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Provinz mit Perspektiven

Rückkehrer Kai-Uwe Löffler macht nach einem Jahrzehnt in Süddeutschland nun in Boxberg Karriere.

© André Schulze

Von Alexander Kempf

Als Kai-Uwe Löffler und seine Freundin ihre einjährige Tochter tagsüber in eine Krippe geben, da wundern sich viele Freunde und Bekannte in Achern. „Das hat damals keiner verstanden“, erzählt der junge Vater aus Knappenrode rückblickend. Ohnehin sei die Kindereinrichtung in Baden-Württemberg gerade vier Stunden am Tag geöffnet gewesen. Einer der Eltern, die aus der Oberlausitz stammen, hätte also beruflich kürzertreten müssen. Spätestens da steht für das Paar fest, dass ihre Zukunft in der alten Heimat liegt.

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Von Actionfilm bis Comic

Erwartungsvolle Spannung. Der Vorhang öffnet sich. Dann laufen 13 Kurzfilme über Sachsen. Neugierige können hier die Filme schon online sehen.

Über die Internetseite „Sachse komm zurück“ findet Kai-Uwe Löffler schließlich Arbeit im Boxberger Ortsteil Kringelsdorf. Er heuert Ende 2015 beim Sondermaschinenhersteller SKM als Projektleiter Vertrieb an. Nur ein Jahr später hat sich sein Aufgabenfeld schon erweitert. Der Rückkehrer leitet nun auch den deutschlandweiten Vertrieb von Bauanlagen. Dadurch ist er viel unterwegs. Ohne den Rückhalt von Eltern und Schwiegereltern wäre das undenkbar, so der Rückkehrer. „Wir genießen ihre Unterstützung gerade sehr“, sagt der junge Vater dankbar.

Die Freude dürfte bei den Eltern und Großeltern genauso groß sein. Kai-Uwe Löfflers potentieller Schwiegervater hat ihn immer wieder ermuntert, sich in der alten Heimat zu bewerben. Denn seit der gebürtige Hoyerswerdaer diese 2000 verlassen hat, sind die Perspektiven für Fachkräfte deutlich besser geworden. Als Kai-Uwe Löffler nach der zehnten Klasse einen Ausbildungsplatz sucht, war das noch ganz anders. Die Lehre zum Konstruktionsmechaniker absolvierte er deshalb in Thüringen, nahe Eisenach. Der Betrieb seines Onkels sei damals „die letzte Option“ für ihn gewesen, um überhaupt etwas zu finden.

Doch diese Chance nutzt er, wird übernommen und zieht 2005 der Liebe wegen nach Baden-Württemberg. In Achern, einer Kleinstadt mit 25 000 Einwohner und fünf Gewerbegebieten, boten dem Konstruktionsmechaniker gleich mehrere Betriebe einen Job an. „Da geht die Post ab“, sagt Kai-Uwe Löffler über die Wirtschaftskraft im „Ländle“. Die Arbeitslosenquote in Achern liege unter zwei Prozent. Unternehmen buhlen mit Nichtraucherprämien, Umsatzbeteiligungen und anderen Anreizen um Fachkräfte. Seinem ehemaligen Arbeitgeber ist der Rückkehrer bis heute dankbar. In zehn Jahren steigt er in Achern vom Schlosser zum Fertigungsleiter auf.

„Ich bin sehr gefördert worden“, sagt Kai-Uwe Löffler. Sein ehemaliger Arbeitgeber hat auf seinen Abschied daher erwartungsgemäß enttäuscht reagiert und hätte ihn gerne weiter beschäftigt. Doch die Sehnsucht nach Heimat und Familie ist größer gewesen. Außerdem will sich der junge Vater beruflich noch weiterentwickeln. In Kringelsdorf sieht er Perspektiven. „Ich hatte Lust auf etwas Neues und habe das Gefühl, hier etwas bewegen zu können“, sagt er. Diese Motivation schätzt sein neuer Chef Steffen Söll. Rückkehrer würden nämlich nicht nur Knowhow und Erfahrung, sondern auch Stil mitbringen. „Wer in den Westen gegangen ist, der hat auch geistige Wendigkeit gezeigt. Wir suchen keine Nesthocker, sondern Menschen, die bereit sind, sich zu verändern“, so der Geschäftsführer von SKM.

