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Angeklagte Neonazis schweigen vor Gericht

Die "Oldschool Society" soll einen Sprengstoffanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Sachsen geplant haben. Am Mittwoch begann der Prozess in Dresden.

Der 30-jährige Marcel L. soll "Ansprechpartner" für die Mitglieder und "Vertrauensperson" bei Streitigkeiten gewesen.
Der 30-jährige Marcel L. soll "Ansprechpartner" für die Mitglieder und "Vertrauensperson" bei Streitigkeiten gewesen. © Max Stein

Dresden. Nach nur etwa 20 Minuten war der erste Prozesstag um die sogenannte "Oldschool Society" vorbei. Einer der beiden mutmaßlichen angeklagten Rechtsterroristen will sich am nächsten Dienstag zu den Vorwürfen der Bundesanwaltschaft äußern, kündigte sein Verteidiger am Mittwoch an. Der Vorsitzende Richter des Oberlandesgerichts (OLG) Dresden, Thomas Fresemann, sagte, ein Geständnis habe schuldmindernde Wirkung.

Die beiden Angeklagten aus Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern müssen sich wegen Bildung der terroristischen Vereinigung Oldschool Society (OSS) verantworten. Sie sollen ab 2014 mit mehreren bereits verurteilten Mittätern die Gruppe gegründet haben. Ziel seien Sprengstoffanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte gewesen. Beide Angeklagten hätten Gewalt vehement befürwortet und sogar mit Austritt aus der OSS gedroht, sollten keine "Aktionen" erfolgen, heißt es in der Anklageschrift, die der Vertreter der Bundesanwaltschaft aus Karlsruhe vortrug. 

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Ein Angriff auf eine Unterkunft bei Borna in Sachsen war bereits konkret vorbereitet und geplant. In Tschechien hatte die OSS illegale Pyrotechnik gekauft und diese technisch präpariert, um größtmöglichen Schaden anzurichten. Kurz vor dem geplanten Tatzeitpunkt verhaftete die Polizei die Beschuldigten. Das erste Treffen fand in einer Kleingartenanlage bei Borna statt, die Kommunikation lief überwiegend per Online-Chat. 

Die Angeklagten

 Der 43-jährige Daniel A. soll als "Vollstrecker" Sanktionen bei der Oldschool Society durchgesetzt und Mitgliedsbeiträge eingetrieben haben.

Die Angeklagten

Der 30-jährige Marcel L. sei "Ansprechpartner" für die Mitglieder und "Vertrauensperson" bei Streitigkeiten gewesen.

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Das Logo der Facebook-Seite der "Oldschool Society"
Das Logo der Facebook-Seite der "Oldschool Society" ©  dpa

Die Führungsebene der OSS, bestehend aus drei Männern und einer Frau, ist bereits im Jahr 2017 vom Oberlandesgericht München zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Laut Anklage teilte der Angeklagten Daniel A. im Februar 2015 in einem Chat mit, er wolle "Hinrichtungen beim nächsten Treffen" und "Türken ausbluten sehen". Später habe er ergänzt, er wolle "ganz einfach Zecken rösten und fertig". Er schilderte die OSS als streng hierarchische Terrorgruppe, die einen "Geheimrat" als Führungsebene einsetzte - mit einem "Präsidenten", einem Vizepräsidenten, einem "Schriftführer" und einen "Pressesprecher" an der Spitze.   

Der 43-jährige Daniel A. soll als "Vollstrecker" Sanktionen bei der Oldschool Society durchgesetzt und Mitgliedsbeiträge eingetrieben haben.
Der 43-jährige Daniel A. soll als "Vollstrecker" Sanktionen bei der Oldschool Society durchgesetzt und Mitgliedsbeiträge eingetrieben haben. © Max Stein