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Modernes Center in neun Monaten

Das Silberberg Center in Radeberg öffnete trotz Unsicherheiten zum vorhergesagten Termin. Doch nun läuft das Haus auf Sparflamme.

Jetzt ist es kaum noch wieder zu erkennen. An der Eingangsseite steht eine große Klinkerwand, die Eingänge sind großzügiger.
Jetzt ist es kaum noch wieder zu erkennen. An der Eingangsseite steht eine große Klinkerwand, die Eingänge sind großzügiger. © Sven Ellger
Über dem Eingang ins alte EKZ in Radeberg war der Schriftzug kaum noch zu erkennen. Ende Januar 2020 zogen auch die letzten Geschäfte aus. Dann wurde das Haus komplett umgestaltet.
Über dem Eingang ins alte EKZ in Radeberg war der Schriftzug kaum noch zu erkennen. Ende Januar 2020 zogen auch die letzten Geschäfte aus. Dann wurde das Haus komplett umgestaltet. © Archivfoto: Matthias Schumann

Eine helle Mall, große Fenster, dutzende Geschäfte vom Modeladen über Bioprodukte bis hin zu zwei Supermärkten: schon bei der Eröffnung Anfang November war das Silberberg Center in Radeberg ein Besuchermagnet. Hunderte Besucher sahen sich in dem neu gestalteten Haus um. Die Defama AG als Eigentümerin hatte Wort gehalten und das Center zum vorher gesagten Termin eröffnet. Was bei der Vorgeschichte schon fast an ein Wunder grenzt.

Denn schon einmal musste der Umbau verschoben werden. Er sollte nämlich bereits im Sommer 2019 beginnen. Durch einen Fehler in den Planungsunterlagen aus den 90er-Jahren versagte das Landratsamt die Zustimmung. Hintergrund: Im Text hatte die Stadt Radeberg 1991 festgelegt, dass auf dem Gelände nur großflächiger Einzelhandel angesiedelt werden darf, im Plan war der Standort mit „Einkaufszentren und großflächige Handelsbetriebe“ bezeichnet. Dem Bau eines EKZ mit kleinen Läden hätte daraufhin nie zugestimmt werden dürfen, schätzte im Frühjahr 2019 die Baubehörde in Bautzen ein. Dieser Widerspruch musste erst durch neue Beschlüsse unter anderem im Stadtrat und in den umliegenden Gemeinden ausgeräumt werden. Das kostete mehr als ein halbes Jahr Zeit. Die Verzögerung verunsicherte Händler wie Kunden. Geschäfte schlossen, immer weniger Besucher kamen in das EKZ.

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EKZ-Baustelle kämpft mit Corona

Dann zu Beginn des Jahres 2020 packten auch die letzten verbliebenen Händler ihre Kisten. Ende Januar schloss das Haus. Viele machten komplett zu, andere suchten sich Zwischenlösungen. Evelin Widtmann zog mit ihrem Friseurgeschäft nur ein paar Meter weiter in einen Container. Den ließ sie auf dem Parkplatz aufstellen. Rückblickend eine gute Idee, wie sie sagt. „Die Kunden haben mir die Treue gehalten. Wir hatten immer gut zu tun. Das war das Wichtigste.“

Dann rückten die Baufirmen an und im Hintergrund nahm die Corona-Pandemie in Deutschland allmählich an Fahrt auf. Wirkt sich die Corona-Krise auf die Arbeiten am EKZ aus, war die bange Frage? Geschäfte waren bereits geschlossen, und viele Betriebe hatten ihre Beschäftigten ins Homeoffice geschickt. Polnische und Tschechische Bauleute konnten wochenlang wegen der Pandemie nicht nach Deutschland einreisen. Doch Bauleiter Florian Tebel konnte Entwarnung geben. „Hier auf der Baustelle gibt es bisher keine Einschränkungen. Die Kollegen arbeiten hier und der Nachschub von Baumaterial funktioniert ebenfalls“, sagte er. Nur in einem Bereich gab es eine Verzögerung. Eine Firma hatte Mitarbeiter aus Polen für Abrissarbeiten beschäftigt. Sie konnten wegen der Grenzschließungen nicht auf die Baustelle kommen. Inzwischen sind wieder genügend Arbeiter hier und der Verzug ist aufgeholt. Laut Forian Tebel wird auch der Abstand zwischen den Kollegen eingehalten, um eine Ansteckung zu vermeiden. „Wir haben hier ja sehr viel Platz.“

Plattgemacht bis auf die Grundmauern

Zunächst wurde das EKZ bis auf die Grundmauern platt gemacht, die Innenwände kamen raus, der Fußboden, die Installationen. Dann zogen die Bauleute neue Wände hoch. Die Fassade wurde komplett neu verputzt. Die Außenwände waren bisher optisch durch Ziegelverblendungen unterbrochen. Sie verschwanden. Es entstand eine durchgängige Fassade, unterbrochen von teils großflächigen Schaufenstern und den Eingangstüren. Größte Veränderung zu der Zeit. An den Haupteingängen wurde eine große Klinkerwand errichtet. Ende August kam der Klinker an die acht Meter hohe Wand.

Bauleiter Florian Tebel war in den hektischen Wochen ein Fels in der Brandung. Rund 60 Bauleute - Elektriker, Monteure von Klimaanlagen, Maurer, Fußbodenleger, Dachdecker - waren jeden Tag auf der Baustelle zu dirigieren. Er sorgte dafür, dass am Ende auch die Fenster in die Öffnungen passen, eine Tür dorthin kommt, wo sie soll und auch alle Wände an der richtigen Stelle stehen. „Langweilig wird es hier nie“, sagte er. Neun-Millionen-Euro gab der Eigentümer für den Umbau aus. Im September konnte das erste Geschäft an den Mieter übergeben werden. Außen sah es währenddessen noch nach Baustelle aus. Buchstäblich bis zum letzten Tag wurde dann noch gestrichen, gebohrt und dekoriert. Einige Mieter dürften in dieser Zeit einige graue Haare bekommen haben, weil der Telefon-Anschluss noch fehlte oder die Lampen nicht geliefert worden waren.

Punktlandung zur Eröffnung

Aber das Center legte eine Punktlandung hin. Am 5. November öffnete das kaum wiederzuerkennende Haus. Bereits um 6 Uhr standen die ersten Kunden vor der Tür. Besucher waren von der Atmosphäre im Center begeistert. „Es ist sehr schön geworden, sehr hell und freundlich. Gegenüber dem vorherigen Einkaufszentrum ist alles viel großzügiger. Das merkt man auch in den Geschäften. Da ist mehr Platz zwischen den Regalen“, sagen zwei Kunden aus Feldschlößchen.

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Nach der Euphorie zur Eröffnung läuft das Center jetzt auf Sparflamme. Wegen der Corona-Auflagen sind etliche Geschäfte geschlossen. Wie John Scheller vor wenigen Tage sagte, dass die Corona-Einschränkungen schon auf den Umsatz drücken. Es kommen weniger Menschen, einfach weil außer den Lebensmittelanbietern alle Geschäfte geschlossen sind. Eines ist aber sicher: Sobald es die Corona-Lage erlaubt, soll es eine verspätete Einweihungsfeier geben.

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