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Qualität statt Massenware

Auch bei Lebensmitteln galt lange: Geiz ist geil. Mittlerweile hat sich der Trend aber gedreht. Der Grünmarkt profitiert davon.

© Claudia Hübschmann

Von Stephan Hönigschmid

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Meißen. Sägespäne im Joghurt, Kochschinken, der aus zusammengeklebten Stückchen besteht, Pizzakäse, der gar keiner ist – die Tricks der Lebensmittelindustrie sind vielfältig. Da wundert es kaum, dass immer mehr Menschen versuchen, sich nicht ausschließlich von Produkten aus dem Supermarkt zu ernähren. Stattdessen schauen viele gern so oft es geht auf wöchentlichen Frischemärkten vorbei.

Einer, der sich in Meißen über diesen Trend zum gesunden Essen freut, ist Stadtmarketingchef Christian Friedel. 2016 rief er den Grünmarkt wieder ins Leben und kann sich seitdem über ein stetig zunehmendes Interesse freuen. Am Sonnabend startet der Markt bereits in seine dritte Saison. „Ich habe auf dem Grünmarkt viele Gespräche geführt und gemerkt, dass die Menschen gern bei Direktvermarktern wie zum Beispiel Bauern einkaufen. Das Bedürfnis, genau zu wissen, wo Dinge wie Obst, Gemüse, aber auch Eier herkommen und unter welchen Bedingungen sie produziert worden sind, ist enorm gewachsen“, sagt Friedel.

Eine Meißnerin, die das bestätigen kann, ist die 60-jährige Monika Schmidt. „Ich bin eigentlich immer vor Ort. Frische Lebensmittel sind wichtig. Die kaufe ich lieber auf dem Grünmarkt als im Supermarkt“, sagt sie und fügt an: „Ich selbst habe ja noch einen Garten und kann etwas anbauen, aber es gibt ja auch Menschen, die diese Möglichkeit nicht haben. Gerade für sie ist der Markt eine schöne Sache.“

Obwohl ihr der Einkauf von hochwertigen Lebensmitteln am Herzen liegt, gibt es noch einen weiteren Grund, warum sie am Sonnabendvormittag alle 14 Tage den Meißner Kleinmarkt besucht. „Man sieht dort auch viele Leute und kann sich entspannt unterhalten“, freut sich Schmidt.

Eine ähnliche Meinung hat auch Anja Zierbock, die den Markt gleich aus zwei Perspektiven beurteilen kann: als Kundin und als Gewerbetreibende, die am Kleinmarkt eine Keramikwerkstatt betreibt. In beiden Fällen empfindet sie ihn als Bereicherung. „Ich mag vor allem die besonderen Stände, wenn es beispielsweise Käsesorten gibt, die man sonst nicht so einfach findet“, sagt Zierbock, die die Wirkung des Marktes auch spürt, wenn sie in ihrer Werkstatt steht oder mit anderen Händlern redet. „Der Markt bringt uns Kundschaft in die Läden. Man merkt deutlich die Wochen, wenn er gerade nicht stattfindet“, sagt sie.

Christian Friedel ist dieser Effekt bewusst. Er nennt den Markt einen „Frequenzbringer“ und hat sich das genau so gewünscht, als er die Veranstaltung 2016 aus der Taufe gehoben hat. Damit es so weitergeht, hat er sich auch für die neue Saison ein paar Attraktionen ausgedacht.

„Wir wollen Dopplungen von Ständen vermeiden. Daher setzen wir statt einem zweiten oder dritten Fisch- oder Metzgerstand liebe auf bestimmte Nischen.“ So sei geplant, dass ein Händler hinzukomme, der Fleisch von Wachteln und Perlhühnern anbiete. Außerdem seien Stände mit Antipasti und Spreewaldspezialitäten angedacht, so Friedel, der laut eigener Aussage von den 15 bis 20 regelmäßig teilnehmenden Gewerbetreibenden gute Rückmeldungen bekommen hat. „Ich kenne keine Besucherzahlen. Mein Gradmesser für den Erfolg sind die Umsätze der Händler. Bisher habe ich nur von zwei Teilnehmern gehört, die nicht zufrieden waren“, sagt er.

Trotz der positiven Resonanz möchte er am zweiwöchigen Rhythmus festhalten. „Ich kann mir zwar vorstellen, dass der Markt jede Woche veranstaltet wird, aber das wäre momentan verfrüht“, so Friedel. Bis zum 20. Oktober geht die diesjährige Saison. Am Sonnabend um 9 Uhr fällt der Startschuss.