merken
PLUS Radeberg

Braucht das Rödertal ein zusätzliches Gymnasium?

Ein Neubau in Ottendorf würde die Probleme lösen, sagt ein Kreisrat. Das Landratsamt kommt aber zu einem anderen Ergebnis.

Auch wenn wegen der Corona-Pandemie immer nur die Hälfte der Schüler im Präsenzunterricht lernt: Gymnasien im Rödertal haben ein Platzproblem.
Auch wenn wegen der Corona-Pandemie immer nur die Hälfte der Schüler im Präsenzunterricht lernt: Gymnasien im Rödertal haben ein Platzproblem. © dpa/Jonas Güttler (Symbolbild)

Ottendorf-Okrilla. Neue Wohngebiete in der Gemeinde Ottendorf-Okrilla, ebenso im Dresdner Norden, in der Gemeinde Wachau und in Radeberg. Meist sind es Familien, die sich hier ansiedeln, und deren Kinder benötigen Plätze in Kitas und Schulen. In Ottendorf werden deshalb immer wieder Rufe nach einem Gymnasium in der Gemeinde laut. Die Fraktion Die Linke im Kreistag hat auf die Situation hingewiesen und einen Neubau gefordert. Jetzt liegt die Stellungnahme von Landratsamt und dem Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) vor.

Nach Angaben des Lasub lernen in den vierten Klassen der Grundschulen in Ottendorf 111 Schüler, von denen 43 auf ein Gymnasium wechseln werden. Das seien noch weniger als die 49 zuvor prognostizierten Kinder. 26 davon haben sich am Gymnasium Radeberg angemeldet. Damit bewegen sich die Zahlen innerhalb der vom Teilschulnetzplan getroffenen Prognosen. Deshalb könne man bei der bisherigen Auffassung bleiben, wonach kein Gymnasium in Ottendorf notwendig sei. Die Kinder könnten in den umliegenden Schulen aufgenommen werden.

Anzeige
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte
Die Sachsen-Edition von Mühle Glashütte

Ab sofort gibt es den sportlich-eleganten Teutonia II Chronographen exklusiv bei DDV Lokal zu erwerben. Die Edition ist auf nur 100 Stück limitiert.

Kreisrat: Schülerzahlen würden ausreichen

Der Ottendorfer Gemeinde- und Kreisrat Rene Edelmann weist auf die Enge in diesen Einrichtungen hin. „In Radeberg muss ein zusätzliches Stockwerk auf den Schulanbau gesetzt werden, um die Platzprobleme zu lösen. In Großröhrsdorf stehen Container. Auch das Gymnasium Klotzsche ist voll belegt. Mit einem neuen Schulhaus hätte man genug Kapazitäten.“

Er lässt auch das Argument von einer zu geringen Anzahl von Schülern nicht gelten. „In die Rechnung müssen auch Schüler aus umliegenden Orten wie Wachau, Laußnitz oder Königsbrück einbezogen werden. Sie würden von kürzeren Wegen profitieren. Die erforderliche Schülerzahl für ein dreizügiges Gymnasium mit mindestes 20 Schülern pro Klasse wird aus meiner Sicht erreicht“, sagt er.

Jetzt würden Schüler auf weite Schulwege geschickt. „Das kann nicht unser Ziel sein. Selbst wenn es gelingt, im kommenden Schuljahr die Ottendorfer Schüler entweder im Gymnasium Klotzsche oder in Radeberg unterzubringen, dann wird es andere Kinder aus Dresden treffen, die weit fahren müssen. Einfach weil nicht genügend Kapazitäten vorhanden sind.“ Es gehe darum, den ländlichen Raum zu stärken und die Gymnasien nicht allein in den Städten zu konzentrieren.

Das Landratsamt widerspricht. Im Schulnetzplan wurde detailliert untersucht, wie viele Kinder aus umliegenden Orten sich in Ottendorf einschulen lassen würden. Das Ergebnis: „Trotz optimistischer Annahme für die Veränderung der Schülerströme, die mit einem Gymnasium in der Gemeinde Ottendorf-Okrilla einhergehen, wird die Mindestschülerzahl von 60 Schülern in sechs von acht betrachteten Schuljahren unterschritten.“

Schulleiter bemängelt lange Fahrtzeiten für Schüler

Dass es bei den Schulplätzen derzeit sehr eng zugeht, weiß Andreas Känner zu gut. „Uns liegen für das kommende Schuljahr 170 Anmeldungen vor. Darunter sind Kinder aus Langebrück und Ottendorf-Okrilla. Wir werden diese Anzahl Kinder auch aufnehmen können. Doch damit sind wir an der Belastungsgrenze“, sagt der Schulleiter des Humboldt-Gymnasiums in Radeberg.

Er lehnt dennoch ein zusätzliches Gymnasium im Rödertal ab. „Das würde das Gefüge der umliegenden Gymnasien aus dem Gleichgewicht bringen, vor allem längerfristig. In den kommenden Jahren wird mit einem Rückgang der Schülerzahlen gerechnet“, sagt er. Schüler, beispielsweise aus Königsbrück, würden teils in Ottendorf angemeldet werden. „Sie fehlen dann aber in Kamenz, sie sind in die dortige Schulkapazität eingerechnet.“

Das Landratsamt nennt ein weiteres Argument gegen ein Ottendorfer Gymnasium. Da keine nutzbaren Gebäude vorhanden seien, müsste ein Neubau her. Der wäre frühestens 2025/26 fertig. Ein Ausbau der Kapazitäten in Großröhrsdorf und Radeberg sei schneller umsetzbar. Ab dem Schuljahr 2022/23 ist auch der Neubau des Gymnasiums Dresden-Klotzsche fertig.

Weiterer Kritikpunkt war die lange Anfahrtszeit zwischen Ottendorf und Radeberg. Rene Edelmann und Eltern aus Medingen hatten auf Zeiten von bis zu über einer Stunde hingewiesen. Das bestreitet die Kreisbehörde. Nach ihren Berechnungen sind die Kinder je nach Uhrzeit rund 40 Minuten unterwegs. Das ist nach den gesetzlichen Bestimmungen zulässig. Aber auch der Radeberger Schulleiter sieht Verbesserungsbedarf bei den Schülerbussen. „Gerade für die Kinder aus Ottendorf und Umgebung würde ich mir eine schnellere Beförderung wünschen. Es ist für sie anstrengend, morgens und am Nachmittag so lange unterwegs zu sein.“

Mehr Nachrichten aus Radeberg und dem Rödertal lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radeberg