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Putins Versteher

Semperopernball-Leiter Hans-Joachim Frey beschreibt, wie er zum Fan von Russland wurde. Alles sei dort möglich.

© Norbert Millauer

Von Bernd Klempnow

Das Dämonisieren Russlands muss ein Ende haben. Sagt der deutsche Kulturmanager Hans-Joachim Frey, der in Österreich, Deutschland und Russland tätig ist und in Dresden vor allem als Künstlerischer Gesamtleiter des Semperopernballs agiert. Denn „die Russen sind ein stolzes, selbstbewusstes Volk mit einem ganz eigenen Charakter und vielen hervorragenden Persönlichkeiten ... das Land zählt zu den schönsten der Erde“.

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Diese Tiefe der russischen Seele wollte er offenlegen, als er sich mit dem Dresdner Journalisten Jürgen Helfricht daran machte, in einem Buch seine Erlebnisse, Erfahrungen und Kenntnisse aufzuzeichnen. Der Titel „Russland lieben lernen“ ist so blumig wie Großteile des Textes. Gerade nach dem positiven Bild, das die WM-Gastgeber abgegeben haben, dürften viele diese „Herzensangelegenheit“ des deutschen Kulturexperten teilen.

Alles begann, als er den russischen Präsidenten Wladimir Putin 2009 zum Ball nach Dresden einlud. Sachsen profitierte im Nachhinein von dem politisch umstrittenen Besuch touristisch und wirtschaftlich. Putin konnte den Bann des Westens endlich brechen. Auch für Frey, Jahrgang 1965, änderte sich viel. Er, der bei einigen Projekten in Bremen und Linz nicht ganz glücklich agierte, wurde eingeladen, Galaveranstaltungen, Events und Opern unter anderem in Moskau, St. Petersburg und Wladiwostok zu inszenieren. Dank der langjährigen Kontakte zu Putin und dessen Vertrautem, dem Cellisten Sergej Roldugin, wurde er Berater im Bolschoi-Theater. Seit diesem Jahr ist er Leiter des neu entstehenden Kultur- und Festivalzentrums „Sirius“ in Sotschi. Ihn fasziniere, welche Energie investiert werde, um den Badeort etwa mit hochkarätigen Festivals als „ein Salzburg am Schwarzen Meer“ zu profilieren.

Gut 500-mal seit 2009 reiste der Deutsche in das Land, „das es zu entdecken lohnt und auf Sie wartet“. Plastisch beschreiben die Autoren Begegnungen mit Künstlern, Politikern und auch einfachen Bürgern. Man erfährt, wie Vertrauen und Treue mit Vertrauen und Aufgaben gedankt werden, staunt, was dort möglich ist. Frey bilanziert: „Russland ist unser natürlicher Nachbar“. Im Vorwort zum Buch, dessen Herausgabe von russischen Unternehmen unterstützt wurde, grüßt der Kulturminister des Landes: Frey begreife Russland intuitiv aus dessen Seele heraus – als Freund.

Hans-Joachim Frey (Autor), Jürgen Helfricht (Mitwirkender): Russland lieben lernen: Einblicke in eine Welt-Kulturnation. Husum Verlag, 360 S., 24,95 Euro