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Der Favorit gewinnt die erste Bergankunft

Radprofi Primoz Roglic zeigt bei der Tour de France eine Klettershow und dem deutschen Hoffnungsträger Emanuel Buchmann die Grenzen auf.

Slowenischer Festtag: Radprofi Primoz Roglic gewinnt die erste schwere Etappe bei dieser Tour de France vor seinem Landsmann Tadej Pogacar.
Slowenischer Festtag: Radprofi Primoz Roglic gewinnt die erste schwere Etappe bei dieser Tour de France vor seinem Landsmann Tadej Pogacar. © dpa/Justin Setterfield

Von Stefan Tabeling

Orcières-Merlette. So richtig zufrieden schaute Emanuel Buchmann an der Skistation in 1.825 Metern Höhe nicht drein. "Bei 100 Prozent war das noch nicht. Als es richtig schnell wurde, hat es bei mir noch gefehlt", räumte der deutsche Hoffnungsträger ein, nachdem er bei der ersten Klettershow der 107. Tour de France einen kleinen Dämpfer erlitten hatte. Der Vorjahresvierte verlor bei der Bergankunft in Orcières-Merlette neun Sekunden auf den siegreichen ehemaligen Skispringer und Favoriten Primoz Roglic, gegen dessen Wucht er machtlos war.

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Bis einen Kilometer vor dem Ziel hatte Buchmann verbissen um den Anschluss gekämpft. Dann musste er abreißen lassen. "Viel verloren habe ich noch nicht. Das hält sich noch in Grenzen", sagte Buchmann. Vielmehr dürfte ihn besorgt haben, dass kein Teamkollege in seiner Nähe war. "Ich musste mich beim Berg in Position fahren. Das war nicht optimal", monierte der Ravensburger.

Da hatten andere eine komfortablere Ausgangssituation. Roglic war von seinem Super-Team Jumbo-Visma perfekt in Position gebracht worden. Den Rest erledigte der explosive Kletterspezialist. "Ich habe gezeigt, dass ich bereit bin. Ich bin zurückgekommen und fühle mich von Tag zu Tag besser", sagte Roglic, der nach 160,5 Kilometern vor seinem Landsmann Tadej Pogacar siegte. Damit unterstrich er seine Favoritenrolle, auch wenn er das Gelbe Trikot des französischen Stars Julian Alaphilippe noch nicht in Gefahr brachte.

Buchmann hatte beim 7,1 Kilometer langen Schlussanstieg mit durchschnittlich 6,7 Prozent Steigung nur kleine Probleme. "Da bin ich noch nicht erholt von dem Sturz", erklärte der 27-Jährige und fügte hinzu: "Es ist noch ein weiter Weg bis Paris. Es gibt noch viele Bergetappen." Für Sportdirektor Enrico Poitschke war es bei der Vorgeschichte "keine Überraschung", dass sein Schützling etwas Zeit verloren hat. Buchmann war vor der Tour de France bei der Dauphiné-Rundfahrt schwer gestürzt.

Nils Politt reißt auch mal allein aus

Ansonsten taten sich die Favoriten nicht viel. Egan Bernal aus Kolumbien war direkt im Schlepptau der beiden Slowenen und büßte keine Zeit ein. Auch Thibaut Pinot war gut vertreten.

Zu kämpfen hatte auch Alaphilippe. Doch seine schwächeren Kletterfähigkeiten machte er mit einer weiteren Energieleistung wett. So trägt Frankreichs Liebling am Mittwoch zum 17. Mal in seiner Karriere das Gelbe Trikot, womit er in der ewigen Bestenliste der Franzosen auf den neunten Platz vorrückte - auf einer Stufe mit dem ehemaligen Weltmeister André Darrigade und dem einstigen Tour-de-France-Sieger Roger Pingeon.

Die Entscheidung über den Tagessieg fiel auf dem letzten Kilometer, als Roglic das Kommando übernahm. "Meine Jungs haben einen super Job gemacht. Ich hatte eine gute Position", sagte der 30-Jährige. Für den Teamkollegen von Tony Martin war es bereits der sechste Saisonsieg in 13 Renntagen. "Es ist ja nichts Neues, das er so gut fährt. Das ist er in den vergangenen Rennen auch schon gefahren", meinte Buchmann.

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Zuvor hatte eine sechsköpfige Ausreißergruppe mit Nils Politt das Geschehen bestimmt. Direkt nach dem Start hatte das Sextett die Flucht ergriffen und zwischenzeitlich vier Minuten Vorsprung herausgefahren. Auf einer Abfahrt versuchte es Politt auch mal im Alleingang, wurde aber wieder eingeholt. Es war das erste Mal, dass sich der Paris-Roubaix-Zweite von 2019 in Szene setzte. Angeschlagen war der Kölner mit Rückenschmerzen bereits in die Tour de France gegangen. Am vorletzten Berg war dann aber sein Unterfangen beendet. (dpa)

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