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Professor Patzelts Auto abgebrannt

Während der Politikwissenschaftler sich in Tunesien aufhält, brennt daheim in Dresden der Familienvan ab. Patzelt spricht von einem „kriminellen Angriff.“

© Robert Michael

Von Alexander Schneider und Annette Binninger

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Hass, Gewalt und Selbstjustiz scheinen in Dresden eine neue Dimension erreicht zu haben. Am frühen Dienstagmorgen haben unbekannte Täter in Dresden-Striesen den Mitsubishi des Politikwissenschaftlers Werner Patzelt angezündet. Der graue Van brannte komplett aus. Die Feuerwehr konnte nur die qualmenden Überreste des Autos des Professors der TU Dresden an der Ecke Niederwald-/Voglerstraße löschen. Ein Citroen C4 Picasso wurde durch Hitzeabstrahlungen beschädigt.

Für Patzelt kommt dieser „erste kriminelle Angriff nicht ganz aus heiterem Himmel“. © Robert Michael

Da die Polizei einen politisch motivierten Hintergrund nicht ausschließen kann, hat das Operative Abwehrzentrum (OAZ) den Fall sofort übernommen. „Wir ermitteln in alle Richtungen“, sagte Sprecherin Anke Müller. Dass erstmals ein streitbarer und bekannter Wissenschaftler offensichtlich Opfer politischer Gewalt wurde, ist auch für die Staatsschutz-Ermittler neu.

Brandexperten haben das Auto des Professors am Dienstag auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei nach Spuren untergesucht. „Am Mittwoch werden wir noch eine zweite kriminaltechnische Untersuchung durchführen“, sagte Sprecherin Müller. Was zeigen soll: Die Polizei sucht intensiv nach Indizien und Beweisen für den Anschlag.

Bislang gebe es noch keine Hinweise auf den oder die Täter. Die Ermittler hoffen daher auf die Hilfe von Zeugen, die zwischen 1 und 2 Uhr in der Tatortnähe verdächtige Beobachtungen gemacht haben.

Patzelt selbst ist zurzeit unterwegs in Tunesien. Seine Frau habe ihm am Telefon morgens von dem Anschlag erzählt. „Unser Auto ist nach allen Regeln der Kunst abgefackelt worden“, sagte Patzelt der SZ. Für ihn kommt dieser „erste kriminelle Angriff nicht ganz aus heiterem Himmel“. Erst vor Kurzem sei sein Internet-Blog gehackt worden. „Da ist nichts zu machen“, antwortete der Politikexperte auf die Frage, wie er mit diesem Angriff auf sein privates Umfeld – auf sich, und seine Familie – umgehen wolle. „Ich gedenke, mein Leben genauso weiterzuführen, wie ich das bisher tue. Da lasse ich mir keine Angst machen.“ In der Nacht zum Mittwoch äußerte er sich auch auf seiner Facebook-Seite.

Patzelt erforscht die Pegida-Bewegung seit ihrem Beginn. Er wurde bald als „Pegida-Versteher“ kritisiert – bis heute. Erst vor zwei Wochen kritisierten mutmaßliche Linksextreme, dass der Wissenschaftler an der Extremismus-Konferenz der AfD in Berlin teilgenommen habe. Patzelt bringe den Willen des Volkes, also der Pegida-Anhänger, in eine weniger aggressive, anschlussfähige Form, heißt es da. Darüber hinaus sei Patzelt als Chef eines „Bundesinstituts für gesellschaftlichen Zusammenhalt“ in Dresden im Gespräch, wo Millionenetats in angeblich fragwürdige Forschung gesteckt werden sollen. „Es wird also höchste Zeit, ihn spüren zu lassen, dass das Verständnis für Rassist*innen Konsequenzen hat“, schrieben sie anonym am 15. März auf einer einschlägigen Internetseite.

Seit Herbst 2015 wurden mehrfach die Autos von Pegida-Teilnehmern in Dresden angezündet. Beim bislang größten Anschlag dieser Art im Januar 2016 haben die Täter elf Autos auf einmal abgebrannt. Die Täter wurden noch nicht gefunden.

Hinweise an die Polizei: 0351/4832233