merken

Qualität statt Besuchspflicht?

In Frankreich müssen bald schon Dreijährige in den Kindergarten. Ziel sind Sprachkompetenz und soziale Fähigkeiten. Eine FDP-Politikerin lehnt das für Deutschland ab - die Diskussion gehe am Thema vorbei.

© Monika Skolimowska/dpa (Symbolfoto)

Berlin. FDP-Generalsekretärin Nicola Beer hat eine bessere Vorbereitung der Jüngsten auf die Grundschule gefordert. Dafür brauche Deutschland bestens qualifizierte Erzieher mit ausreichend Zeit für die ihnen anvertrauten Kinder. Von einer Kindergartenpflicht in Deutschland nach französischem Vorbild hält Beer nichts. Die Diskussion gehe am Thema vorbei, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Freidemokraten im Bundestag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Statt einer Besuchspflicht brauchen wir eine Qualitätspflicht“, forderte sie.

Hintergrund ist die jüngste Entscheidung der französischen Regierung, dass ab dem kommenden Jahr in unserem Nachbarland die Schulpflicht bereits ab drei statt ab sechs Jahren gelten wird - gemeint ist der Besuch der dem deutschen Kindergarten vergleichbaren „École maternelle“. Ziel ist es, mögliche Sprachschwierigkeiten zu mindern. Außerdem sollen die Kinder das soziale Miteinander lernen.

Anzeige
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?
Sie suchen den perfekten Arbeitgeber?

Das therapeutische Gesundheitszentrum von PPS Medical Fitness in Dresden bietet modernste Möglichkeiten. Hier bringt Arbeiten Spaß und Erfüllung.

Beer sagte dazu, hierzulande sei eine derartige Pflicht überflüssig, denn die allermeisten Kinder über drei Jahre besuchten bereits einen Kindergarten - und im letzten Kindergartenjahr liege die Quote bei fast 100 Prozent.

Zum Mangel an Kindergartenplätzen in vielen deutschen Regionen sagte die frühere hessische Kultusministerin der dpa, die Städte und Gemeinden müssten sich - auch weil in Deutschland wieder mehr Kinder zur Welt kommen - auf diese wichtige Zukunftsaufgabe konzentrieren und „entschlossen dafür sorgen, daß es genügend Plätze gibt“. Da sei auch der Bund gefragt, sagte sie.

„Noch wichtiger aber: es fehlen Erzieherinnen und Erzieher, sogar im dramatischen Maße. Hier hilft nur eins: wir müssen den Beruf attraktiver machen.“ Dazu zähle eine bessere Bezahlung, sagte sie. „Dazu zählt aber vor allem, daß wir im Gegensatz zu bisher die ersten drei Ausbildungsjahre für den Erzieherberuf wie bei anderen Berufen auch vergüten.“ Das halte viele davon ab, sich auf den Beruf überhaupt einzulassen.

Zu den Erziehungszielen im Kindergarten sagte Beer, Kinder müssten, bevor sie auf die Grundschule kommen, fließend Deutsch sprechen und verstehen. „Sie müssen körperlich in der Lage sein, rückwärts zu gehen und Purzelbäume zu schlagen. Der Umgang mit einer Schere beim Basteln muss ihnen selbstverständlich sein. Und das Kind muss lernen, sich in einer Gruppe einzuordnen und einzubringen.“ (dpa)