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Stromausfall in Radeberg: „Der Blackout war gruselig“

Beim Stromausfall am Montag wurde es in Einkaufsmärkten in Radeberg dunkel. In Firmen nahm sensible Technik Schaden.

In Radeberger Einkaufsmärkten schaltete sich beim Blackout die Notbeleuchtung ein. Kunden reagierten besonnen, sagt John Scheller, Inhaber zweier Edeka-Märkte in der Stadt.
In Radeberger Einkaufsmärkten schaltete sich beim Blackout die Notbeleuchtung ein. Kunden reagierten besonnen, sagt John Scheller, Inhaber zweier Edeka-Märkte in der Stadt. © Matthias Schumann

Radeberg. Einen Stromausfall in dieser Größenordnung gab es bei Sachsen-Energie noch nie. Tausende Haushalte waren ohne Strom. In Unternehmen stoppte die Produktion von einem Moment auf den anderen.

John Scheller, Betreiber von Edeka-Märkten in Radeberg, Dresden und Großenhain erlebte den Blackout in seinem Markt in Dresden. „Die Lichter gingen plötzlich aus, die Notbeleuchtung sprang an. Fast zeitgleich bekam ich anrufe, dass das Gleiche in den beiden Radeberger Märkten passiert ist. Das war schon gruselig. Ein Stromausfall in einem so großen Gebiet“, sagt er. An allen drei Standorten seien die Kunden zu den Ausgängen geleitet worden. „Schon wegen der Unfallgefahr mussten wir so handeln.“ Nur einige Kunden, die schon an den Kassen anstanden oder sich in der Nähe befanden, wurden noch abkassiert. „Die Kassen verfügen über Batterien. Damit können kurzfristige Stromausfälle überbrückt werden. Die Zeitspanne ist aber nicht sehr lang.“

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Andere Kunden, die gerade im Markt unterwegs waren, mussten ihre Einkäufe in den Wagen zurücklassen und ohne sie den Markt verlassen. „Alle waren sehr verständnisvoll. Es gab keine Zwischenfälle.“ Notstromaggregate halten die Märkte nicht vor, sagt John Scheller. „Wir können einige Teilbereiche eine Zeit lang versorgen. Die komplette Energie bereitzustellen, wäre zu aufwendig.“

"Abrupter Stopp ist bei Robotern problematisch"

Einer der größten Stromverbraucher in Radeberg ist das Karosseriewerk KWD. Dort wo Pressen nahezu ununterbrochen Teile für die Autoindustrie stanzen, herrschte plötzlich Stille. „Dieser abrupte Stopp ist insbesondere bei den Robotern problematisch. Sie sind mitten in einer Bewegung. Die Unterbrechung verursacht dann schnell Schäden an der Steuerungselektronik. Diese Komponenten müssen dann ausgetauscht werden“, sagt Geschäftsführer Mirko Schmidt. Generell müssten nach dem Stromausfall alle Maschinen zunächst heruntergefahren und dann neu gestartet werden. „Das nimmt dann schon einige Zeit in Anspruch. Sind Komponenten defekt, dauert das noch länger.“

Aber auch halbfertige Bauteile müssten überprüft und gegebenenfalls aussortiert werden. „Die Dauer der Stromunterbrechung ist für uns nicht ausschlaggebend. Die viele Arbeit haben wir, wenn wir wieder am Netz sind. Da spielt es keine Rolle, ob er nun zehn Minuten oder eine halbe Stunde weg war“, sagt der Geschäftsführer. Eine Notstromvorrichtung für das gesamte Werk vorzuhalten, sei wegen der enormen Energiemenge nicht möglich. „Wir haben nur besonders sensible Maschinen geschützt. So verfügen unsere 3D-Messmaschinen über Akkus, die Ausfälle für eine gewisse Zeit überbrücken können. Ansonsten würden auch hier Schäden entstehen.“

Sind die Pressen und Roboter wieder funktionsfähig, können sie nur nacheinander wieder hochgefahren werden. „Würden alle zur gleichen Zeit ans Netz gehen, würde das wegen des hohen Strombedarfes zu hohe Spitzen verursachen“, sagt Mirko Schmidt. Inzwischen läuft die Produktion bei KWD wieder normal.

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Besonders sensible Geräte verwenden die CUP Laboratorien Dr. Freitag in Radeberg. Hier werden unter anderem Messreihen für die Pharmaindustrie vorgenommen. „Die Messungen wurden durch den Stromausfall unterbrochen, aber bereits erfasste Daten werden in Pufferspeichern gesichert. Sie sind nicht verloren“, sagt Inhaber Dirk Freitag-Stechl. Auch Schäden an den Messgeräten habe es nicht gegeben. Ein Ausfall in der Nacht hätte das Unternehmen stärker betroffen. „Tagsüber bestücken meine Mitarbeiter meist die Geräte, nachts laufen dann die Untersuchungen der Substanzen. So gesehen hatten wir noch etwas Glück.“

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