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Provokateur ohne Rast und Ruhe

Der Mietwagenkönig von Deutschland wird 70. Erich Sixt macht viel Theater um seine Autos. Auch geschmackloses.

© dpa

Von Daniela Wiegmann

Erich Sixt ist kein Mensch, der unter Selbstzweifeln leidet. Mit der Welt ist Deutschlands bekanntester Autovermieter zwar nicht immer im Reinen, mit sich selbst aber meistens schon. Auf den Hauptversammlungen lacht er gern über seine eigenen Witze und freut sich diebisch, wenn er mit einer seiner provokanten Werbekampagnen für Diskussionen sorgt. Morgen wird der Selfmade-Millionär 70 Jahre alt. Das Wort Ruhestand ist ihm aber ein Graus. Er bleibt zur Freude seiner Aktionäre weiter am Steuer. Und das wohl nicht nur wegen der guten Zahlen. Viele von ihnen pilgern jedes Jahr zur Hauptversammlung, um ihn einmal live zu erleben. An seinen Redetext hält Sixt sich dabei meistens nicht, sondern gibt auf dem Podium gerne seine Sicht über die ihm verhassten „Bürokraten“ zum Besten.

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Und er hilft regelmäßig nach, um seinen Namen noch bekannter zu machen. Aber nicht alle seine Werbekampagnen gingen gut: Als er mit einer Anzeige des aus der Psychiatrie entlassenen Gustl Mollath warb, brach ein Sturm der Entrüstung los. Der Spruch: „Wenn hier einer verrückt ist, dann der Sixt mit seinen Preisen“, wurde durchgängig als geschmacklos empfunden. Auch von Sixt selbst später. Völlig daneben ging auch 2011 eine Anzeige. Über: „Liebe Griechen, Sixt akzeptiert wieder Drachmen!“ konnten die Griechen nicht lachen. Wieder war eine Entschuldigung fällig.

Der Konzern mit Sitz in Pullach bei München ist Sixts Lebenswerk. „Ich bin von dem Unternehmen besessen.“ Nach einem abgebrochenen Betriebswirtschafts-Studium übernahm Sixt vor 45 Jahren die kleine Autovermietung seiner Eltern und baute sie zum größten Autovermieter Deutschlands mit einem Milliardenumsatz aus. Inzwischen rollen seine Autos auch in Amerika.

Solange er kann, wolle Sixt weitermachen. Wichtige Termine macht der Chef immer noch gerne selbst. Dann setzt sich der passionierte Opernbesucher und Philosophie-Kenner in einen seiner Mietwagen oder in seinen Firmenjet, den er selber fliegt. Und für schwierige Zeiten habe er ein kleines Büchlein, wie er der Süddeutschen Zeitung gestand. Kaiser Marc Aurels Selbstbetrachtungen. Gut 2.000 Jahre sind die alt, taugen für Sixt aber noch: „Zum Beispiel: Wir sollten uns nicht so wichtig nehmen.“ (dpa/SZ)