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Puder und Glitter für den Ball

Regelmäßig üben 19 Kosmetik-Schülerinnen das Make-up der Debütanten. Zum Semperopernball muss jeder Lidstrich sitzen.

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© Jörn Haufe

Von Nadja Laske

Mit geschlossenen Augen steht Claudia Melina vor ihrer Lehrerin – das Kinn leicht erhoben, der Deckenlampe zugewandt. Türkisfarben leuchten ihre Lider, Glitzer nicht zu knapp. Carmen Schaefer begutachtet das Werk. Hier und da findet die Ausbilderin eine Kontur zu hart, den Kajal zu weit gezogen. Doch alles in allem ist sie zufrieden mit der Arbeit. Fannys Arbeit. Sie hat ihre Freundin Claudia geschminkt, fast so, wie am 7. Februar die Debütantinnen des Semperopernballes geschminkt werden sollen.

Bis dahin sind nur noch elf Tage Zeit. Die Anspannung unter den insgesamt
19 Kosmetik-Schülerinnen des ersten, zweiten und dritten Lehrjahres wächst. Seit Dezember trainieren sie regelmäßig das Make-up der jungen Damen, die vor dem großen Ereignis im Akkord an den Schminktischen Platz nehmen werden. Zum ersten Mal sind die angehenden Europa-Wellnesskosmetikerinnen des Dresdner Institutes für Bildung und Beratung (IBB) mit Pinsel und Puder am Start. In Kooperation mit dem Stylisten-Team von Brockmann & Knoedler sorgen sie dafür, dass die Tänzerinnen und auch ihre Tanzpartner zwar auf dem Parkett der Oper glänzen, nicht aber im Gesicht.

Dafür werden die Schülerinnen schon morgens um neun ihre Grundierungen, Eyeliner, Lippen- und Korrekturstifte an langen Tischen im Internationalen Congress Center auspacken. Von da bis zur Semperoper sind es nur ein paar Meter Luftlinie. Die rund 80 Debütantenpaare haben in den hellen Räumen ihre riesige Künstlergarderobe. Dort ziehen sie ihre einheitlichen Ballkleider und Smokings an, werden unter Anleitung der Friseure Ralf Suchomel und Frank Bohm frisiert und von mehreren Dutzend Visagisten und künftigen Kosmetikerinnen perfekt in Szene gesetzt. Zwischen 20 und 30 Minuten sollte ein Make-up dauern. Für den Semperopernball muss es ein wenig schneller gehen. Um möglichst effektiv zu sein, arbeiten die IBB-Schülerinnen in Gruppen an einem Gesicht. Die einen tragen Rouge auf, die anderen bringen die Lippen zum Glänzen oder tuschen die Wimpern.

Zum Grün-Blau des Lidschattens gehört Lippenstift im Coralle-Ton. Das Make-up entworfen hat Stefan Kehl. „Es wird Noblesse ausstrahlen und im Stil leicht die 60er-Jahre streifen“, sagt der Chef-Visagist. Dabei dürfe ein weich gezeichneter Lidstrich nicht fehlen. Den entspannt zu ziehen, geht Fanny und Claudia nicht sofort von der Hand. Im Unterricht hat ihre Lehrerin mit Fotos erklärt, wie die Debütantinnen geschminkt werden sollen. An sich selbst und an Schülern anderer Fachbereiche übten sie, verzweifelten manchmal, resignierten aber nie. Schließlich ist der Semperopernball eine große Sache. Und wer besonders gut arbeitet, darf als eins von insgesamt vier Mädchen in bodenlangem Kleid am Bühneneingang stehen, um den Debütanten noch einmal den Lippenstift aufzufrischen. Eine letzte Puderquaste gegen den Glanz auf Stirn und Nase, dann treten die Tänzer hinaus vors Publikum.

Den Tanz der Debütanten und das gesamte Programm sowie eine durchfeierte Nacht zu erleben, dazu braucht es eine Menge Glück. Die Chance jedoch besteht, denn die Sächsische Zeitung verlost einmal zwei Karten für die schönste Nacht des Jahres am 7. Februar in der Semperoper.

Tipp: Kleine Indiskretionen zum Ball gibt es unter ballistiker.tumblr.com