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Problemfälle in Döbelner Asylunterkunft

Ein Mitarbeiter berichtet Martin Dulig am Küchentisch von klauenden Flüchtlingen, die selten bestraft werden.

© Dietmar Thomas

Von Tina Soltysiak

Döbeln. Zehn von 200 Asylbewerbern, die in der Unterkunft an der Friedrichstraße in Döbeln leben, seien „Problemfälle“. Sie würden regelmäßig straffällig werden. Das erzählte Thomas Bach, der in der Einrichtung arbeitet, am Mittwochabend am Küchentisch des stellvertretenden sächsischen Ministerpräsidenten Martin Dulig (SPD). Dulig hat den Auftakt seiner Küchentisch-Tour in Döbeln gemacht. Kernfrage des Abends: „Wie weiter mit Asyl und Integration?“

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Bach berichtet von seinen Erfahrungen in der Einrichtung. Zahlreiche der etwa 80 Gäste schüttelten angesichts des Gehörten immer wieder den Kopf. „Ich bin schon mehrmals angegriffen und beklaut worden. Da habe ich Anzeige erstattet. Die sind aber alle abgeschmettert worden.“ Er habe das Gefühl, dass Strafen „mit zweierlei Maß verhängt werden. Wofür Deutsche nach Waldheim in den Knast kommen, werden die Asylbewerber kaum belangt“, meint er. Die Justiz gehe seiner Ansicht nach „zu lasch mit straffälligen Asylbewerbern um. Es gibt bei uns welche, die regelmäßig klauen. Kürzlich wollte einer mit einer Axt drei Afrikaner tot machen. Mal sehen, was dabei rauskommt.“

Polizei braucht zu lange

Bach berichtete von einer albanischen Familie aus dem Kosovo: „Sie muss ihre Papiere noch in Berlin abholen. Macht es aber nicht, weil sie weiß, sie muss dann zurück.“ Stattdessen würde die Familie das Geld, das ihr laut Asylbewerberleistungsgesetz zusteht, einstreichen. Gleichzeitig stellte Bach aber klar: „Die Syrer zum Beispiel, die in der Einrichtung sind, machen überhaupt keine Probleme.“

Der Mitarbeiter in der Unterkunft erklärte weiterhin: „Die Polizei braucht manchmal 20 bis 30 Minuten, ehe sie an der Friedrichstraße sind, obwohl der Polizeiposten eigentlich gleich um die Ecke ist.“ Den Stellenabbau bei der Polizei sieht er als eine Ursache dafür.

Der Döbelner SPD-Landtagsabgeordnete Hennig Homann bestätigt, dass „der Freistaat im Bereich der Sicherheit in der Vergangenheit gespart hat. Aber wir haben den Stellenabbau gestoppt und stattdessen einen Aufbau auf den Weg gebracht.“ Wenn mehr Beamte zur Verfügung stünden, könnten sie auch konsequenter handeln. „Ich bin der Meinung, wer in Deutschland eine Straftat begeht, muss fair bestraft werden. Egal, welcher Nationalität er angehört“, ergänzte er.

Martin Dulig plädierte für eine realistische Herangehensweise an dieses Problem: „Selbst wenn wir Polizei und Justiz und schnellere Verfahren haben, bekommen wir bei der Strafverfolgung vielleicht nicht alles hin.“ Das Vertrauen der Menschen in den Staat gehe zunehmend verloren, wenn sie sich nicht mehr sicher fühlen. „Das Problem ist nicht nur zu wenig Polizei, sondern deren Sichtbarkeit. Die müssen wir verstärken“, sagte er.

Verständnis für Demokratie fehlt

Auch ein bloßer Verweis auf das Grundgesetz nütze den Flüchtlingen nichts. „Die Menschen kommen zum Teil aus Ländern, die Demokratie und Freiheit nicht kennen. Mindestens gleichbedeutend mit den Sprachkenntnissen ist das Demokratieverständnis“, meint er. Integration könne nur funktionieren, wenn den Asylbewerbern die generellen „Spielregeln, was kulturelle Werte betrifft, klar sind“.

Das sieht auch Arndt Kretzschmann, Koordinator Asyl im Kirchenbezirk Leisnig-Oschatz, so. „Werte und Kultur verstehen, geschieht zu mindestens 50 Prozent durch Beziehungen. Die Menschen müssen konkrete Kontakte mit den Asylbewerbern knüpfen“, erklärte er.

Thomas Bach vom Döbelner Asylbewerberheim brachte einen weiteren Ansatz zur Sprache: „Auch das Personal in den Einrichtungen sollte Fremdsprachen sprechen. Es sollten für sie zum Beispiel Englischkurse angeboten werden. Wir können nicht nur von den Asylbewerbern verlangen, dass sie Deutsch lernen. Damit die Kommunikation in den Unterkünften funktioniert, müssen sich beide Parteien verständigen können.“

Olav Chemnitz, Vorsitzender der Awo Region Döbeln, habe die Erfahrung gemacht, dass Teile der Bevölkerung Angst vor Benachteiligung haben. „Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Was können wir tun, um Armut zu bekämpfen?“, fragte er in Richtung Martin Dulig.

„Wir sollten die Themen Armut und Flüchtlinge nicht gegeneinander ausspielen“, warnte der stellvertretende Ministerpräsident von Sachsen. Die Integration in den Arbeitsmarkt müsse für alle gleich sein. Das sei ihm als Wirtschaftsminister wichtig.

Judith Sophie Schilling vom Bündnis Willkommen in Döbeln gab außerdem zu bedenken: „Die Gesellschaft ist genauso in der Verantwortung wie die Politik. Jeder sollte sich an die eigene Nase fassen, und überlegen, was er tun kann, um zur Integration der Flüchtlinge beizutragen.“