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Radeberg schreibt Feuerwehr-Geschichte

Als erste sächsische Stadt zahlt Radeberg allen Feuerwehrleuten eine monatliche Entschädigung.

© xcitepress

Von Jens Fritzsche

365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Radeberg. Dieser Satz sitzt: „Wir schreiben damit von Radeberg aus Geschichte!“ Frank Höhme, der Chef der Radeberger Feuerwehr, ist sicher, „dass das nicht übertrieben ist“, wie er nach dem Beschluss im Radeberger Stadtrat am Mittwochabend sagt.

Dabei liest sich der Tagesordnungspunkt eigentlich so ganz und gar nicht spektakulär: Änderungssatzung zur Entschädigungssatzung der Freiwilligen Feuerwehr, heißt es da ziemlich sperrig. „Aber wir sind damit die erste Stadt in Sachsen, ja sogar in Deutschland, die diesen Schritt geht“, ist Frank Höhme – gleichzeitig auch Chef der SPD-Stadtratsfraktion – hörbar begeistert. Denn dieser Schritt ist eine monatliche Entschädigung für alle Aktiven der Feuerwehren in Radeberg und den Ortsteilen. 30 Euro gibt es ab April – und damit ist Radeberg tatsächlich ein echter Vorreiter. Denn solche Entschädigungen gibt es bisher nirgendwo.

Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) verweist darauf, dass das Ganze für die Stadt auch nicht ganz billig ist. Rund 70 000 Euro kostet diese Unterstützung – „aber es ist auch gut und richtig, dass wir uns das leisten“, ist er überzeugt. Wie auch die Stadträte, die den Beschluss einstimmig fassen. Gabor Kühnapfel – Liegauer Ortsvorsteher und SPD-Stadtrat – verweist in diesem Zusammenhang darauf, „dass es beispielsweise einen gewaltigen Unterschied zwischen Feuerwehrleuten und Fußballspielern gibt“. In einem Fußballverein melde man sich an, „und dann ist man Fußballer, egal ob man gut oder schlecht oder überhaupt spielt“, beschreibt er.

Bei der Feuerwehr gehören hingegen zahllose Ausbildungsstunden und regelmäßige Weiterbildungen dazu, „dafür gibt es bisher keinerlei Gegenleistung“, macht Gabor Kühnapfel deutlich. „Zudem riskieren die Feuerwehrleute bei Bränden Leib und Leben – und wenn sie dann wie jüngst in Radeberg auch noch einen Toten aus dem brennenden Haus holen müssen, wird deutlich, welch auch emotional belastende Aufgabe das Ganze ist!“ Dieser Einsatz müsse einfach gewürdigt werden. „Und Radeberg tut etwas, was eigentlich Sache der sächsischen Politik wäre – aber da gibt es ja bisher immer nur Wahlversprechen, die nicht eingehalten werden“, macht Frank Höhme mit Blick auf die vor Jahren mal ins Spiel gebrachte sächsische Feuerwehrrente deutlich.