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Geld und Recht

Prüfungsanfechtung

Prüfungsanfechtung: Was Studierende darüber wissen müssen.

© Rudy und Peter Skitterians

Trotz wochenlangem Ackern in der Bibliothek und durchlernten Nächten kommt für viele Studenten zum Semesterende das böse Erwachen: Eine oder mehrere Prüfungen sind nicht bestanden. Durchfallen kann einerseits persönliche Gründe wie schlechtes Zeitmanagement oder private Probleme haben, doch gibt es immer wieder Fälle, in denen die schlechte Bewertung nicht nachvollziehbar ist. Welche Möglichkeiten gibt es, Klausuren anzufechten?

Was bedeutet es, eine Prüfung anzufechten?

Viele Uniprüfungen können zwar wiederholt werden, doch gibt es einige Klausuren, deren Ergebnis relevant für die Abschlussnote ist. Geht der berühmte dritte Versuch daneben, kann das unter Umständen die Zwangsexmatrikulation bedeuten, sofern ein Härtefallantrag scheitert. Manchmal sind es sogar nur zwei mögliche Versuche, die Prüfung zu bestehen. Die Regelungen unterscheiden sich von Uni zu Uni und können in der jeweiligen Prüfungsordnung eingesehen werden. Ist ein Student der Meinung, eine ungerechte Beurteilung erhalten zu haben, besteht die Möglichkeit der Prüfungsanfechtung. Dabei handelt es sich um ein Verfahren in ein oder zwei Stufen. Zunächst muss innerhalb von vier Wochen nach Bekanntgabe der Ergebnisse schriftlich Widerspruch eingelegt werden. Führt das nicht zum gewünschten Ergebnis, besteht die Option, Klage bei Gericht zu erheben. Obgleich der Student die Prüfungsanfechtung im Alleingang unternehmen kann, empfiehlt es sich immer, einen spezialisierten Anwalt hinzuzuziehen.

Welche Prüfungen sind anfechtbar?

Studenten an einer Universität oder Fachhochschule können jede Art von Prüfung anfechten lassen. Dabei ist es unerheblich, ob es sich um für den Abschluss relevante Examen oder Prüfungen im Grundstudium handelt. Ebenfalls keine Rolle spielt, ob die Prüfung schon einmal vorher nicht bestanden wurde. Die Möglichkeit, eine Prüfung anzufechten, haben zudem Studenten, deren Klausur zwar bestanden ist, jedoch ein unterdurchschnittliches Ergebnis aufweist. Wer hier der Meinung ist, eine unfaire Benotung erhalten zu haben, sollten unbedingt Widerspruch einlegen, da sich viele Examen auf den Schnitt auswirken. Eine schlechte Abschlussnote kann die beruflichen Chancen erheblich schmälern. Übrigens kommen Anfechtungen und die damit verbundene Zweitbegutachtung überdurchschnittlich häufig in Studiengängen mit Staatsexamen vor. Dazu zählen die Fachrichtungen Medizin, Jura oder Lehramtsprüfungen.

Welche Gründe gibt es für eine Prüfungsanfechtung?

Bevor über einen Widerspruch nachgedacht wird, sollte jeder Prüfling ehrlich mit sich sein und die Gründe für das Nichtbestehen analysieren. Manch einer hat sich mit dem Lernstoff verkalkuliert, andere haben die falschen Themen vorbereitet oder die Lernphase insgesamt zu lax gestaltet. Gesundheitliche oder familiäre Probleme sowie Prüfungsangst können Leistungen negativ beeinflussen. Eine Anfechtung hat nur Sinn, wenn Studierende nachweisen, dass sie das Nichtbestehen oder die schlechte Zensur nicht zu verantworten haben. Das ist möglich, wenn ein Verfahrensfehler seitens der Uni bei der Durchführung, Bewertung oder den Bedingungen der Prüfung vorgelegen hat. Solche Fehler sind zum Beispiel:

- Verletzung der Prüfungsordnung und der darin enthaltenen Vorgaben

- nicht zulässiger Prüfungsstoff

- nachweislich zu knapp kalkulierte Prüfungszeit oder zu umfangreiche Prüfung

- äußere Beeinträchtigung der Prüfung durch Lärm und andere Störquellen

- Befangenheit eines oder mehrerer Prüfer

Wie gehen Studierende bei der Prüfungsanfechtung vor?

Hat sich herausgestellt, dass die Gründe für die schlechten Leistungen außerhalb der Verantwortlichkeit eines Studenten liegen, ist Eile geboten, da die Widerspruchsfrist nur vier Wochen beträgt. Studenten wagen diesen Schritt am besten nicht im Alleingang, sondern wenden sich hierfür am besten z.B. an einen Anwalt, der sich auf Prüfungsrecht spezialisiert hat. In einem Erstgespräch kann mit dem Anwalt geklärt werden, welche Handlungsoptionen bestehen. Dabei kommt es auch auf die Ziele an. Hat der Student eine ungerechtfertigt schlechte Zensur erhalten, kann eine Nachbesserung und erneute Korrektur der Prüfung angestrebt werden. Können Fehler im Prüfungsverfahren nachgewiesen werden, ist es sinnvoll, auf eine Wiederholung der Klausur hinzuarbeiten. Sind die Argumente für eine Prüfungsanfechtung stichhaltig, wird der Anwalt ein Widerspruchsverfahren bei der Universität einleiten. Erfolgt eine Ablehnung, muss Klage beim zuständigen Verwaltungsgericht eingereicht werden. Auf diese Weise kann eine erneute Begutachtung oder eine Wiederholung der Prüfung durchgesetzt werden. Wichtig dabei ist, dass auch bei Ablehnung des Widerspruchs die Vier Wochen-Frist zur Einreichung der Klage eingehalten wird.

Welche Kosten entstehen bei einer Prüfungsanfechtung?

Da studentische Geldbeutel nicht üppig bemessen sind, müssen Kosten und Nutzen einer Prüfungsanfechtung gut gegeneinander abgewogen werden. Bei einem für den Studierenden positiven Ausgang des Widerspruchsverfahren entstehen keine Kosten. Bei Ablehnung sind etwa 100 Euro zu kalkulieren. Ein Gerichtsverfahren kann hingegen mehrere Tausend Euro kosten. Empfehlenswert kann es sein, schon zu Studienbeginn eine Rechtschutzversicherung abzuschließen, die solche Fälle aus dem Verwaltungsrecht abdeckt.

Wie stehen die Chancen bei einer Prüfungsanfechtung?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten, jedoch gibt es Situationen, in denen die Erfolgsaussichten sehr hoch sind. Das ist bei Fehlern in der Korrektur der Fall, aber auch, wenn Störfaktoren, Zeitmangel oder andere Verfahrensfehler nachgewiesen werden können. Trotz allem muss beachtet werden, dass Professoren bei der Bewertung immer einen gewissen Spielraum haben. Ob ein Verfahren angestrebt wird, hängt nicht zuletzt davon ab, was für einen Studierenden auf dem Spiel steht. Geht es um die alles entscheidende oder nicht mehr wiederholbare Prüfung, sollte von der Prüfungsanfechtung per Anwalt zwingend Gebrauch gemacht werden.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit der externen Redakteurin Till Brunert.