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Professor macht Musikschüler fit

Die beiden Jugendlichen fahren zum Bach-Wettbewerb. Einer von beiden hat es dort besonders schwer.

© André Braun

Von Cathrin Reichelt

Döbeln. Mit einem gekonnten Griff in die Tasten des Klaviers und einem kleinen Hopser auf der Bank davor beendet Tabea Hünerfauth den Unterricht an der Döbelner Musikschule. Es war die letzte Stunde bei Lehrerin Galina Freind, bevor die Neunjährige ihr Können heute beim zehnten Nationalen Bach-Wettbewerb in Köthen beweisen muss.

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Ob sie sich darauf freut oder eher aufgeregt ist, weiß Tabea nicht so recht. Aber einen guten Platz zu bekommen, wäre ihr schon wichtig. Das wäre dann schon der dritte in diesem Jahr. Erste Plätze erreichte das Mädchen bereits bei Jugend musiziert und dem Kurt-Schröder-Wettbewerb in Sondershausen. In Köthen spielt Tabea drei Stücke: die Invention Nr. 1 von Bach, das poetische Tonbild von Edvard Grieg und „Am Abend“ von Manfred Schmitz.

Tabea muss die Stücke ebenso auswendig spielen, wie Philipp Hoffmann. Er will sich morgen vor der Jury beweisen, die ausschließlich aus Professoren besteht. Während Tabea in der Altersgruppe 1 startet und dort maximal zwölf Minuten spielt, sind es bei Philipp in der Altersgruppe 3 etwa 30 Minuten. Der 15-Jährige hat bereits dreimal am Bachwettbewerb teilgenommen und hatte jedes Mal dasselbe Pech. „Ich rutsche immer als Jüngster in die nächsthöhere Gruppe“, sagt er. In seiner jetzigen Startgruppe sind junge Musiker im Alter von 15 bis 19 Jahren zugelassen. Am Bachwettbewerb beteiligen sich Pianisten aus ganz Deutschland.

Täglich zwei Stunden üben

„Der Anspruch ist sehr hoch“, sagt Philipp und sieht das gleichzeitig als Herausforderung. Vier Werke wird er in Köthen spielen. Darunter Präludium und Fuge d-Moll aus dem ersten Teil des Wohltemperierten Klaviers von Bach. Dabei komme es nicht nur darauf an, jede Note im Kopf zu haben. „Wir müssen die Stücke auch interpretieren, das heißt, verstehen, was der Komponist mit der Melodie ausdrücken wollte und weshalb das Tempo gerade so gewählt wurde“, sagt Philipp. Bei Bach bestehe zusätzlich die Schwierigkeit, zu entscheiden, ob und wann der Pianist die Pedale einsetzt. Denn zu Bachs Zeiten habe es solche noch nicht gegeben.

Philipp spielt bereits seit elf Jahren Klavier. Von wie vielen Wettbewerben er seitdem Preise mit nach Hause gebracht hat, kann er nicht sagen. Galina Freind bestätigt, dass es sehr viele sind. Mit ihr üben Philipp und Tabea bereits seit Juni für den Bach-Wettbewerb. Aber nicht nur mit ihr. Weil die Lehrerin länger krank war, ist ihr Kollege Denny Hozmann eingesprungen. Außerdem sind die beiden Musikschüler mehrfach nach Leipzig zu Hochschulprofessor Dietmar Nawroth gefahren. Er selbst habe angeboten, die Döbelner bei der Vorbereitung auf den Wettbewerb zu unterstützen, so Galina Freind. „Der Professor hat sich viel Zeit für uns genommen“, sagt Philipp. Dazu kommen bei ihm täglich zwei Übungsstunden zu Hause. Bei Tabea sind es ein bis eineinhalb Stunden. Philipp nutzt bis kurz vor dem Wettbewerb jede Möglichkeit, an seinen Interpretationen zu feilen. Auch nach dem Interview mit dem DA setzt er sich spontan ans Klavier in der Musikschule und am Nachmittag fährt er ein letztes Mal zu seinem Lehrer Denny Hozmann nach Leipzig.