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Wie es zum Chemieunfall in Ottendorf kam

In einer Spedition in Ottendorf war eine ätzende Substanz ausgetreten, Mitarbeiter wurden verletzt. Wie das passieren konnte und wie die Feuerwehr vorging.

Auf dem Gelände einer Spedition in Ottendorf war am Donnerstag ein ätzendes weißes Pulver ausgetreten. Feuerwehrleute rückten mit Schutzkleidung vor.
Auf dem Gelände einer Spedition in Ottendorf war am Donnerstag ein ätzendes weißes Pulver ausgetreten. Feuerwehrleute rückten mit Schutzkleidung vor. © xcitepress

Ottendorf-Okrilla. Zu einem Großeinsatz mussten Feuerwehren am Donnerstag nach Ottendorf-Okrilla ausrücken. In einer Spedition im Gewerbegebiet waren Giftstoffe ausgetreten. Mehrere Menschen wurden verletzt ins Krankenhaus gebracht. Insgesamt waren 64 Feuerwehrleute am Unglücksort. Der Einsatz dauerte mehrere Stunden. Am Tag danach wird vor allem eine Frage laut: Wie konnte das passieren? Was bisher bekannt ist.

Was war der Auslöser des Unglücks?

Beim Entladen einer Palette aus einer „Brücke“ – das ist eine Art Container, die auf Sattelschlepper gesetzt werden – wurde mindestens ein Sack beschädigt. Weißes Pulver oder Granulat trat aus. Das bestätigt Sebastian Ulbrich von der Polizeidirektion Görlitz. Vermutlich bemerkten die Arbeiter den Schaden nicht sofort. Die beschädigte Ware wurde weiterverteilt. Insgesamt befanden sich 600 Kilogramm auf der Palette. „Von der Brücke wurde sie durch die Halle gebracht und in andere Container verteilt. Dadurch war der Stoff auf einer so großen Fläche zu finden. Wir haben sechs Stellen lokalisiert“, sagt Tobias Kröner von der Ottendorfer Feuerwehr. Er war Einsatzleiter an diesem Abend.

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Wie gefährlich ist die ausgetretene Chemikalie?

Bei dem weißen Stoff hat es sich um Natriumhydroxid gehandelt. Das ist eine starke Base und für den Menschen gefährlich. Sie verursacht schwere Verätzungen der Haut und schwere Augenschäden. Bei Kontakt muss sofort der Arzt verständigt werden. In der Industrie wird Natriumhydroxid für chemische Synthesen und in stark verdünnter Form für die Herstellung von Seifen sowie als Reinigungsmittel verwendet. Laut Tobias Kröner hat sich das Granulat durch den Kontakt mit der Luftfeuchtigkeit zu einer ätzenden Lauge verflüssigt. Wie die sechs Mitarbeiter in Kontakt gekommen sind, ist noch unklar. Entweder haben sie versucht, das Pulver aufzukehren oder die Lauge zu beseitigen.

Wie ist die Feuerwehr vorgegangen?

Um 14.40 Uhr ging der Alarm bei der Rettungsleitstelle ein. Feuerwehren aus Ottendorf und umliegender Orte wurden ins Gewerbegebiet geschickt. „Dabei hat der Diensthabende in der Rettungsleitstelle umsichtig gehandelt. Er beorderte gleichzeitig den ABC-Berater mit zum Einsatzort. Das ist ein Experte der Feuerwehr, der sich unter anderem besonders mit Unfällen mit chemischen Substanzen auskennt“, sagt der Einsatzleiter.

Unmittelbar nach Eintreffen evakuierten die Feuerwehrleute die beiden betroffenen Gebäude. Alle Mitarbeiter mussten raus. Mit Atemschutzgeräten und speziellen Schutzanzügen haben die Feuerwehrleute dann Gebäude und Container nach dem weißen Pulver beziehungsweise der Lauge abgesucht. „Wir sind in drei Trupps vorgegangen. Mit dieser Schutzkleidung und der Atemmaske können die Kameraden maximal 20 Minuten am Stück arbeiten. Dann mussten wir wechseln. Deshalb haben sich die Arbeiten über längere Zeit hingezogen.“ Nach jedem Einsatz mussten die Anzüge der Feuerwehrleute sicher verstaut werden.

„Die Schutzanzüge werden in einer dichten Hülle mithilfe der anderen Kameraden ausgezogen und verbleiben dann in dieser Schutzhülle, damit keine Kontamination stattfindet.“ Zur Beseitigung der Chemikalie wurde am späten Nachmittag der ABC-Zug nachgeordert. Diese rund 30 Feuerwehrleute sind speziell für Unfälle mit Chemikalien, biologischen und radioaktiven Substanzen ausgebildet. Mit einem Bindemittel nahmen sie Pulver und Lauge auf und transportierten sie ab. Gegen 22 Uhr schien der Einsatz zunächst abgeschlossen. „Bei einer Nachkontrolle wurde dann gegen 1 Uhr in einem Container weiteres Pulver entdeckt. Er wurde durch Polizeibeamte versiegelt“, sagt Sebastian Ulbrich.

Sind die verletzten Mitarbeiter wieder gesund?

Nach Angaben der Polizei haben sich die sechs Mitarbeiter Reizungen zugezogen. „Es hat sich dem Augenschein nach um leichte Verletzungen gehandelt. Allerdings ist bei solchen Unfällen unklar, ob später weitere Symptome auftreten“, sagt Sebastian Ulbrich. Laut Tobias Kröner konnten die Verletzten die Klinik inzwischen wieder verlassen.

Wer hat Schuld an dem Unglück?

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Das werden die Ermittlungen zeigen. Die Polizei wird untersuchen, was der Auslöser war. „Es handelt sich nach den jetzigen Erkenntnissen um einen Unfall. Die Beamten ermitteln wegen fahrlässiger Körperverletzung“, sagt Sebastian Ulbrich. Wann die Untersuchungen abgeschlossen sind, ist unklar.

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