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Radeberg – Moskau und zurück!

Große Leistung einer kleinen Lokomotive: Im Winter dreht in der Goldschmiede Schelle in Radeberg eine besondere Bahn ihre Runden.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

Radeberg. Jeden Morgen legt der Radeberger Goldschmiedemeister Carl Schelle in seinem Geschäft an der Hauptstraße erst mal einen Schalter um. Den zu einer kleinen Modellbahnanlage nämlich.

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Denn seit nunmehr 15 Jahren dreht im Schaufenster der Goldschmiede eine kleine Eisenbahn ihre Runden; in den Wochen vor Weihnachten bis Ende Februar oder Anfang März. „Zuerst hatten wir die Spurbreite N, aber die kleinen Motoren waren dem Dauerbetrieb nicht wirklich gewachsen“, beschreibt Carl Schelle. Also war dann Bernhard Schäfer auf die Idee gekommen, auf die Spurbreite H0e umzusteigen – Bernhard Schäfer wohnt im Haus über der Goldschmiede und kümmert sich um die kleinen Bahnen bei Schelles. Die Spurbreite H0e entspricht dabei den sächsischen und österreichischen Schmalspurbahnen, „und weil die Schaufenstergröße ja keine wirklich großen Radien der Gleise zulässt, passt diese Spurbreite nahezu perfekt“, weiß er. Neun Millimeter breit ist die Spur, Maßstab 1:87. Und er weiß auch, dass es wirklich große Leistungen sind, die von den kleinen Lokomotiven da gebracht werden. Denn in jeder Wintersaison legt so eine Modellbahn bei Schelles immerhin gut 756 Kilometer zurück, jeden Tag 6,3 Kilometer – hat Bernhard Schäfer ausgerechnet. Und er kennt noch eine weitere stolze Zahl: „Der kleine Elektromotor einer solchen Lok hält diese Leistung bis zu fünf Jahre durch; sodass also für eine Lok dann schon mal insgesamt bis zu 3 700 Kilometer Strecke zusammenkommen.“ Und das entspricht der Entfernung zwischen Radeberg und Moskau, „und zwar hin und zurück“, unterstreicht Bernhard Schäfer, der bis zur Pensionierung Geografielehrer am Radeberger Gymnasium war. „Diese Motoren sind also wirklich echte deutsch-österreichisch-britische Wertarbeit“, schiebt der Modellbahnfan gleich noch hinterher.

Ein echter Fachmann

Wobei Bernhard Schäfer nicht nur die kleinen, sondern noch viel mehr auch die großen Eisenbahnen liebt. So reist er beispielsweise herum, fotografiert Züge und Bahnhöfe und baut das Ganze dann maßstabsgetreu als Modell für zu Hause nach … „Ein echter Fachmann“, sagt Carl Schelle beeindruckt. Und dass er damals die Idee zu dieser kleinen Eisenbahnrunde in seinem Schaufenster hatte, freut ihn dabei noch heute. „Das kommt wirklich gut an“, schwärmt Carl Schelle. Immer wieder bleiben vor allem Familien mit Kindern stehen und schauen der kleinen Eisenbahn zu, die so wacker ihre Runden dreht. Manchmal sitzt ein Schneemann hinten auf dem Wagen; oder die Lok schiebt einen kleinen Ball vor sich her.

Wer die Bahn bei Schelles noch sehen will, muss sich aber beeilen. Ein paar Tage noch, dann endet die aktuelle Saison. Und dann sind in den vergangenen Wochen eben wieder immerhin 756 Kilometer Strecke hinzugekommen. Das entspricht übrigens der Autostrecke zwischen Radeberg und der holländischen Hauptstadt Amsterdam. Auch das ist ja durchaus eine gewaltige Leistung für die kleine Eisenbahn im Schaufenster mitten in Radeberg …