harmonisch dazu passen“, sagt Kaiser. Auch auf dem Blobel-Grundstück gibt es keinen Leitbau. Über einen Wettbewerb sei die beste Gestaltung zu suchen.

Günter Blobel engagiert sich seit langem für den Wiederaufbau des Neumarktes. Als prominentes Mitglied in der Gesellschaft Historischer Neumarkt hat er sich stets deutlich gegen Pläne ausgesprochen, das Gewandhaus wieder aufzubauen. Um zumindest mitreden zu können, hat er im Sommer 2006 von jüdischen Erben das Grundstück Neumarkt 13/Frauenstraße gekauft haben. Es grenzt unmittelbar an die Gewandhausfläche an.

Zu jener Zeit hatte Kondor Wessels schon in Absprache mit der Stadt die archäologischen Grabungen auf der Fläche und einen Wettbewerb für den Gewandhausbau finanziert. Mindestens eine Million Euro dürften die Investorengruppe dafür bereits ausgegeben haben.

Nach langem Streit hat der Stadtrat nun im Juni beschlossen, dass die Fläche so bebaut werden soll, wie sie vor der Zerstörung 1945 ausgesehen hat. Dazu sind Kondor Wessels, Prisco und Blobel bereit. Das historische Gewandhausgrundstück sollte begrünt werden und die historischen Keller der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Die Konturen des Gewandhauses sollten durch eine Baumgruppe markiert werden.

Der Nobelpreisträger Blobel plant mit der Stiftung von SAP- Gründer Klaus Tschira in den historischen Kellern des Neumarktes oder in den künftigen Gebäuden ein spektakuläres Friedens- und Versöhnungsmuseum. Es sei nicht ausgeschlossen, dass das Museum dann auch ein eigenes Portal erhalte, sagt Kaiser. Doch das sei alles ein nächster Schritt.