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Problem Prälaten-Haus

Im März hat der Stadtrat den Verkauf an die Hornsche Stiftung beschlossen, die Stadtverwaltung ignoriert den Beschluss.

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© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

Meißen. Der 11. Tagesordnungspunkt auf der Stadtratssitzung am 29. März lautete: „Verkauf der Roten Stufen 3 an die Otto-und-Emma-Horn-Stiftung“ zum Verkaufspreis von insgesamt 240 000 Euro. Von den 24 anwesenden Stadträten stimmten 23 mit ja, einer enthielt sich. Ein eindeutiges Votum. Umso mehr muss erstaunen, dass trotz dieses eindeutigen Beschlusses bislang der Verkauf der Roten Stufen 3, also des Prälatenhauses, nicht geschehen ist.

In gleichlautenden Anfragen an die Stadtverwaltung und die Hornsche Stiftung wollte die SZ wissen, warum dies so ist. Für die Stadtverwaltung antwortete der neue stellvertretende Sprecher Michael Eckardt. Was ihm Oberbürgermeister Olaf Raschke (parteilos) diktiert hat, liest sich so: „Der Verkauf des Objektes wurde bisher nicht vollzogen, die Stadt hat aber nach wie vor großes Interesse daran, es an die Stiftung zu veräußern. Die Verzögerungen lassen sich zum Teil dadurch erklären, dass bestimmte Förderszenarien noch immer geprüft werden bzw. zurückliegende Fragen leider noch nicht hinreichend beantwortet werden konnten.“

Der Informationsgehalt dieser Antwort konvergiert gegen Null. Klarer ist die Antwort seitens der Hornschen Stiftung durch Verwalter Tom Lauerwald. Auf die Frage, ob denn der Verkauf inzwischen vollzogen worden sei, antwortete er: „Nein. Es liegt noch nicht einmal ein abgestimmter Notarvertrag vor.“ Ihren ersten Vertragsentwurf habe die Stadtverwaltung der Stiftung Ende Mai zukommen lassen. Die Stiftung meldete daraufhin Anfang Juni Korrekturbedarf an, seitdem ruht der See. Lauerwald: „Die Stiftung steht zum Kauf und ist an einer zeitnahen Erledigung interessiert. Dazu gehört auch die Übernahme der bereits gestellten Fördermittelanträge. Die Sanierung bleibt auch in Zukunft eine Aufgabe, an der die Stadt als Fördermittelabwicklungsinstanz mitwirken muss. Das hat die Stiftung bereits im Kaufangebot betont.“

Übersetzt heißt das, dass die Hornsche Stiftung möchte, dass die Stadtverwaltung die Kraft ihrer Mitarbeiter einsetzt, um Fördermittelanträge für das Prälatenhaus zu stellen. Zwar sind bislang seit der Wende schon etwa eine Million Euro in den Erhalt des Kulturdenkmals investiert worden, doch Fachleute gehen davon aus, dass noch einmal der gleiche Betrag notwendig sein wird, um das Gebäude vollständig zu sanieren. Dass es sich nicht um ein beliebiges der vielen alten Häuser Meißens handelt, hat die Stadtverwaltung in ihrer Beschlussvorlage für den Stadtrat selbst dargelegt: „500 Jahre hat das alte, nur unwesentlich umgebaute Gemäuer überdauert und wertvolle mittelalterliche Wand- und Deckenmalereien sind unter zahlreichen Tapeten- und Farbschichten erhalten geblieben. Die Fülle dieser historischen Kunstwerke kann kein anderes Gebäude in der Stadt Meißen aufweisen. Dies macht das spätgotische Domherrenhaus zu einem der bedeutendsten Kulturdenkmäler der Stadt Meißen.“

Warum es bis jetzt nicht vorwärtsgeht, könnte verschiedene Ursachen haben. Die Stadt könnte wollen, dass die Hornsche Stiftung die Verantwortung für die bislang gelaufenen Fördermaßnahmen übernimmt, was diese aus gutem Grund ablehnen muss. Es scheint Streit um eine kleine Terrasse vor dem Prälatenhaus zu geben, welche die Stiftung als unabdingbar für den öffentlichen Betrieb des Hauses als Vereinsdomizil sieht. Wie dem auch sei: Fakt ist, dass sich die Stadtverwaltung unter Oberbürgermeister Raschke über den Beschluss des Stadtrates hinwegsetzt, indem sie den Verkauf nicht vollzieht.