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Putin schlägt zurück

Sächsische Firmen nehmen den Importstopp aus Russland noch gelassen. Für den Notfall ist aber vorgesorgt.

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© Reuters

Von Frances Scholz

Spanische Tomaten, griechische Erdbeeren oder deutsche Schweinekoteletts kommen in Russland in nächster Zeit nicht mehr auf den Teller. Nach den europäischen Sanktionen holt nun Putin zum Gegenschlag aus und macht den russischen Markt für westliche Agrarprodukte dicht. Das trifft vor allem die europäischen Bauern. Auch sächsische Unternehmen sind betroffen. Die Firma Obstland Dürrweitzschen verkauft vor allem Äpfel an den Nachbarn im Osten. „Wir würden unser Obst nach Russland liefern wollen“, sagt Vorstand Michael Erlecke. Doch damit ist erst mal Schluss. Ohnehin habe die Firma bereits die ganze Saison über die Auswirkungen des Ukraine-Konfliktes gespürt. „Das Russlandgeschäft macht aber nur eine kleine Sparte bei uns aus“, sagt Erlecke. Die Einbußen durch den Einfuhrstopp seien deshalb nicht so hoch. Außerdem suche Obstland Dürrweitzschen regelmäßig nach neuen Märkten.

So reagieren auch die Teigwaren Riesa. „Wir haben uns gut auf dem französischen Markt entwickelt“, sagt Vertriebsleiter Daniel Zielke. Auch wenn die Firma nicht direkt von dem aktuellen Einfuhrstopp betroffen ist, so macht sich der Konflikt mit Russland schon länger bemerkbar. „Dieses Jahr haben wir noch gar keine Bestellungen aus Russland bekommen.“ Etwa 0,5 Prozent des Umsatzes habe bisher der Export ausgemacht. Beliebt waren die klassischen Pastasorten. Den Verlust des Russlandgeschäftes können die Riesaer aber abfedern.

Dass die sächsischen Lebensmittel- und Agrarunternehmen die Einbußen durch das Russlandgeschäft überstehen, damit rechnet die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Dresden. „Die sächsische Ernährungswirtschaft ist eine wichtige Branche, aber der russische Markt macht nur einen minimalen Teil aus“, sagt Sprecher Lars Fiehler. 2013 wurden Nahrungsmittel im Wert von 22 Millionen Euro nach Russland exportiert. Das entspricht etwa 1,7 Prozent des gesamten sächsischen Exports.

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Deutschland lieferte vergangenes Jahr Agrargüter im Wert von 1,6 Milliarden Euro nach Russland. Bereits im Vorjahr gab es russische Importsperren für bestimmte Milch- und Fleischprodukte. „Heute gibt es deutschlandweit nur noch zehn Molkereien, die Waren nach Russland liefern“, erklärt Björn Börgermann vom Milchindustrie-Verband in Berlin. Er schätzt, dass die deutschen Molkereien nicht so stark betroffen sein werden. „Weniger als ein Prozent der deutschen Käseproduktion geht nach Russland.“ Dabei sei Bedarf bei der russischen Bevölkerung da. Außerdem importiere das Land fast die Hälfte aller Lebensmittel, sagt Börgermann.

Das weiß auch Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU). „Die Lebensmittelimporte aus der EU sind wichtig für Russland. Die Russische Föderation ist darauf angewiesen.“ Er gehe auch nicht davon aus, dass die russischen Erzeuger rasch die Importlücke füllen und Russland damit dauerhaft von der EU unabhängig machen können. Eine autarke Lebensmittelversorgung schaffe man nicht „mit einem Fingerschnippen“, unterstrich der Minister.

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel und Dienstleistungen (BGA) sieht vor allem den russischen Verbraucher als Leidtragenden. Sie müssten wohl die Zeche in Form höherer Preise, schlechterer Qualität und geringerer Vielfalt bezahlen. Aber auch deutsche Exporteure seien sehr stark betroffen, sagt der BGA. Das genaue Ausmaß sei aber noch unklar. Dagegen rechnet der Bauernverband mit geringeren Auswirkungen. Die Landwirtschaft werde die Sanktionen nur begrenzt zusätzlich treffen.

Die sächsische Regierung ist für den Ernstfall gewappnet. „Sächsische Unternehmen können sich auf den Freistaat verlassen“, sagt Wirtschaftsminister Sven Morlok (CDU). Das Bürgschaftsprogramm oder das Beratungszentrum Konsolidierung stehen bereit. Die Sächsische Aufbaubank und die Bürgschaftsbank seien sensibilisiert, schnell zu handeln. Für mögliche Arbeitsausfälle infolge wegfallender Aufträge russischer Geschäftskunden könne zum Beispiel ein Anspruch auf Kurzarbeitergeld bestehen. (mit dpa)