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Pirna

Provokante Kunst im Struppener Schloss

Rainer Schwarz aus Dohna malt Bilder, die genauso verschroben sind wie er selbst. Nun hat er seine erste große Ausstellung.

Rainer Schwarz steht im Schloss Struppen zwischen seinen gemalten Erinnerungen an die verstorbenen Popstars Michael Jackson, Amy Winehouse und Whitney Houston.
Rainer Schwarz steht im Schloss Struppen zwischen seinen gemalten Erinnerungen an die verstorbenen Popstars Michael Jackson, Amy Winehouse und Whitney Houston. © Thomas Morgenroth

Das Mädchen mit dem streng geflochtenem blonden Haarkranz trägt eine Bluse der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Sie schwenkt ein blassgrünes Fähnchen mit einem markanten M: Das steht für das aus den USA importierte Mampffließband McDonald’s. Freilich gab es dieses zu DDR-Zeiten nicht, als der sozialistische Jugendverband mit seiner aufgehenden Sonne allgegenwärtig war. Überhaupt stimmt einiges an dem Bild von Rainer Schwarz nicht. Warum um alles in der Welt trägt das Fräulein eine Frisur wie in den Dreißigerjahren, wieso steht sie vor einem antiken griechischen Tempel, der wiederum von Fördertürmen für Erdöl umgeben ist?

„Das weiß ich auch nicht so genau“, sagt Rainer Schwarz, schmunzelt in seinen grauen Rauschebart und lässt seine Augen hinter der Hornbrille blitzen. „Sollen sich doch die Betrachter Gedanken darüber machen.“ Das sei ihm ohnehin das Wichtigste: „Wenn einer durch meine Ausstellung geht und hinterher nur sagt: Es war schön, reicht mir das nicht.“ Kunst finde im Kopf statt, sie verlange nach einer Meinung, nach einer Auseinandersetzung, sagt der 72-Jährige. Seine Gemälde, von denen eine Auswahl derzeit im Schloss Struppen zu sehen ist, sollen mit den Menschen einen Dialog beginnen, gern ein Streitgespräch.

FLORIAN -Die Fachmesse für Feuerwehr, Zivil- und Katastrophenschutz

Vom 10. bis 12. Oktober 2019 werden auf der FLORIAN die Technologien der Zukunft für Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz gezeigt.

„Ich möchte provozieren“, sagt der Dohnaer, der Bilder malt, die sind wie er: Etwas verschroben. Oder so, wie er sich selbst charakterisiert: „Ich bin nicht ganz einfach.“ Aber durchaus unterhaltsam. Was nicht heißt, das seine um Symbole und Schriftzüge angereicherten Porträts und Szenen immer nur heiter sind. Schwarz spart nicht mit bissiger Ironie, mitunter bleibt dem Betrachter auch das Lachen im Halse stecken. Etwa, wenn Schwarz Prometheus am Felsen leiden lässt oder in einem Objekt die Trennung der Menschen durch Religionen ad absurdum führt. Am Ende, so die Botschaft, gibt es nur eine Erde, auch wenn jeder „im Namen Gottes“ ein anderes Klo benutzt.

Schwarz, der als Künstler Autodidakt ist, befasst sich in seiner naiven Malerei mit „allen Dingen, die die Menschen so verzapfen.“ An Fantasie mangelt es dem Linkshänder nicht. Damit kommentiert er auch politische Themen, wie kriegerische Konflikte oder den Klimawandel. Da balanciert ein Seiltänzer über einer Flakstellung, unter der ein Krokodil mit Zylinder wohnt, und da tanzt Rumpelstilzchen als Symbol für die Menschen um das Feuer, während eine riesige Spinne längst den Namen des Kobolds erraten hat und vor dem Braunkohletagebau ihr tödliches Netz spinnt.

Rainer Schwarz, der in Reichenbach im Vogtland aufgewachsen ist, lernte den Beruf eines Transformatorenbauers und war bis 2005 Leiter der Jugendherberge Rotwasserhütte in Schellerhau. Über Burkhardswalde, als zeitweiliger Gast bei seinem Freund und Mentor Dietmar Gubsch, kam Schwarz nach Dohna. Ein paar Jahre, anfangs noch bei Günther F. Winkler und Elen Werth, war er Mitglied im Kunstverein Sächsische Schweiz. Jetzt arbeitet Schwarz als Eigenbrötler, malt ohne Rücksicht auf akademische Konventionen, aber durchaus mit Gespür für die Komposition, dass da nichts aus den Fugen gerät. Wie bei der FDJlerin, wo eben noch ein paar Heißluftballons an den Himmel gehörten, damit sich dieser nicht in Luft auflöst.

Bis 8. September im Schloss Struppen, geöffnet Sonntag bis Donnerstag von 12 bis 17 Uhr.

www.schloss-struppen.de