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200-Meter-Frachter im Garten

Der Ottendorfer Peter Gneuß fuhr 33 Jahre zur See. Sein Schiff, die MS „Gröditz“, schmückt die Wand seines Hauses.

Der ehemalige Seefahrer Peter Gneuß blickt aus dem Fenster seines Hauses in Ottendorf. Seinen einstigen Arbeitsplatz hat der Kapitän auf die Außenwand malen lassen.
Der ehemalige Seefahrer Peter Gneuß blickt aus dem Fenster seines Hauses in Ottendorf. Seinen einstigen Arbeitsplatz hat der Kapitän auf die Außenwand malen lassen. © Sven Ellger

Ottendorf-Okrilla. Manchmal, wenn Peter Gneuß in Ottendorf-Okrilla unterwegs ist, wird er gelegentlich angesprochen. Auf sein Haus, dass sich von so manchem Eigenheim in der Großgemeinde abhebt. Was mit dem Schiffsgemälde zusammenhängt, dass auf einer Hauswand zu sehen ist. „Da wollen die Leute wissen, was es damit auf sich hat“, so der 82-Jährige. Das sind dann diejenigen, die noch nicht sehr lange im Ort wohnen, ihn und seine Lebensgeschichte nicht kennen. Stört Gneuß aber nicht. Ganz im Gegenteil. „Dann erzählte ich halt was von meinem Leben, von der Seefahrt und davon, warum dieses Schiff mein Haus schmückt“, so der gebürtige Ottendorfer, der Kapitän a.D ist.Es geht mittlerweile in seinem Leben etwas ruhiger zu.

In den vergangenen Jahren musste der hünenhaft-wirkende Mann einige Schicksalsschläge verkraften. Seine Frau Sabine starb vor zwanzig Jahren, und auch seine jüngste Tochter lebt nicht mehr. Da geht in manchen Momenten der Blick zurück, werden die Erinnerungen an seine Zeit als Seemann wieder lebendig. Da war Gneuß oft monatelang von zu Hause weg, auf den Weltmeeren unterwegs. 33 Jahre war der Ottendorfer zur See gefahren, die letzten 13 Jahre als Kapitän des Motorschiff „Gröditz“, des einst größten Trockenfrachters der damaligen DDR. Als er dort abheuerte, 1994 war das, war es für ihn vorbei mit der Seefahrt. „Bin danach nicht mehr mit einem Schiff unterwegs gewesen“, erzählt Gneuß.

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Vom Schlosser zum Hochseekapitän

Auch keine Kreuzfahrt unternommen? Kopfschütteln. „Tausende Menschen auf einem Fleck, das ist nichts für mich“, meint der Ottendorfer. Der eigentlich Lokführer werden sollte, jedenfalls wollte das sein Vater. Damals arbeitete Gneuß als Schlosser im Reichsbahnausbesserungswerk Dresden. „War aber nicht das, was ich mir vorgestellt hatte“, so der Senior. Als Ende der 50-er Jahre in Rostock die Eisenbahnfähre „Saßnitz“ gebaut wurde, wurden junge Leute gesucht, die dort mitarbeiten sollten. „Habe mich sofort beworben“, damit war der Weg zu seinem „Traumjob“, der Seefahrt, in Reichweite. „Ich habe dann den Beruf des Seemanns von der Pike auf gelernt“, erzählt er. Angefangen als Leichtmatrose, arbeitete er sich hoch zum Schiffsoffizier, erwarb das Kapitänspatent, war der Weg geebnet zum eigenen Schiff.

64 Länder kennengelernt

Der Ottendorfer wurde wenig später Chef der 30-köpfigen Besatzung der MS „Gröditz“, eines rund 200 Meter langen und 27 Meter breiten Schiffsriesen. Erlebt hat er in seinen 33 Seemannsjahren eine Menge. Aber darüber ein Buch schreiben, das „kann mir nie in den Sinn“, erzählt er. Insgesamt sei er auf 24 Schiffen gewesen, habe 64 Länder kennengelernt. Jeden Tag den ehemaligen Arbeitsplatz vor Augen zu haben, kommt da nicht so was wie Melancholie hoch? Ach nein, wehrt er ab. Er habe seine Zeit gehabt, die sei aufregend und erlebnisreich gewesen. „Was will man mehr“, so Peter Gneuß.

Die MS „Gröditz“ gibt es im Übrigen nicht mehr, sie wurde 1999 in Indien verschrottet. Gneuß hatte dem Schiffsgemälde, das seit 17 Jahren an seiner Hauswand prangt, 2016 überholen lassen. Denn „manche Stellen waren doch arg blass geworden.“ Wenn der einstige Kapitän nun von seinen Spaziergängen zurück auf sein Grundstück an der Radeburger Straße 31 kommt, strahlt ihn seine aufgepeppte MS „Gröditz“ wieder an.

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