Darum wird der Chef auch persönlich bei der Fachkräftebörse „wiederda“ am 27. Dezember im Landratsamt Bautzen vorbeischauen. Die Veranstaltung will explizit Fachkräfte ansprechen, die ihre Weihnachtsfeiertage bei der Familie in der Oberlausitz verbringen. „Das ist eine hervorragende Sache“, lobt Steffen Söll das klare Konzept der Veranstaltung. Seine Firma erhalte pro Jahr 13 Einladungen zu verschiedenen Messen, berichtet der Unternehmer. Alle könne ein Mittelständler unmöglich besetzen. Die Veranstaltung in Bautzen aber sei ein Pflichttermin.

Noch besser fände es der Unternehmer, würden die Initiativen, Rückkehrer nach Sachsen zu holen, stärker gebündelt. Davon könnten Firmen wie Bewerber profitieren. Bis zu 20 Prozent seiner Belegschaft haben schon Erfahrung im Westen gesammelt, schätzt der SKM-Chef. Derzeit beschäftigt die Firma 65 Mitarbeiter. Fünf weitere würde Steffen Söll gerne einstellen. Gelingt es, Großprojekte an Land zu ziehen, könnte die Belegschaft sogar noch stärker wachsen. Kai-Uwe Löffler arbeitet täglich daran.

Neue Jobs in der alten Heimat

Mit einer Fachkräftebörse wollen Kreis Bautzen und Wirtschaft einst Abgewanderte zurück in die Region holen. Die Firmen zeigen immer mehr Interesse.

Die Wirtschaft brummt, die Zahl der Arbeitslosen sinkt – ein Trend, der sich auch bei der diesjährigen Fachkräftebörse am 27. Dezember im Bautzener Landratsamt bemerkbar macht. Bei der dritten Auflage haben die Veranstalter einen neuen Rekord zu vermelden. Mit bisher 50 Anmeldungen wollen dort in diesem Jahr so viele Firmen wie niemals zuvor um neue Mitarbeiter werben.

Seit 2014 laden das Kreisentwicklungsamt, die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer stets zwischen Weihnachten und Neujahr zur Fachkräftebörse „wiederda“ ein. Der Termin ist nicht zufällig gewählt. Denn um die Weihnachtszeit weilen viele, die einst die Oberlausitz verließen, bei ihren Familien in der Heimat. Zugleich richtet sich die Börse auch an jene, die derzeit für ihren Job noch pendeln – aber auch alle anderen Interessierten, die im Beruf eine neue Herausforderung suchen. Die Unternehmen hoffen unterdessen darauf, bei der Veranstaltung vor Ort gut ausgebildete und motivierte Fachkräfte an sich binden zu können. Denn tatsächlich wird es in der Region in etlichen Branchen zunehmend schwierig, Personal zu finden. Im vergangenen Jahr hatte die Börse etwa 600 Besucher angelockt. Die Idee, zwischen Weihnachten und Neujahr mit einer eigens dafür auf die Beine gestellten Veranstaltung um jene zu werben, welche die Region einst auf der Suche nach Arbeit und einem Auskommen verließen, hatte anfangs noch für Skepsis gesorgt. Im ersten Jahr hatten sich nur zwölf Unternehmen daran beteiligt, Ende 2015 waren es dann schon fast viermal so viele. Auch dieses Jahr wollen wieder Firmen aus allen Branchen dabei sein. So werden Unternehmen aus der Industrie, dem kaufmännischen und sozialen Bereich sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe erwartet. Die Besucher können sich dabei nicht nur über die vielen verschiedenen freien Jobs in der Region informieren, sondern auch Kontakte zu den hiesigen Unternehmen knüpfen. Neu ist dieses Jahr der Veranstaltungsort. Nachdem die Stellenbörse 2015 im Best-Western-Hotel stattgefunden hatte, haben sich die Veranstalter dieses Jahr für die Räume im Landratsamt entschieden. (SZ)

Fachkräftebörse „wiederda“, Di, 27. Dezember, 10 bis 14 Uhr, Landratsamt Bautzen, Bahnhofstr. 9; Eintritt frei