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Prozess um totes Baby

Auf einer Wiese in Zwickau wird ein totes Baby gefunden. Beim Prozess sagt der Vater aus, von der Schwangerschaft seiner Ex-Partnerin nichts gemerkt zu haben.

© dpa

Martin Kloth

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Zwickau. Sie haben zusammen fünf Kinder gezeugt. Ein Baby ist tot - und nun steht die Mutter vor Gericht. Totschlag durch Unterlassen, lautet die Anklage. Als ihr ehemaliger Lebensgefährte am Freitag als Zeuge den Schwurgerichtssaal im Landgericht Zwickau betritt, würdigt sich das Ex-Paar keines Blickes. Die 33-jährige Angeklagte wendet sich demonstrativ ab. Während der gesamten Befragung des 35-jährigen Vaters ihrer Kinder verharrt sie in dieser Position und zeigt ihm die kalte Schulter. Nur ihrem Anwalt flüstert sie etwas zu.

Der Mutter wird vorgeworfen, ein Anfang August 2016 in der gemeinsamen Wohnung geborenes Baby nicht versorgt und den Leichnam auf einer Wiese abgelegt zu haben. Dort war der tote Junge erst im Juni 2017 gefunden worden. Die Tatvorwürfe hatte die fünffache Mutter bereits eingeräumt.

Am zweiten Verhandlungstag versucht der Vorsitzende Richter Klaus Hartmann zu ergründen, wie es zu dieser Tragödie kommen konnte - und erhofft sich dabei Aufklärung durch den Ex-Lebensgefährten. Zur Überraschung des Richters aber sagt der 35-Jährige aus, dass er weder von der vierten Schwangerschaft 2014 noch der letzten 2016 etwas bemerkt habe. „Ich habe das nicht mitbekommen“, sagte der Mann. Selbst bei einem Urlaub mit mehrstündigen Wanderungen in den österreichischen Bergen im Juli 2016 hat er nach eigenen Angaben nichts Auffälliges bemerkt. Zu diesem Zeitpunkt muss seine Frau schon hochschwanger gewesen sein.

Der Zeuge zeichnet ein Bild der Familie, in der er einen eher passiven Anteil hatte. Vor den Geburten der Tochter 2008 und der Söhne 2010 und 2013 habe er von den Schwangerschaften erst erfahren, als ein legaler Abbruch nicht mehr möglich war, sagte er aus. Er habe immer nur ein Kind gewollt und dies auch kundgetan. Er habe darauf vertraut, dass seine Partnerin durch die Pille verhüte und sich nach dem dritten Kind habe sterilisieren lassen. Trennung sei nie ein Thema gewesen. Er habe bei den Schwangerschaften kein Mitspracherecht gehabt. „Alles blieb beim alten, nur die Kinder werden mehr“, stellt Richter Hartmann lapidar fest.

Von Kind Nummer vier will der Vater erst erfahren haben, als er nach der Festnahme seiner damaligen Lebensgefährtin beim Aufräumen die Adoptionsakte für ein Mädchen gefunden hat. „Ich habe keine Erklärung dafür“, sagt er. Unvermittelt bricht der sichtlich angespannte Mann während der Befragung in Tränen aus. Die drei älteren Kinder leben heute beim ihm.

Zuvor hatte auch die Angeklagte Tränen vergossen. Anhand ausgelesener Handydaten versucht der Richter, mit ihr die erste Augustwoche zu rekonstruieren, um den bislang unklaren Tag der Geburt des zehn Monate später tot aufgefundenen Babys herauszufinden. Dabei kristallisiert sich heraus: Am wahrscheinlichsten ist der 3. August 2016. „Wenn ich den Nachrichtenverlauf so lese, würde der Mittwoch passen“, räumt sie ein.

Am kommenden Verhandlungstag am 28. März begegnen sich die Angeklagte und ihr Ex erneut. Denn er tritt bei dem Prozess als Nebenkläger auf. „Ich möchte, dass es ein gerechtes Urteil gibt“, sagt er. (dpa)