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Projekte für Junge statt verbrannte Köpfe

Mit 450 000 Euro vom Bund sollen in Weißwasser kreative Ideen für Jugend, Frauen und Rückkehrer umgesetzt werden.

© Archivfoto: Rolf Ullmann

Von Irmela Hennig

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Eine Direktanbindung an die Autobahn und Breitbandanschluss. Heinz Schreiber, Linken-Stadtrat in Weißwasser, hat eine klare Vorstellung davon, was die Stadt braucht. Und das sagt er am Donnerstag im Vereinspavillon am Sorauer Platz deutlich.

Doch auch wenn es dort um Ideen für die Zukunft von Weißwasser geht, werden die Mittel, die aktuell vom Bund in die Stadt fließen, für Autobahn und Breitband nicht reichen. 450 000 Euro sind es, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung in den nächsten drei Jahren für Weißwasser bereitstellt. Damit kann die Stadt Projekte umsetzen. Und zwar solche, die jungen Menschen, Frauen und Rückkehrern oder Zuzüglern nutzen. „Kommunen innovativ“ lautet der wenig ausdrucksstarke Name des Bundesprogramms, für das sich Weißwasser und 14 andere Städte und Gemeinden qualifiziert haben.

Hinter dem Ganzen steht das Wissen um die großen Probleme in Regionen wie Weißwasser. Die Stadt verliert Einwohner und damit Fachkräfte, Gebäude stehen leer. Mit „Kommunen innovativ“ soll sich daran zumindest ein bisschen was ändern. Deswegen werden alle Projekte in den 15 teilnehmenden Städten und Dörfern auch wissenschaftlich beobachtet. Sodass man am Ende erkennen kann, „was funktioniert, und was nicht“, erklärt Jan Abt vom Deutschen Institut für Urbanistik in Berlin. Das ist eben jene Forschungseinrichtung, die von oben auf alles schaut, analysiert und Schlüsse zieht.

In Weißwasser konkret werden die jungen Menschen, die Frauen und Rückkehrer davon nichts merken. Sie sollen völlig frei Ideen entwickeln. „Spinnen“ steht darum auch auf einem Testplakat, das die Projektmacher am Donnerstag einigen Stadträten, Vertretern von Vereinen, Kirche und Medien zeigten. Der Stadtverein Weißwasser, die Stadt selbst und das Leipziger Leibnitz-Institut für Länderkunde sind Organisatoren, Begleiter, Manager. Bei Leibnitz wurde dafür eine Stelle geschaffen, beim Stadtverein eine halbe und eine Dreiviertel-Stelle.

Ideen vorgeben wollen sie nicht, so Sebastian Krüger vom Verein Mobile Jugendarbeit und Soziokultur. Vertreter der Zielgruppen, aber auch Studenten aus dem ganzen Bundesgebiet sollen sie entwickeln. Egal, ob es dabei um Kultur geht, um Tourismus, um Jobs, ums Wohnen, um Infrastruktur, um Umwelt – was auch immer.

Im September soll es eine Auftaktveranstaltung geben. Und vom 25. September bis 1. Oktober ist eine Summerschool, also eine Art Ideenschmiedetreffen, mit Studenten geplant. Die werden derzeit eingeladen. Aus den Projektvorschlägen, die in diesen frühen Herbsttagen entstehen, sollen am Ende mehrere tragfähige Vorhaben werden. Mit sechs rechnet Weißwassers Oberbürgermeister sachlich. Doch möglich sind auch etwa vier bis 15. Eine Jury wählt sie aus allen Anregungen aus. Und in dieser Jury sitzen unter anderem Vertreter der Stadt und des Stadtvereins.

Dass es Bundesmittel oder andere Gelder für Projekte auch schon in der Vergangenheit gab und dass nicht alles bei den Bürgern einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, darüber sind sich die Macher im Klaren. Mitorganisator Sebastian Krüger betont darum auch immer wieder, dass hier wirklich praktisch etwas umgesetzt wird, was auch für die Zukunft erhalten bleibt. „Alles andere würde nur verbrannte Köpfe hinterlassen. Das will niemand.“ Gudrun Stein von der Arbeiterwohlfahrt mahnt denn auch, Jugendliche unbedingt direkt zu fragen, was sie interessiert.

Als möglichen Ort für Ideen nennt Frank Schwarzkopf vom Stadtverein den Bahnhof, der weitgehend leer steht und dessen Sanierung erst kürzlich verschoben wurde. Aber auch das soll keine Vorgabe sein. Klar ist indes das Logo oder Schlagwort des Gesamtprojektes. „Ort schafft“, lautet es, steht als Schrift über dem Stadtplan-Schema von Weißwasser. Auch eine Internetseite gibt es bereits.

Mittelfristig möchte Schwarzkopf über das Projekt auch ehrenamtliches Engagement in der Stadt stärken. Das sei derzeit gut. Auf 118 Einwohner komme ein Verein, im Bundesschnitt sei es ein Verein pro 130 Bürger. Doch viele Mitglieder seien alt. Erst kürzlich habe er „geholfen“, vier Vereine abzuwickeln – sie stellten die Arbeit ein, auch aus Altersgründen.

www.ort-schafft.eu