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Protest der Postler

Die Zusteller in Bautzen streiken, Briefe und Pakete bleiben liegen. Und noch ist kein Ende in Sicht.

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© Uwe Soeder

Marleen Hollenbach

Bautzen. Mit ihren gelben Jacken sind die Briefträger und Paketboten der Deutschen Post nicht zu übersehen. Vor dem Gewerkschaftshaus in Bautzen haben sich fast
100 Zusteller versammelt. Bei Kaffee und Brötchen stehen sie zusammen, freuen sich über jeden Neuankömmling, begrüßen herzlich bekannte Kollegen. Eigentlich eine nette Runde. Doch die Zusteller sind nicht zum Spaß hierher gekommen. Sie machen sich große Sorgen – um ihre berufliche Zukunft, um ihre Zustellungsgebiete, um ihren Lohn und auch um ihre Arbeitszeiten. Seit über einer Woche befinden sich die Mitarbeiter der Deutschen Post im Ausstand. Ein unbefristeter Streik – und noch ist kein Ende in Sicht.

Es ist ein Wort, das bei den streikenden Zustellern in Bautzen immer wieder fällt. Mit einer Mischung aus Wut und Furcht sprechen sie es aus: DHL Delivery. Was sich dahinter versteckt, kann Streikleiter Mike Bitter erklären. „Die Deutsche Post hat schon jetzt große Teile der Paketzustellung ausgegliedert. Die laufen unter dem Namen DHL Delivery“, erklärt er. In den neuen Tochterfirmen verdienen die Mitarbeiter im Schnitt nur noch 13 Euro die Stunde, während Alt-Postler für die gleiche Arbeit etwa 18 Euro bekommen. „Das allein ist schon ungerecht. Es kommt aber noch schlimmer. Da unser Kündigungsschutz am 31. Dezember endet, befürchten wir, dass wir alle ebenfalls in diese Delivery-Gesellschaft übergehen“, erklärt Bitter.

Ein rauer Ton

„Das wäre der Anfang vom Ende“, sagt Briefträgerin Constanze Manig. Kurz nach der Wende fing sie bei der Post an. Manig hat schon viel erlebt, aber so rau wie jetzt, sei der Ton noch nicht gewesen. Ihr Job macht der Frau aus Lohsa Spaß und sie ist stolz drauf, eine Postlerin zu sein. Wenn da nicht diese quälende Ungewissheit wäre. „Die planen etwas hinter unserem Rücken“, sagt sie. Erste Veränderungen haben Constanze Manig und ihre Kollegen schon bemerkt. „Neue Mitarbeiter, die wir eingearbeitet haben, bekamen erst nur befristete Verträge, bis sie uns ganz verlassen mussten und schließlich zur DHL Delivery wechselten“, erklärt sie. Auch die Zustellungsgebiete seien im Frühjahr, nach der Gründung der neuen Gesellschaften, verändert worden. „Man gewöhnt sich in den vielen Jahren an die Kunden. Und wenn man dann weggehen muss, ist das schon ein großer Eingriff“, sagt Constanze Manig. Zustellerin Svea Gregor, die für das Verteilungsgebiet Hoyerswerda arbeitet, pflichtet ihr bei. Svea Gregor hat bei der Post gelernt und selbst miterleben müssen, wie die Postschalter aus dem Unternehmen ausgegliedert wurden. Noch einmal möchte sie das nicht mitmachen. Wenn es nach ihr geht, dann sollen alle Zusteller unter das Dach der Post zurückkehren.

So lautet auch die Forderung von Verdi. Im Gegenzug will die Gewerkschaft für 2015 Abstriche bei der Lohnerhöhung machen. Auch sollten die Löhne neuer Mitarbeiter langsamer steigen. Verdi forderte allerdings auch eine Einmalzahlung von 500 Euro und ein Lohnplus von 2,7 Prozent für 2016. Bislang lässt sich die Post nicht auf diesen Kompromiss ein. Der Vorschlag leiste keinen Beitrag zur Zukunftssicherung für Mitarbeiter und Unternehmen, begründete Personalchefin Melanie Kreis kürzlich. Zudem bedeute er eine Mehrbelastung von rund 300 Millionen Euro.

Zustellung wird nachgeholt

Derweil wächst der Berg der liegengebliebenen Sendungen. Dass Briefe und Pakete nun später ankommen, wissen auch die Zusteller. „Natürlich denken wir daran. Wir sind ja auch diejenigen, die diese Arbeit am Ende nachholen. Und das wird richtig hart“, sagt Svea Gregor. „Außerdem müssen wir das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen, uns vielleicht auch bei ihnen entschuldigen“, fügt Zustellerin Sylvia Uhlmann hinzu. Trotzdem wollen die Briefträger und Postboten weiterkämpfen. Und auch heute wieder ins Bautzener Streiklokal kommen.