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Protest unter Aufsicht

Axel Mothes hat im Nationalpark Sächsische Schweiz auf ein Kulturgut aufmerksam gemacht. Die Verwaltung kam ihm dabei etwas entgegen. Die alten, jetzt gesperrten Wege hat er aber nicht betreten.

© Dirk Zschiedrich

Von Katharina Klemm

Sächsische Schweiz. Die alten Kehren hinauf zum kleinen Winterberg laufen, so hatte es Axel Mothes auf der Homepage seines Buchverlags angekündigt. Doch das war nur eine Finte, verrät er kurz vor Beginn der Wanderung in der Kernzone des Nationalparks Sächsische Schweiz am Sonnabend. Sein eigentlicher Plan: Die historischen Kehren wird er nicht betreten. Stattdessen will er den offiziellen Wanderweg hinauf gehen. Doch das ist nicht alles.

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Nationalparkwächter Matthias Böttger (links) war zu Diskussionen bereit und hatte einen Kompromiss in petto. © Dirk Zschiedrich
Auch die Polizei war vor Ort. Sie musste allerdings nicht eingreifen. © Dirk Zschiedrich

Bereits am Donnerstag hatte er entlang des markierten Wanderwegs vier Holzlatten in den Boden geschlagen. An diesen plante er, kleine Schilder anzubringen. Deren Aufschrift: „Kulturdenkmal Winterbergkehren“. Mit seiner Aktion wolle er aufrütteln und zu Gesprächen über die historischen und erhaltenswerten Wanderstiege in der Sächsischen Schweiz hinweisen, sagte Axel Mothes. Anders als er gehofft hatte, ist nur ein Mitwanderer am verkündeten Treffpunkt erschienen; abgesehen von seinen drei Begleitern. Vielleicht hat das schlechte Wetter am Morgen abgehalten, vermutet er.

Auch zwei Nationalparkwächter sind vor Ort. „So eine Ankündigung können wir nicht ignorieren“, erklärt Matthias Böttger. Sie hatten sich auf alles vorbereitet. Sogar um polizeiliche Unterstützung hatten sie gebeten, um im Falle von Ordnungswidrigkeiten Personalien feststellen zu können. Zwei Beamte sind daher am Treffpunkt. Doch sie können ohne einzuschreiten, wieder fahren. Matthias Böttger will deeskalieren. Daher schlägt er – noch bevor Axel Mothes seinen eigentlichen Plan verkünden konnte – eine Alternative vor. „Wir gehen die unteren sieben bis acht Kehren gemeinsam bis wir auf den markierten Wanderweg stoßen“, sagt er. „Von dort an laufen wir den offiziellen Weg nach oben.“ Damit ist es quasi eine geführte Wanderung des Nationalparks und somit erlaubt. Aus Sicherheitsgründen müssen alle Helm tragen. Axel Mothes stimmt zu. Seinem Plan stand das nicht im Wege.

Die historischen Winterbergkehren dürfen seit 1999 nicht mehr von Wanderern betreten werden. Damals hatte man den neuen mit dem roten Punkt markierten Wanderweg angelegt. Der Grund: Der älteste Buchenwald im Nationalpark soll geschützt werden. Hätte man die Kehren erhalten wollen, hätte man zum Schutz der Wanderer viel mehr Buchen fällen müssen als für den neuen Weg, so Matthias Böttger. Denn die Nationalparkverwaltung ist für die Sicherheit der Wanderer auf den Wegen verantwortlich.

Seitdem verwildern die historischen Kehren, die schon August der Starke gegangen sein soll. Unterwegs erklärt Axel Mothes, warum er hier vor zwei Jahren Jungwuchs ausriss: „Noch sind die Pflanzen klein. Aber wenn sie wachsen, werden sie langsam die alte Stützmauer zerstören.“ Damals bekam er für seine Aktion ein Bußgeld von 450 Euro aufgebrummt. Er hat Einspruch dagegen eingelegt. Für ihn sind die Kehren ein Kulturgut, das es zu schützen gilt, weil es ebenso zum Nationalpark gehört wie die Natur. Man müsse sie ja nicht für Wanderer freigeben, aber erhalten sollte man sie, findet der Buchautor.

Axel Mothes und seine Wandergefährten finden den Nationalpark als Schutzstatus durchaus positiv. „Hätte man den damals nicht eingerichtet, würde es hier heute wohl ganz anders aussehen“, sagt er. Doch die Entwicklung in der letzten Zeit ist für ihn nicht nachvollziehbar. Vor allem für die Zerstörung durch Waldarbeiten wie etwa am Goldbach haben sie kein Verständnis. „Es ist als Wanderer schwer zu verstehen, dass man diese Kehren nicht betreten darf, wo die Nationalparkverwaltung an anderer Stelle den Wald schlichtweg verwüstet “, sagt Axel Mothes. In Thüringen würde man Rückepferde für solche Arbeiten einsetzen, gibt Mitstreiterin Kerstin Petzold zu Bedenken. Dies sei wegen der Länge der Wege nicht möglich, sagt Matthias Böttger. Doch er gibt zu, dass dieses Vorgehen schwer nachvollziehbar sei.

Während des Aufstiegs bringt Axel Mothes, wie geplant, seine Schilder an. Matthias Böttger lässt ihn gewähren. Er weiß, dass sie dort nicht lange stehen werden. Konsequenzen drohen ihm dafür nicht. Er und sein Kollege seien ja dabei gewesen, sagt er.

Bereits auf ihrem Weg nach unten entfernen die Nationalparkwächter die Schilder wieder. Für Axel Mothes war es dennoch ein Erfolg. Vor allem als dann noch eine Wandergruppe aus Dresden zu ihm stößt. Sie sind extra wegen seiner Aktion gekommen. Mit den Worten „Weiter so“ verabschieden sie sich.