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Probleme von gestern

Dynamo hat mal wieder gewonnen. Beruhigend ist das nicht, meint der Trainer – und lässt in sein Seelenleben blicken.

© Robert Michael

Von Tino Meyer

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Winterdorf, Eislaufen und Hüttengaudi!

Im Döbelner Winterdorf warten eine überdachte Eisbahn, ein beheiztes Hüttengaudi-Festzelt und massig Programmacts auf Groß und Klein.

Durchatmen muss erlaubt sein, auch so kurz nach der Winterpause. Körperlich hat dieser schwer erkämpfte Sieg am Sonntag gegen Bochum geschlaucht, mehr aber noch mental. Den Kopf frei kriegen und dann gleich weiter, lautet also das Motto zu Wochenbeginn bei Dynamo Dresden. Schließlich ist mit dem 2:0 zwar der Vorsprung auf die Abstiegsränge gewachsen, Entscheidendes aber noch nicht erreicht in dieser komisch-zähen Saison, in der Dynamo die Leichtigkeit aus Jahr eins nach dem Wiederaufstieg verloren hat.

Zuschauen macht da nur noch bedingt Spaß. Sogar der Trainer hat sich dabei ertappt. „Ich hatte das Gefühl, wir sind schon in der 85. Minute. Dann gucke ich zur Anzeigetafel und stelle fest, wir haben erst 60 gespielt. Es war ein elendig langes Spiel“, meint Uwe Neuhaus.

Der Vergleich mit der Achterbahn mag übertrieben sein, aber so richtig lassen sich die Gefühle derzeit nicht in eine Richtung lenken. Siege und Niederlagen wechseln regelmäßig ab, nur ist die Serie verlorener Partien bislang meist länger. Der Erfolg gegen ebenso kriselnde Bochumer ist auch erst der dritte vor eigenem Publikum. Das ist eigentlich die Bilanz eines Absteigers.

Ist das nun also die Wende zum Besseren, zum konstant Guten gewesen? „Natürlich freuen wir uns total darüber, dass wir endlich mal wieder hier drei Punkte geholt haben“, betont Neuhaus. Nur passt das Gesagte nicht zum Gesichtsausdruck und der Tonlage. Er klingt eher nüchtern und besorgt, die Miene ernst. Wobei der 58-Jährige damit nicht ganz falsch liegt. Zu feiern gibt es ja wirklich nur das reine Ergebnis (und vielleicht noch den Traumeinstand des torschießenden Neuzugangs Moussa Koné) – selbst wenn hundert Pflichtspiele auf der Dynamo-Bank auch eine Gratulation verdienen. Vor Neuhaus haben das gerade in der jüngeren Vergangenheit in Dresden nicht viele Cheftrainer geschafft.

Neuhaus liefert Erklärungen

Doch mit dem Glückwunsch zu diesem Jubiläum muss man ihm nach Abpfiff nicht kommen. Er beschäftigt sich ohnehin mit anderen Dingen und hat aus dem Bochum-Spiel einige Ansätze für die Trainingswoche mitgenommen. Die eklatant aufgetretene Konterschwäche ist dabei am offenkundigsten.

„Wie viele Bälle wir ohne Druck und ohne Bedrängnis nicht an den Mann gebracht haben, ist symptomatisch“, sagt der Trainer. Und eine Erklärung hat er natürlich auch dafür: „Das ist auch unserer Situation geschuldet. Mit dem Tabellenstand im Rücken sind solche Dinge nicht immer einfach zu lösen.“

Außerdem seien die Standardsituationen verbesserungswürdig, meint Neuhaus und das Abwehrverhalten, „auch wenn wir nicht viel zugelassen haben“. Die Angst vor dem späten Gegentor, ein Dynamo inzwischen schon saisonübergreifend begleitendes Thema, spürt selbst der Trainer aber auch diesmal wieder, wie er gesteht. „Ich habe versucht, mich zu zwingen, nicht daran zu denken. Ich weiß aber, dass es den Spielern genauso geht.“ Doch die haben einen Vorteil, findet Neuhaus: „Auf dem Platz kann man sich dagegen wehren, sich abreagieren, laufen bis die Zunge aus dem Hals hängt. Draußen ist das schon schwieriger. Da hat man mehr Zeit, auf blöde Gedanken zu kommen.“

Neuhaus ist zwangsläufig die Partie gegen den Tabellenletzten Kaiserslautern eingefallen, der in Dresden bis zur 85. Minute wie der sichere Verlierer aussah – und dann trotzdem 2:1 gewann. „Das Spiel müsste eigentlich Kopfball heißen, nicht Fußball. Weil sich da oben alles entscheidet. Und Erfahrungen, die man schon mal erlebt hat, tauchen in solchen Situationen natürlich auf“, erklärt der Trainer. Insofern ist der Erfolg vom Sonntag doppelt wertvoll, einer mit Aha-Effekt. Der Gegner macht Druck, das Tor aber erzielen die Dresdner.

Vor dem nächsten Kellerduell am Sonntag in Fürth lässt sich nicht nur darauf aufbauen, wie Neuhaus bei genauerer Auswertung des Bochum-Spiels feststellt. „Kritik ja, aber eigentlich auch nicht. Ich bin schon zufrieden“, meint er und kann dafür ebenfalls Beispiele anführen. Die Unterstützung des Publikums hat ihm imponiert und das Engagement der Mannschaft. „Es war ein Sieg des Willens und der Leidenschaft“, betont Neuhaus.

Dass es in Fürth erneut zu Umstellungen kommt, sieht er gelassen. Jannik Müller und Niklas Kreuzer, der einmal mehr für sichtbare Belebung der Offensive sorgen konnte, fehlen mit einer Gelbsperre. Neuhaus trocken: „Darüber mache ich mir ab morgen Gedanken.“