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„Pumpak will leben“

Ein Rothenburger Naturfotograf macht via Facebook auf den geplanten Abschuss eines Wolfes aufmerksam und erklärt, warum das die falsche Lösung wäre.

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© privat

Von Constanze Junghanß

Rothenburg. „Hände weg von den Lausitzer Wölfen“ steht auf einem Wolfsbild, das der Naturfotograf René Schleichardt auf seiner Facebookseite gepostet hat. Darunter zu lesen ist „Pumpak will leben“ (So wird der Wolf von den Einheimischen genannt. Anm. d. Red.).

Grund für den Facebook-Post ist der geplante Abschuss des Wolfes. Über den informierten das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft (SMUL) und der Landkreis Görlitz. Wegen des auffälligen Verhaltens des Wolfes bestünde eine Gefahr für Menschen.

Herr Schleichardt, warum haben Sie dieses Bild gepostet?

Die Freigabe für den Abschuss ist im wahrsten Sinne des Wortes ein „Schnellschuss“. Und ich sehe das als Start, um den bisher geltenden Schutzstatus des Wolfes im Allgemeinen auszuhebeln. Eine Art Freifahrtsschein also, Wölfe künftig zu schießen. Dieser aus dem polnischen „Ruszow-Rudel“ stammende Wolf soll sich auffällig verhalten haben.

Sehen Sie eine Chance, durch den Internetaufruf den Abschuss zu verhindern?

Das wird ganz sicherlich nicht machbar sein. Mit der Initiative will ich aber viele Menschen darauf aufmerksam machen, sich zu diesem Thema zu belesen, zu informieren und auch sensibel damit umzugehen. Ängste vor dem Wolf gilt es nicht zu schüren, sondern abzubauen.

Manche Menschen haben aber Angst vor dem Wolf. Vor allem dann, wenn sie Anwohner oder Tierhalter sind, die bereits konkrete Erfahrungen mit ihm machten. Warum sollen Menschen dann hinter dem Wolf zurück stecken?

Es gibt Urängste vor dem Wolf, die durch Unaufgeklärtheit oder Panikmache weiter geschürt werden. Bisher stand auch noch nie bei uns hier ein Mensch direkt vor einem Wolf. Denn sobald dieser den Menschen wittert oder sichtet, ist er weg. Eine nahe Sichtung gab es kürzlich in Teicha, als ein Wolf bis auf das Grundstück kam. Davon gibt es Fotos, die vom Haus aus gemacht wurden. Zwischen Tier und Mensch waren also noch Hauswand und Fenster, sodass der Wolf den Menschen nicht wittern konnte. Zu bedenken ist auch, dass manche Hunde ausbüxen und wildern. Da ruft niemand nach sofortigem Abschuss. Wenn man jedes Problem dieser Art mit der Flinte regeln möchte, haben wir irgendwann keine Tiere mehr im Wald.

Welche Alternative gebe es denn?

Möglich wäre das Vertreiben aus dem Terrain. Bei dem Wolf „Kurti“ in der Lüneburger Heide 2016 wurde das wenigstens probiert, wenn auch erfolglos. Doch hier gab es bisher meines Wissens nach noch nicht mal den Versuch, „Pumpak“ – der seinen Namen von polnischen Wissenschaftlern bekam und der als Welpe angefüttert sein worden soll – zu vergrämen. Eine weitere Möglichkeit wäre das Einfangen und die Unterbringung in einem Tierpark. Ein Abschuss sollte nur das allerletzte Mittel sein, wenn andere Lösungen nicht greifen.