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Gastromagazin prämiert Ottendorfer Bäcker

Anonyme Tester haben bei Marlon Gnauck verkostet. Jetzt darf er sich zu den Besten Deutschlands zählen.

Marlon Gnauck ist vom Magazin Feinschmecker ausgezeichnet worden. Er gehört damit zu den 500 besten Bäckern Deutschlands.
Marlon Gnauck ist vom Magazin Feinschmecker ausgezeichnet worden. Er gehört damit zu den 500 besten Bäckern Deutschlands. © Marion Doering

Ottendorf-Okrilla.  Nein, er habe nichts mitbekommen. Wie auch. Schließlich steht er ja zumeist in der Backstube und nicht hinter der Ladentheke, wie Marlon Gnauck lächelnd erzählt. Die Tester des renommierten Hamburger Gastromagazins waren anonym gekommen und hatten bei ihrem Einkauf aufmerksam begutachtet, was in der Ottendorfer Bäckerei Gnauck alles angeboten wird. Und vor allem: Wie die dortigen Backwaren zubereitet werden. 

Das Ergebnis der Überraschungsvisite: Der Ottendorfer Bäcker Marlon Gnauck wurde vom Hamburger Gastromagazin „Der Feinschmecker“ ausgezeichnet. Die Bäckerei gehört nun zu den 500 besten in Deutschland. Bewertet wurde neben der Produktqualität auch Innovation und Tradition. Angesichts von rund 10.500 Bäckereien, die es im Lande derzeit gibt, sei das etwas, worauf er überaus stolz sei, erklärt der 40-Jährige. Zum ersten Mal kann sich Gnauck mit dieser Auszeichnung des Feinschmeckermagazins schmücken, das alle drei Jahre die besten Bäckereien des Landes kürt. Ein paar Kilometer weiter, in Langebrück, freut man sich ebenfalls. Auch die Feinbäckerei Mueller gehört bundesweit zu den besten ihrer Zunft. Zwei Bäckereien im Rödertal haben es somit in die Hitliste des bekannten Gastromagazins geschafft.

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Marlon Gnauck erzählt, dass er in den vergangenen Tagen häufiger von seinen Kunden auf diese ungewöhnliche Ehrung angesprochen wurde. Sie fallen ja auch ins Auge, die Aufkleber am Fenster seines an der Radeberger Straße gelegenen kleinen Ladengeschäftes, die auf die Auszeichnung hinweisen. Die Urkunde dazu hat Gnauck in seiner Backstube aufgehangen. Als Hingucker, als Bestätigung, „dass ich auf dem richtigen Weg bin“, wie er das beschreibt. Und als ob das noch nicht genug wäre, gab es jüngst noch eine weitere Auszeichnung. Nach einer Umfrage der Zeitung Falstaff, eines österreichischen Wein- und Gourmetmagazins, zählt sein Geschäft zu den vier beliebtesten Bäckereien in Sachsen. 

Keine Fertigbackmischung in der Backstube

Über so viel Wertschätzung freut sich der in diesen Tagen sichtlich gut gelaunte Ottendorfer Bäcker ziemlich. Ist ja auch „eine prima Werbung für mich, gerade im jetzt anstehenden Weihnachtsgeschäft“, bekennt der Ottendorfer. Der, wenn man es genau nimmt, eine Art Freigeist oder Freibäcker seiner Zunft ist. Vor zehn Jahren hatte sich der heute 40-Jährige von den üblichen Fertigbackmischungen verabschiedet. Wegen der vielen Zutaten aus Lebensmittelzusatzstoffen. Hat seither alles aus seinen Teigen verbannt, was industriell hergestellt wird und nicht aus der Region stammt und sich mit ungewöhnlichen Brotkreationen einen Namen in der Region gemacht. 

Seine geschmacklich wie auch farblich auffallenden Backerzeugnisse, dazu gehören etwa das Cranberry-Baguette oder das Chili-non-Carne-Brot, müssen sich irgendwann wohl auch bis zu den Experten des Gastromagazins herumgesprochen haben. Gnauck ist Bäcker aus Leidenschaft. Seit 23 Jahren steht er in der Backstube, fertigt sein Brot nach alter und traditioneller Handwerkskunst, greift auf alte Getreidesorten wie etwa Champagnerroggen oder Dickkopfweizen zurück. Die Brotkreation „Das da“, die er ständig mit neuen geschmacklichen Varianten weiterentwickelt - etwa mit Rotwein und Cheddar oder Erdnüssen und Karamell - hatte die Feinschmecker-Experten besonders beeindruckt. Das habe er bei der Übergabe der Urkunde erfahren, erzählt er. 

Backseminare im Angebot

Zum Backen lässt sich der Ottendorfer vor allem eines: sehr viel Zeit. Eine „unserer Hauptzutaten“, wie er das beschreibt. Fürs Brot, überhaupt für alle Backwaren, müsse man sich genügend Zeit nehmen, das sei wichtig. Die Kundschaft schmeckt es. Einblicke in sein Bäckerdasein respektive wie er seine Erzeugnisse produziert, kann man bei seinen Backseminaren bekommen. Seine raffinierten Backwerke, sein Kundenservice haben sich mittlerweile in der Region herumgesprochen. Kein Wunder, dass die Gnaucksche Bäckerei, die es seit 1919 gibt, auch im Dresdner Raum geschätzt wird. Gnauck erzählt, dass etliche seiner Stammkunden gar bis zu 40 Kilometer zurücklegen, um sich bei ihm mit Brot, Brötchen oder Gebäck einzudecken.

Auch in diesen Corona-Zeiten, während des derzeit herrschenden Teil-Lockdowns? Aber natürlich, erzählt der Ottendorfer, der im Frühjahr, beim ersten Lockdown, der Kundschaft neben der kontaktlosen Kartenzahlung auch die Möglichkeit bot, per Wochenrechnung zu zahlen. „Das kam gut an“, erinnert er sich. Es gab eine Kundenkarte mit Barcode, die Rechnung wurde per E-Mail verschickt, das Geld vom Kundenkonto abgebucht. Fanden viele zu Beginn der Corona-Krise recht „safe“. In diesem Winter aber „wollen wir in unserem Geschäft nach Möglichkeit so viel Normalität wie möglich“, so Gnauck weiter. Viele bezahlten ohnedies wieder mit Bargeld statt mit Karte.

Der Best-of-500-Bäcker vermutet, dass Kunden oder jemand aus der Branche sich bei den Testern gemeldet haben könnte. Denn das Gastromagazin geht ja auch Hinweisen seiner Leser nach. „Vielleicht wohnt sogar einer der Tester in der Nähe“, grinst Marlon Gnauck. Der Ottendorfer weiß aber auch, dass sein siebenköpfiges Mitarbeiterteam auf jeden Fall einen Gutteil Verdienst an dieser besonderen Auszeichnung hat. Zu den besten Bäckereien Deutschlands zu gehören, dies sei für alle noch mal „ein richtiger Motivationsschub“.

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