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Protest gegen Höcke

Im Ballhaus Watzke ist am Dienstagabend der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke aufgetreten. Begleitet wurde die Veranstaltung von einer lautstarken Gegenkundgebung.

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© SZ

Dresden. In Mickten ist am Dienstagabend Björn Höcke aufgetreten. Die Anwesenheit des Thüringer AfD-Fraktionsvorsitzenden rief Gegendemonstranten auf den Plan, auch weil die Veranstaltung im Ballhaus Watzke von Pegida-Ordnern geschützt und vom neurechten Compact-Magazin live übertragen wurde.

Höckes Wagen traf gegen 18.10 Uhr auf der Kötzschenbroder Str. 1 ein, da standen viele seiner Anhänger noch am Einlass. Später galt es, zunächst lokaler AfD-Prominenz wie Jens Maier oder Stefan Vogel und weiteren Rednern zuzuhören. Höcke trat unter dem Jubel der Anwesenden erst um 19.50 Uhr ans Mikrofon. Inhaltlich ging es um Altbekanntes, der Thüringer arbeitete sich an „jugendlichen Wirrköpfen“ und „politisch Altgedienten“ ab. Dem Publikum, das sich trotz des Veranstalters Junge Alternative mehrheitlich im fortgeschrittenen Alter befand, schienen die Ausführungen zu gefallen. Es gab Szenenapplaus und die üblichen „Merkel muss weg“-Rufe.

Unweit vom Veranstaltungsort wurde derweil protestiert. Die Versammlung, die durch den Leipziger Anwalt und Grünen-Politiker Jürgen Kasek unter dem Motto „Institutionellen Rassismus abschaffen, AfD sabotieren!“ direkt vor dem Watzke angemeldet war, musste allerdings ausweichen. Die zuständige Versammlungsbehörde genehmigte Protest nur auf der nahe gelegenenen Freifläche an der Leipziger Straße/Ecke Mohnstraße. Dort fanden sich nach Schätzungen eines SZ-Reporters zeitweise bis zu 200 Menschen ein, die ihrem Protest lautstark Ausdruck verliehen. Die vielbefahrene Leipziger Straße wurde nicht gesperrt, Autos und Straßenbahnen konnten passieren. Später soll die Polizei unbestätigten Berichten zufolge Pfefferspray gegen einen Teil der Protestierenden eingesetzt haben.

Dem Abend ging eine lange Geheimniskrämerei voraus: Die Junge Alternative Dresden hatte lange verschwiegen, wo genau ihr Gast bei den „Dresdner Gesprächen“ sprechen werde. Erst am Montagabend sickerte durch, dass die Veranstaltung im Ballhaus Watzke stattfinden soll. Die Geschäftsführung bestätigte am Dienstag, dass der Termin zugesagt wurde. Allerdings, so erklärte Ballhaus-Chef Mirko Unger, sei ihm dabei nicht bekannt gewesen, dass auch Höcke auftritt. Bereits kurz nach Bekanntwerden der Lokalität gingen die Watzke-Facebook-Seiten offline - offenbar wegen empörter Kommentare und Boykottaufrufen. (szo)