SZ + Radeberg
Merken

"Altenheim und Wohnbau müssen städtisch bleiben"

Katja Mulansky tritt zur Bürgermeisterwahl in Radeberg an. Jetzt stellte sie sich erstmals vor. Welche Pläne sie für die Stadt hat.

Von Thomas Drendel
 4 Min.
Teilen
Folgen
Bürgermeisterkandidatin Katja Mulansky (parteilos) sprach in Radeberg erstmals über ihre Ziele.
Bürgermeisterkandidatin Katja Mulansky (parteilos) sprach in Radeberg erstmals über ihre Ziele. © René Meinig

Radeberg. Gut ein halbes Jahr ist noch Zeit, bis die Einwohner von Radeberg aufgerufen sind, einen neuen Bürgermeister zu wählen. Doch schon jetzt geben die Kandidaten Gas und sind auf Vorstellungsrunde in der Stadt unterwegs. Bewerber Frank Höhme (parteilos) war am Montag beim Radeberger Gewerbeverein zu Gast und beantwortete die Fragen. Am Dienstag stand die parteilose Kandidatin Katja Mulansky Bürgern, Ortschafts- und Stadträten sowie der Presse Rede und Antwort. Auch wenn bei ihrem offiziellen Wahlkampf-Start noch vieles offenblieb, einige konkrete Aussagen zu Problemen in Radeberg machte sie schon.

Auf die Frage, ob sie Radeberg künftig eher als Industriestandort oder als Wohnstadt sieht, schlug sie einen gesunden Mix vor. „Ein Vorteil von Radeberg ist, dass sich hier zahlreiche Firmen angesiedelt haben. Viele Radeberger arbeiten hier. Außerdem zahlen die Unternehmen Steuern. Das tut der Stadtkasse gut. Das Geld kann in Radeberg investiert werden“, sagt sie. Es nütze niemandem eine Stadt, in der es viele Betriebe gibt, aber die Wohnqualität leidet. „Auch eine Stadt, in der zwar viele Menschen wohnen, es aber keine Arbeitsplätze gibt und die Kassen leer sind, will niemand. Es geht darum, eine Stadt zu entwickeln, in der es sich gut leben lässt.“

Neuer Anlauf beim Eschebach-Gelände

Dazu gehört auch, dass Industriebrachen verschwinden. „Gerade was das Eschebach-Gelände angeht, werde ich als Bürgermeisterin das Gespräch mit dem Eigentümer suchen und einen neuen Vorstoß zur Vitalisierung machen.“ Einer Privatisierung städtischer Unternehmen wie der Wohnbau oder dem Alten- und Pflegeheim erteilt sie eine Absage. „Das würde kurzfristige Einnahmen bringen, langfristig der Stadt schaden“, sagt die 45-Jährige. Für die Eingemeindung umliegender Orte sieht sie keinen Anlass. „Wir wollen mit den Kommunen in der Region gut zusammenarbeiten. Wenn es ihnen gut geht, geht es auch Radeberg gut.“

Die Radeberger Innenstadt hat ihrer Ansicht nach viel Potenzial. „Der Marktplatz ist sehr schön. Die vorgeschlagene Fußgängerzone könnte ihn noch attraktiver machen. Mit mehr Gastronomie beispielsweise würde er noch stärker zum Anziehungspunkt. Über die Ausgestaltung müsste diskutiert werden.“ Auf die Frage, wo sie politisch steht, verweist sie auf ihre Parteilosigkeit. „Das sehe ich als Pluspunkt. Als Bürgermeisterin will ich parteiübergreifend arbeiten. Es geht um Lösungen in der Stadt, nicht um Parteiprogramme.“

Umzug nach Radeberg geplant?

Wird sie als Bürgermeisterin nach Radeberg ziehen? „Meine Kinder gehen in Dresden zur Schule. Ich bin von meiner Wohnung in 20 Minuten in Radeberg, schneller als in manchem Stadtteil von Dresden. Vom möglichen künftigen Arbeitsweg her ist es also kein Nachteil. Aber auch im Hinblick auf einen möglichen Umzug sollte man nie 'nie' sagen“, erklärt sie.

Den Job als Bürgermeisterin traut sie sich vor allem aus zwei Gründen zu. Einmal durch ihre berufliche Erfahrung. „Ich habe in mehreren Stationen in der Finanzverwaltung des Freistaates gearbeitet, ich weiß also, wie Ämter funktionieren und durch meine Ausbildung als Juristin kenne ich mich mit Gesetzen aus. Ich glaube, das ist von Vorteil, um eine Stadt zu führen.“ Außerdem gehe sie gerne auf Menschen zu. Auch eine Grundvoraussetzung für einen Bürgermeister, wie sie findet.

Ein weiterer Grund, als Kandidatin anzutreten, dürfte die große Unterstützung gewesen sein. Sowohl CDU, SPD und Grüne nominierten sie als ihre offizielle Kandidatin. Laut Detlev Dauphin, Fraktionschef der Freien Wähler im Stadtrat, plädiert auch eine Mehrheit seiner Fraktion für die Juristin. Unterstützung kommt auch vom derzeitigen Oberbürgermeister. „Als Privatperson“, wie Gerhard Lemm (SPD) betont. Alle begründeten noch einmal ihre Entscheidung für Katja Mulansky. Die fachliche aber auch die charakterliche Eignung habe den Ausschlag gegeben. „Die Zukunft Radebergs liegt uns am Herzen, deshalb haben wir ihr unsere Stimme gegeben“, sagte stellvertretend Rolf Daehne von den Radeberger Grünen.

Frank Höhme wird von den Radeberger Linken unterstützt. Überzeugt hätten vor allem seine inhaltlichen Vorstellungen, so Stadtrat Ronny König. „Diese passen sehr gut zu unseren Positionen.“ Triebfeder und Leitfaden für sein Handeln seien soziale Belange. „Damit trifft er aus unserer Sicht den Markenkern auch unseres politischen Anspruches“, sagte er. Beide Kandidaten präsentieren sich inzwischen auf eigenen Internetseiten. Auf katja-mulansky.de beziehungsweise frank-hoehme.de gibt es Informationen zum beruflichen Werdegang und zu Terminen.