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Protestanten treffen tschechische Christen

Jahrelang gab es keine Begegnung miteinander. Jetzt wurde ein erster Schritt getan.

© Markus Großmann

Von Maik Brückner

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Osterzgebirge. Eigentlich trennen sie nur wenige Kilometer voneinander. Dennoch gab es über Jahre keine Treffen von evangelischen Christen dies- und jenseits der Grenze. Das soll sich nun ändern. Den Anfang machte eine Delegation von Deutschen in der nordböhmischen Kurstadt Teplice (Teplitz). Anlass war das alljährliche Treffen von Kirchvorstehern. „Schon seit den 1990er-Jahren fahren wir regelmäßig für ein Wochenende nach Teplitz, um über unsere Gemeindearbeit nachzudenken“, sagt Zinnwalds Kirchvorsteher Norbert Stefan. Dass man die Treffen dort abhielt, hatte einen einfachen Grund. In Tschechien sind gute Unterkünfte preiswert. Ein Kontakt zu den Glaubensbrüdern wurde allerdings nicht gesucht.

In diesem Jahr war das anders. Nach der Klausur fuhren die evangelischen Christen aus Altenberg nicht gleich nach Hause, sondern statteten der tschechischen Gemeinde einen Besuch ab. Gemeinsam wurde in einem zweisprachigen Gottesdienst Abendmahl gefeiert. Die Feier wurde vom tschechische Pfarrer Dan Páleník und vom Altenberger Pfarrer David Keller gehalten. Dass es bisher keinen Kontakt zwischen sächsischen und böhmischen Christen gab, liegt nicht nur an den hiesigen Protestanten. „Von tschechischer Seite gibt es eine Menge Berührungsängste, gerade wegen der Sprachbarriere“, erklärt Pfarrer Páleník. Doch die lasse sich überwinden, findet er. Wer sich auf eine Begegnung einlasse, der finde auch Möglichkeiten, sich zu verständigen. Das zeigte einmal mehr das gemeinsame Treffen. „Ich bin sehr froh, dass es zu dieser Begegnung gekommen ist“, sagte eine Tschechin beim anschließenden gemeinsamen Kaffeetrinken. Ihr Mann hatte deutsche Vorfahren. Deshalb gab es immer eine gewisse Verbindung zu den Nachbarn.

Auch den Sachsen hat das Treffen was gebracht. „So eine Begegnung ist immer eine Horizonterweiterung“, sagt Steffi Schirm, Kirchvorsteherin aus Altenberg. Sie wunderte sich, dass es in der tschechischen Kirche kein Kreuz an der Wand gab. Stattdessen lag auf dem Altar eine große Bibel. Auf der stand ein Abendmahlskelch. Pfarrer Keller, der mit einer Tschechin verheiratet ist, konnte das erklären: „Die Teplitzer Gemeinde gehört zur Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder.“ Sie hat ihre Wurzel in der Reformation von Jan Hus, der etwa hundert Jahre vor Martin Luther lebte. Beide Gemeinden planen, ihre Kontakte in Zukunft zu intensivieren.